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Ryanair-Chef wettert gegen Lufthansa-Staatshilfe, will klagen

Aoife White und Siddharth Philip

(Bloomberg) -- Die Corona-Krise hat die Flugbranche in eine Krise gestützt, die viele Airlines ohne Staatshilfen wohl nicht überleben würden. Dem Chef der irischen Billig-Fluglinie Ryanair Holdings Plc ist genau das jedoch ein Dorn im Auge. Er schießt sich auf ein neues Ziel ein: Die Deutsche Lufthansa AG.

“Die Lufthansa dreht auf der Suche nach Staatshilfen ihre Runden wie der betrunkene Onkel am Ende einer Hochzeit; sie schlürfen aus all den leeren Gläsern, sie können nicht anders”, sagte Michael O’Leary im Interview mit Bloomberg. “Wir indessen wollen keine Staatshilfe. Aber man verlangt von uns, mit nicht nur einer gefesselten Hand zu konkurrieren, sondern mit gleich zwei hinter dem Rücken gefesselten Händen.”

Zweimal hat Ryanair in diesem Monat schon die EU-Kommission verklagt. Zum einen wegen ihrer Genehmigung französischer Steuererleichterungen, die hauptsächlich Air France zugute kommen werden. Zum anderen wegen Schwedens Kreditgarantien über 455 Millionen Euro für die Airlines des Landes.

Wenn Brüssel - wie erwartet - grünes Licht für die Lufthansa-Staatshilfen gibt, will O’Leary auch dagegen vor Gericht ziehen. “Ihre Kosten werden derzeit sowieso komplett von den Kurzarbeitsregelungen bestritten, wofür also brauchen sie den ganzen Crackberg von 12 Milliarden Staatshilfe”, so O’Leary. Eine Befürchtung liefert er gleich hinterher, die Lufthansa könnte mit dem Geld der Steuerzahler die Ferienfluglinie Condor kaufen und so in Deutschland ein “stärkeres Monopol” schaffen.

Von der Kritik ausgespart bleiben auch die wiederholten Staatshilfen für Alitalia SpA nicht. Die italienische Airline könnte über eine 3 Milliarden Euro schwere Kriegskasse verfügen, um in den nächsten vier oder fünf Jahren Tickets unterhalb der Kosten verkaufen zu können. Dies werde Ryanair, EasyJet und anderen ihrer nicht staatlich gestützten Wettbewerber in Italien unerhörten Schaden zufügen.

“Die Hilfen werden für illegal befunden werden, da besteht für uns kein Zweifel”, so O’Leary. “Doch dann werden die Italiener Alitalia einfach sagen: Wir brauchen das Geld eh nicht zurück, oder die Franzosen sagen das gleiche in Bezug auf Air France. Aber dann ist der Schaden schon angerichtet.”

Sprecher von Lufthansa und Air France-KLM wollten sich nicht zu O’Learys Seitenhieben äußern. Die EU-Kommission in Brüssel kündigte an, ihre Position vor Gericht zu verteidigen.

Überschrift des Artikels im Original:O’Leary Picks Fight With Lufthansa in Bid to Wreck EU Virus Plan

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