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RWE-Chef hört früher auf: „Irgendwann ist auch mal gut“

Flauger, Jürgen
·Lesedauer: 4 Min.

Rolf Martin Schmitz geht schon nach der Hauptversammlung. Im Kontrollgremium von Eon wird der RWE-Chef bleiben, eine Karriere als Multiaufsichtsrat strebt er aber nicht an.

Rolf Martin Schmitz hat seine komplette Karriere, gut 35 Jahre lang, in der Energiewirtschaft gearbeitet. Seit fast zwölf Jahren sitzt er im Vorstand von RWE, seit 2016 führt er den Energiekonzern – aber in zweieinhalb Monaten ist Schluss. „In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat werde ich Ende April mein Vorstandsmandat niederlegen, also kurz nach der Hauptversammlung“, kündigte Schmitz im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Das ist noch etwas früher als geplant. Eigentlich war die Stabübergabe an Finanzvorstand Markus Krebber für den 30. Juni geplant, aber für Schmitz ist der Ablauf der Hauptversammlung nun der „perfekte Zeitpunkt für die Übergabe“: „Ich war seit 1998 in Vorstandspositionen, irgendwann ist dann auch mal gut“, hält der 63-Jährige nüchtern fest.

Schmitz will definitiv kürzertreten. Das Mandat im Aufsichtsrat von Eon will der promovierte Ingenieur zwar weiterführen. RWE ist nach dem milliardenschweren Tauschgeschäft mit 15 Prozent am ehemaligen Erzrivalen beteiligt. Ansonsten wird Schmitz aber nicht wie viele Ex-CEOs eine Karriere als Multiaufsichtsrat anstreben. Er will sich anschauen, was kommt – schließt aber größere Mandate in der Wirtschaft aus: „Ein Senior Advisor werde ich sicherlich nicht.“

Zu kräftezehrend waren die vergangenen achteineinhalb Jahre, als Schmitz zunächst als Vizechef und dann als CEO bei RWE im Feuer stand. Als Chef des größten deutschen Kohlekonzerns wurde er zum Feindbild Nummer eins der Umwelt- und Klimaaktivisten. Öffentliche Auftritte wurden von Protesten begleitet, Hauptversammlungen zum Spießrutenlauf.

Als im Herbst 2018 RWE im Hambacher Forst roden wollte, um Platz für die Braunkohlebagger zu schaffen, war der Konflikt auf dem Höhepunkt. Schmitz wurde vom Naturschutzbund Nabu zum „Dinosaurier des Jahres“ gekürt.

Gleichzeitig hatte die Energiewende RWE zwischenzeitlich in richtige Existenznöte gebracht. Der Konzern hatte den Boom der erneuerbaren Energien verschlafen. Die RWE-Kraftwerke wurden immer mehr aus dem Markt gedrängt. Der Atomausstieg kostete ebenso Kraft wie der Kampf um die Kohle.

Schmitz erkannte die neue Zukunftschance

Aber RWE und Schmitz bekamen noch rechtzeitig die Kurve. Der Atomausstieg ist verkraftet, die Risiken gegen Milliardenzahlungen an einen öffentlich-rechtlichen Fonds sind ausgelagert – und auch der Kohleausstieg ist besiegelt. RWE wird schrittweise bis spätestens 2038 aus der Förderung und Verstromung von Kohle aussteigen und dafür entschädigt.

Gleichzeitig griff Schmitz beherzt zu, als sich für RWE eine neue Zukunftschance auftat: das Tauschgeschäft mit Eon. Konkurrent Johannes Teyssen übernahm mit Eon die RWE-Tochter Innogy, aber nur die Sparten Vertrieb und Netz. RWE bekam unter anderem die erneuerbaren Energien von Innogy und die, die bisher Eon betrieben hat. Der als Fossil geächtete Stromproduzent stieg auf einen Schlag zu einem führenden Spieler bei den erneuerbaren Energien auf, will seine Kräfte auf das Zukunftsgeschäft konzentrieren und bis 2040 sogar klimaneutral werden.

„Der Kernenergieausstieg ist verarbeitet, der Kohleausstieg in trockenen Tüchern, die Finanzlage solide – und RWE hat mit den erneuerbaren Energien wieder eine Perspektive“, hält Schmitz fest – und: „Ich weiß RWE in guten Händen.“

Markus Krebber übernimmt den Chefposten

Den Umbau von RWE hatte er seit 2016 eng mit Markus Krebber gestaltet. Die beiden waren nur zu zweit im Vorstand, haben eng zusammengearbeitet und, wie Schmitz betont, viel bewegt, „weil wir in vielem einig waren“. Zu dem 48-Jährigen pflege er „ein freundschaftliches Verhältnis“.

Der Rheinländer selbst freut sich aufrichtig auf seinen Ruhestand, seine neuen Freiheiten und dass er nicht „mehr jeden Morgen gleich“ seine Mails checken müsse. Als CEO müsse man ja ständig in Bereitschaft sein. Er freut sich auf seine Familie – bald komme das dritte Enkelkind auf die Welt – und seine Hobbys. Schmitz liebt alte Autos und wandert gern in den Bergen.

„Natürlich ist es traurig, dass mein Abschied in die Coronazeit fällt“, sagt Schmitz wehmütig. Über die Jahre habe er so viele persönliche Kontakte aufgebaut und hätte gern richtig Abschied gefeiert. „Und jetzt ist man dann plötzlich weg. Das ist schon ein komisches Gefühl.“

Aber der Manager, der gern Karneval feiert, lässt sich die Freude auf den Ruhestand nicht verderben. Schmitz sagt vielmehr: „Et kütt wie et kütt.“