Deutsche Märkte öffnen in 48 Minuten
  • Nikkei 225

    28.743,25
    -121,07 (-0,42%)
     
  • Dow Jones 30

    31.496,30
    +572,20 (+1,85%)
     
  • BTC-EUR

    42.294,68
    +591,32 (+1,42%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.018,36
    +75,19 (+7,97%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.920,15
    +196,65 (+1,55%)
     
  • S&P 500

    3.841,94
    +73,47 (+1,95%)
     

RWE und EnBW sichern sich Flächen für Offshore-Windparks vor Großbritannien

Flauger, Jürgen
·Lesedauer: 4 Min.

Die deutschen Energiekonzerne wollen vor der britischen Küste Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren. EnBW arbeitet dazu mit BP zusammen.

Die deutschen Energiekonzerne RWE und EnBW wollen im großen Stil weitere Offshore-Windparks in Großbritannien bauen. Beide Unternehmen teilten am Montag mit, sich bei der jüngsten Auktion attraktive Flächen gesichert zu haben.

Die beiden Energiekonzerne könnten jeweils zwei Windparks mit insgesamt 3000 Megawatt Leistung bauen. Rechnerisch würden sie damit jeweils Strom für rund drei Millionen Haushalte liefern. EnBW kooperiert dabei mit dem britischen Ölkonzern BP.

Die beiden Konzerne äußerten sich auf Anfrage nicht zum erwarteten Investitionsvolumen. Vor den endgültigen Investitionsentscheidungen stehen auch noch Prüfungen mit Blick auf Umweltschutz und Genehmigungen aus. RWE und EnBW müssten aber Milliardenbeträge stemmen. RWE baut in der Nähe der neuen Fläche den Offshore-Windpark Sofia mit einer Leistung von 1,4 Gigawatt. Hier wird das Investitionsvolumen auf drei Milliarden Euro geschätzt.

Großbritannien gilt in Europa als attraktivster Standort für Offshore-Windparks. Bis 2030 sollen vor den Küsten bereits Anlagen mit einer Leistung von 40 Gigawatt installiert sein – aktuell sind es rund zehn Gigawatt. Die Liegenschaftsverwaltung der britischen Krone, „The Crown Estate“, hatte bei dieser Auktion insgesamt vier Gebiete ausgewiesen, innerhalb derer sechs Projektflächen an Bieter vergeben wurden. Neben RWE und dem Konsortium aus EnBW und BP erhielten noch zwei Finanzinvestoren einen Zuschlag.

Der Wettbewerb um die Flächen sei rege gewesen, schrieben die Analysten von Bernstein Research. Es sei erstaunlich, dass von den anderen Energiekonzernen wie Orsted, SSE, Iberdrola, Vattenfall und Equinor, die bereits größer bei der Offshore-Windenergie in Großbritannien aktiv seien, keiner zum Zuge gekommen sei.

Die Unternehmen mussten eine Optionsgebühr für die jeweiligen Flächen bieten. RWE gab mit 82.552 Pfund (rund 94.000 Euro) je Megawatt und Jahr das niedrigste Gebot ab. Die jährliche Pacht würde sich auf gut 280 Millionen Euro summieren, reduziert sich aber nach der endgültigen Investitionsentscheidung.

EnBW bot mehr als RWE

Konkurrent EnBW, der die Windparks in einer 50:50-Partnerschaft mit BP entwickeln will, hat mit 154.000 Pfund pro Megawatt und Jahr mehr geboten. Der Konzern bezeichnet die Flächen aber auch als die „hochwertigsten Flächen“, die in der Auktion angeboten worden seien. Die Flächen der Auktion würden sich sowohl hinsichtlich der Kosten für Bau und Betrieb – wegen der Entfernung von der Küste und der Meerestiefe – als auch bezüglich des Windertrags unterscheiden.

Die zwei benachbarten Standorte, für die RWE den Zuschlag bekommen hat, liegen auf der Doggerbank, einer Sandbank in einem flachen Bereich der Nordsee, 110 Kilometer von der Nordostküste Englands entfernt. Dort wird auch das Projekt Sofia realisiert. Vor der finalen Investitionsentscheidung müsse nach den Angaben RWEs unter anderem eine Flora-Fauna-Habitat-Verträglichkeitsanalyse durchgeführt sowie die Vergütung verhandelt werden. Die beiden Windparks könnten aber Ende des Jahrzehnts vollständig in Betrieb gehen.

„Großbritannien ist einer der strategischen Schlüsselmärkte, um unser Portfolio an erneuerbaren Energien zu erweitern und unsere Position als ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Offshore-Wind zu stärken“, sagte Anja-Isabel Dotzenrath, CEO von RWE Renewables.

Deutschlands größter Stromproduzent hat im milliardenschweren Tauschgeschäft mit Eon ein großes Portfolio an erneuerbaren Energien erworben – und die Produktion von Strom zum neuen Kerngeschäft ausgerufen. In Großbritannien betreibt RWE bereits neun Offshore-Windparks. Zusätzlich betreibt das Unternehmen den 860 Megawatt starken Offshore-Windpark Triton Knoll vor der Küste Lincolnshires, der voraussichtlich im ersten Quartal 2022 vollständig in Betrieb gehen wird.

EnBW will gemeinsam mit BP die beiden neuen Windparks in der Irischen See möglichst 2028 in Betrieb nehmen. Für EnBW wären es die ersten Offshore-Windparks in Großbritannien. „Wir freuen uns sehr über diesen Auktionserfolg in einem harten internationalen Bieterumfeld“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux.

Nach den Worten Dirk Güsewells, der bei EnBW für die Portfolioentwicklung der erneuerbaren Energien zuständig ist, seien bei den erworbenen Flächen die Windverhältnisse „überdurchschnittlich gut“ und es gebe gute Aussichten, die endgültige Genehmigung zu erhalten.

„Die Renditen aus der Offshore-Windkraft sind attraktiv und werden über Jahrzehnte hinweg beständig sein“, erklärte Dev Sanyal, bei BP Vorstandsmitglied für den Bereich Gas and Low Carbon Energy. Der Ölkonzern hat angekündigt, massiv in Erneuerbare zu investieren.

EnBW hat deren Ausbau ebenfalls ins Zentrum seiner Strategie gestellt. Seit 2013 hat der Konzern bereits fünf Milliarden Euro in das Geschäftsfeld investiert. Bis 2025 will er noch einmal rund vier Milliarden vor allem in den weiteren Ausbau der Wind- und Solarenergie stecken. Dann soll gut die Hälfte des Erzeugungsportfolios von EnBW aus erneuerbaren Energien bestehen.

In Deutschland hatte EnBW mit dem Baltic 1 in der Ostsee Deutschlands ersten kommerziellen Windpark gebaut. Vor einem Jahr nahm das Unternehmen „EnBW Hohe See und Albatros“ in Betrieb und will bis 2025 den Offshore-Windpark „He Dreiht“ bauen, der ohne staatliche Subventionen auskommen soll. Neben Großbritannien prüft die EnBW die Beteiligung an weiteren internationalen Offshore-Auktionen, darunter in USA und Taiwan.