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„RWE muss schneller raus aus der Kohle“

Der französische Vermögensverwalter Amundi, einer der größeren RWE-Investoren, fordert den Essener Energiekonzern auf, seine Braunkohlemeiler schneller abzuschalten.

Im Tagebau Garzweiler sind Aktivisten von Ende Gelände eingedrungen und besetzen einen Braunkohle-Bagger. Foto: dpa

Der französische Vermögensverwalter Amundi, siebtgrößter RWE-Investor, macht Druck beim Essener Energiekonzern RWE. In einem persönlichen Brief vom 24. Juni 2020 an RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz und Finanzchef Markus Kebber, der der WirtschaftsWoche vorliegt, kritisiert der Anteilseigner die beiden Top-Manager scharf. Amundi sei „überrascht“, dass RWE bis 2038 seine Braunkohlemeiler weiterbetreiben wolle. Das widerspreche RWEs Ziel, beim Wandel vom fossilen zum grünen Stromkonzern führend zu sein.

Der Investor begrüßt, dass RWE bis 2040 klimaneutral werden wolle. „Es fehlt aber ein konkreter Plan, wie dieses Ziel erreicht werden soll“, schreibt Amundi an RWE. Amundi stehe zum Pariser Klimaplan und erwarte, dass alle Unternehmen in seinem Portfolio sich ebenfalls an diesen Plan halten. Um das 1,5 Grad-Ziel, vereinbart im Pariser Klimaplan, zu erreichen, müssten Kohlekraftwerke in der EU bis 2030 abgeschaltet werden. Markus Kebber, Nachfolger von Schmitz im kommenden Jahr, müsse 2021 einen festen Ausstiegsplan aus der Kohle bis 2030 vorlegen, fordert der Vermögensverwalter. RWE in die Zukunft führen zu wollen, bedeute „den Kohleausstieg zu beschleunigen und alle Kräfte auf den grünen Umbau zu fokussieren“.

Vor kurzem hat der Norwegische Pensionsfonds RWE-Aktien wegen dessen fossilen Aktivitäten verkauft. Katrin Ganswindt von der Umweltorganisation Urgewald hofft, dass nach Amundi auch andere große RWE-Anteilseigner wie Blackrock und Deutsche Bank Druck auf RWE ausüben werden.

Mitglieder der Organisationen „Ende Gelände“ und „Einsatz Kohlestopp“ besetzten am Freitag anlässlich der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE Bagger im Braunkohletagebau Garzweiler. Auch in der Lausitz in Ostdeutschland gebe es Protestaktionen. Die Proteste richteten sich gegen das Kohlegesetz, das am 3. Juli vom Bundestag beschlossen werden soll. Danach soll die Kohleverstromung hierzulande bis 2038 beendet werden, wofür der Staat die Versorger mit Milliardensummen entschädigt.

„Uns ist der Dialog mit Investoren wichtig. Deshalb setzen wir uns mit dem Schreiben von Amundi intensiv auseinander“, heißt es bei RWE in Essen zu dem Brandbrief des Investors Amundi. Man werde zeitnah das Gespräch suchen, um dabei etwa den von RWE klar vorgezeichneten Weg aus der Kohle zu erläutern. In Großbritannien sei der Kohleausstieg bereits erfolgt, in den Niederlanden rüste RWE Kohle-Kraftwerke aktuell auf Biomasse um, und in Deutschland soll der Ausstieg auf Basis der Entscheidung der Bundesregierung spätestens 2038 abgeschlossen sein; so wie es die breit gesellschaftlich verankerte Kohlekommission vorgeschlagen habe. Neben dem Klimaschutz seien dabei auch die Belange der Beschäftigten, Strukturwandel und Versorgungssicherheit berücksichtigt worden. „Aus unserer Sicht sollte das Thema CO2-Reduktion nicht auf die Kohleverstromung allein verengt werden. Das Europäische Emissionshandelssystem bezieht ja richtigerweise alle fossilen Brennstoffe ein“, sagte ein Konzernsprecher. Man werde im Gespräch mit Amundi auch die tiefgehende Transformation von RWE darstellen. Bis 2040 werde der Konzern klimaneutral sein, schneller als viele andere Unternehmen. Als einer der heute schon weltweit führenden Anbieter im Bereich Erneuerbare Energien investiere RWE wir massiv in den weiteren Ausbau des Portfolios. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei entscheidend, um den Kohleausstieg zu ermöglichen und die Energiewende zu einem Erfolg zu machen. „Von vielen anderen Investoren erhalten wir sehr positives Feedback für unseren Weg“, so der Sprecher.

Thomas Deser, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, kritisierte, der Kapitalmarkt wisse nicht mehr, wofür RWE eigentlich stehe. Mit Blick auf die noch lange laufenden Kohlekraftwerke, sagte Deser: „RWE ist auf Jahre noch kein Erneuerbaren-Energien-Titel und braucht eine neue Equity-Story.“


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