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Söder ist der Überraschungsstar des CDU-Parteitages

CSU-Chef Markus Söder begeistert auf dem CDU-Parteitag die Delegierten. Das gibt den Spekulationen um eine mögliche Kanzlerkandidatur neue Nahrung.

Eigentlich sollte es nur ein kurzes Grußwort werden. Doch dann hielt Bayerns Ministerpräsident auf dem CDU-Parteitag eine starke und launige Rede, für die es am Ende stehenden Beifall gab. Die Rede kam so gut an bei den 1001 Delegierten, dass es mancher in der Halle schon wieder als kleinen Affront für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer empfand.

Söder begann seine Rede allerdings mit viel Lob für die CDU-Vorsitzende und vor allem mit Appellen zur Geschlossenheit. Auftritte von CSU-Chefs bei der CDU waren in den vergangenen Jahren wegen des anhaltenden Streits um die Flüchtlingspolitik nicht immer einfach. Umgekehrt galt das auch.

Doch an diesem Samstag ist alles anders. „Wir wollen zwar nicht fusionieren“, rief Söder den Delegierten zu, aber gleichzeitig gelte: „Wir sind nur gemeinsam stark.“ Und er verband das mit einem demonstrativen Schulterschluss. „Danke, Annegret!“ Und er fand ebenfalls versöhnliche Worte für Kanzlerin Angela Merkel. „Wer vier Wahlen hintereinander gewinnt, kann es nicht so schlecht gemacht haben.“ Deutschland stehe gut da, und das sei auch ein Verdienst der Bundesregierung und der Union. Parteien, die mit sich nicht glücklich seien, die „in Dauerdepression“ seien, die überzeugten auch nicht die Wähler, mahnte Söder.

Dann gab es von Söder noch scharfe Attacken auf die AfD, die er ausdrücklich als „Feind“ bezeichnete. „Die AfD ist alles, aber sie ist keine bürgerliche Partei“, sagte Söder. Die AfD sei „die neue NPD“. Mit denen arbeite man nicht zusammen, „die bekämpft man“.

Es folgten noch einige launige Kritik an den Grünen. Die würden die Linkspartei der Union vorziehen, sagte Söder mit Blick auf die Regierungsbildung in Bremen. Im Bundestagswahlkampf gehen es nicht um „Schwarz und Grüne, sondern Schwarz oder Grün“, sagte Söder. Der CSU-Chef verteidigte das Klimapaket, mahnte aber gleichzeitig, die Autoindustrie nicht kaputt zu machen.

Immer wieder wurde Söder von Zwischenapplaus unterbrochen. „Ich weiß, ich habe nicht so viel Zeit“, sagte er. „Auf diesem Parteitag ist wichtig zu unterscheiden zwischen Grußworten und Reden.“ Söder sollte nur ein Grußwort halten, so wie Kanzlerin Angela Merkel. Doch es wurde eine der stärksten Reden des gesamten Parteitages. Das gibt den Spekulationen um einen möglichen Kanzlerkandidaten Markus Söder neue Nahrung.

Der bayerische Ministerpräsident hatte das immer zurückgewiesen. Andererseits genießt er, dass man ihn in der Union für Kanzlerkandidaten-tauglich hält. Und so macht er immer mal wieder kleine Andeutungen. „Unser Akku ist nicht leer“, rief Söder den Delegierten zu. „Mein Akku ist es jedenfalls nicht.“