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Südkorea und Japan ringen um Lösung im Handelsstreit

CHENGDU/SEOUL (dpa-AFX) - Trotz jüngster Entspannungssignale haben Südkorea und Japan auch bei einem Spitzentreffen keinen Durchbruch bei strittigen politischen und wirtschaftlichen Fragen erzielt. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In rief Japans Regierungschef Shinzo Abe am Dienstag bei einem Gespräch im chinesischen Chengdu auf, dass Tokio alle gegen Südkorea gerichteten Exportbeschränkungen aufheben solle. Das teilte Moons Büro in Seoul nach dem ersten formalen Gipfel zwischen beiden seit 15 Monaten mit. Auch im Streit um die Entschädigung ehemaliger koreanischer Zwangsarbeiter während Japans Kolonialherrschaft (1910-45) blieben demnach die Differenzen bestehen.

Moon schlug den Angaben zufolge vor, die Arbeitsgespräche über den Handelsstreit voranzutreiben. Japan sollte zu der "Situation vor dem 1. Juli" zurückkehren, sagte Moon in Anspielung auf den Beschluss Tokios im Sommer, strengere Kontrollen für den Export von Materialien zur Chipproduktion nach Südkorea zu verhängen. Japan hatte zwar zuletzt die Kontrollen für eines der drei betreffenden Materialien gelockert. Doch für Soul ging der Schritt nicht weit genug.

Hintergrund des Streits ist ein Disput beim Thema Zwangsarbeit. Seoul hatte Tokio Vergeltung für Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes in Südkorea vom vergangenen Jahr vorgeworfen, wonach zwei japanische Konzerne Schadenersatz an ehemalige Zwangsarbeiter zahlen müssen. Tokio sieht das Thema Entschädigung durch einen Vertrag von 1965 als abgeschlossen an.

Abe und Moon einigten sich den Angaben Seouls zufolge darauf, den Disput um Entschädigungsfragen durch Dialog zu lösen. Abe habe Moon aufgerufen, das Problem rasch anzugehen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Regierungsbeamten. Das Treffen zwischen beiden selbst wird als weiteres Zeichen der Annäherung gesehen.