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Grüne fordern vom KBA Prüfung weiterer Daimler-Rückrufe

Kürzlich hat das Kraftfahrtbundesamt weitere Rückrufe von Daimler-Fahrzeugen angeordnet. Betroffen ist ein Motor, der schon vorher Probleme machte. Das sorgt für Kritik.

Aus den Schlagzeilen ist die „Diesel-Affäre“ schon länger verschwunden. Sie fällt mittlerweile eher in die Kategorie „Was macht eigentlich...“. Doch noch immer ordnet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) von Zeit zu Zeit Rückrufe von Fahrzeugen an, bei denen Abschalteinrichtungen vermutet werden – zuletzt im Oktober bei Daimler.

Dieses Mal geht es um Mercedes Sprinter der Abgasnorm Euro 5, von denen 79.000 Fahrzeuge in Deutschland und EU-weit 260.000 betroffen sind. Daimler hat Widerspruch eingelegt.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen, die der WirtschaftsWoche vorliegt, erklärt die Bundesregierung jetzt sehr detailliert, wie die illegale Abschalteinrichtung funktioniert. Was sie allerdings nicht erklärt: Warum nicht noch weitere Rückrufe angeordnet wurden. Denn der betroffene Motor OM 651 ist ein alter Bekannter. Bereits im vergangenen Jahr hatte das KBA den Rückruf von 280.000 Daimler-Fahrzeugen in Deutschland angeordnet. Die betrafen zwar ausschließlich Fahrzeuge der Abgasnorm 6b, aber auch darin war bereits teilweise der Motor OM 651 verbaut.

Insgesamt sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums in Deutschland rund 440.000 Fahrzeuge mit dieser Motorvariante zugelassen. „Es ist unbegreiflich, warum das Kraftfahrtbundesamt erst jetzt weitere Modelle zurückrufen lässt“, kritisiert der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn. Alle weiteren Daimler-Fahrzeuge mit dem auffälligen Motor müssten unverzüglich auf den Prüfstand.

Der Daimler-Konzern erklärte, es handele sich um einen „aufwendigen Prüfprozess“, der Zeit brauche. „Es geht um Funktionalitäten der Motorsteuerung, die häufig von Baureihe zu Baureihe und von Variante zu Variante abweichen“, heißt es in einer Stellungnahme. Von der Motorbezeichnung alleine ließe sich daher nicht ablesen, ob ein Fahrzeug Teil des Rückrufes sei. Vielmehr müsse der Gesamtzusammenhang für den jeweiligen Typ untersucht werden, also das Zusammenspiel von Motorsteuerung, den Komponenten der Abgasreinigung sowie Fahrzeugeigenschaften.

Für das Kraftfahrtbundesamt sei der Rückruf des Motors OM 651 in jedem Fall eine peinliche Angelegenheit, denn die Behörde hatte die Modelle vor Jahren selbst genehmigt, meint Grünen-Sprecher Kühn. „Mit jedem weiteren Rückruf rächt sich, dass das Verkehrsministerium und seine Behörden jahrelang auf eigene Abgasmessungen verzichtet hatten.“ Die Abgasaffäre sei längst nicht ausgestanden, solange immer neue Betrugsfälle bekannt werden. „Verkehrsminister Andreas Scheuer muss den Abgasskandal endlich transparent aufarbeiten und den seit über einem Jahr angekündigten Bericht über die Abgaskontrollen des Kraftfahrt-Bundesamtes endlich vorzulegen“, so Kühn weiter.