Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    13.981,91
    +99,61 (+0,72%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.657,03
    +16,48 (+0,45%)
     
  • Dow Jones 30

    31.261,90
    +8,77 (+0,03%)
     
  • Gold

    1.845,10
    +3,90 (+0,21%)
     
  • EUR/USD

    1,0562
    -0,0026 (-0,2429%)
     
  • BTC-EUR

    27.834,93
    -130,12 (-0,47%)
     
  • CMC Crypto 200

    650,34
    -23,03 (-3,42%)
     
  • Öl (Brent)

    110,35
    +0,46 (+0,42%)
     
  • MDAX

    29.199,95
    +165,84 (+0,57%)
     
  • TecDAX

    3.073,26
    +27,42 (+0,90%)
     
  • SDAX

    13.197,31
    +51,87 (+0,39%)
     
  • Nikkei 225

    26.739,03
    +336,19 (+1,27%)
     
  • FTSE 100

    7.389,98
    +87,24 (+1,19%)
     
  • CAC 40

    6.285,24
    +12,53 (+0,20%)
     
  • Nasdaq Compositive

    11.354,62
    -33,88 (-0,30%)
     

Russland lernt nach dem ersten Schock, mit Sanktionen zu leben

·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Russlands Wirtschaftskrise hat etwas von ihrem Schrecken verloren und verschafft Präsident Wladimir Putin zu Hause mehr Zeit, während sein Militär eine neue Offensive im Krieg gegen die Ukraine startet.

Selbst angesichts einer drohenden Rezession und einer Inflation von fast 20% hat die Wirtschaft den schlimmsten Prognosen getrotzt. Die Ökonomen von JPMorgan Chase & Co. haben genug positive Anzeichen gesehen, um ihre Prognose eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal auf 5% zu halbieren.

Das düsterste Szenario ist vor allem deshalb nicht eingetreten, weil Russland die Ausbreitung der finanziellen Ansteckung mit strengen Kapitalkontrollen eingedämmt hat. Währenddessen sind reichlich Petrodollars geflossen und haben dem Rubel geholfen, seine Verluste auszugleichen und die Inflation an die Leine zu legen. Dennoch könnte das Schlimmste noch bevorstehen: Bloomberg Economics erwartet für dieses Jahr einen Rückgang des BIP um fast 10% auf Jahresbasis.

Wochen nach dem ersten Schock durch den Rubelverfall, den rasanten Preisanstieg und die Abwanderung Hunderter ausländischer Unternehmen könnte den Verbrauchern eine lange Zeit des Durchwurstelns bevorstehen.

“Unser Lebensstil hat sich nicht sehr verändert”, sagt Olga, eine Werbemanagerin und Mutter von zwei Kindern in der fernöstlichen Stadt Chabarowsk.

Aus Angst vor einer Verknappung hatte sich die 36-Jährige zunächst für einen Monat mit Getreide, Nudeln und Fleischkonserven eingedeckt. Die Preise für einige Reinigungsmittel verdreifachten sich, so dass sie auf eine billigere Alternative umstieg.

Die Familie verschob ihre Pläne, in diesem Jahr ein zweites Auto zu kaufen oder in den Urlaub zu fahren. Aber es habe sich eine neue Normalität eingestellt, die bisher gut zu bewältigen sei, sagte Olga, die nur mit ihrem Vornamen genannt werden wollte, um offen über ihre Situation sprechen zu können.

“Es ist noch nicht genug Zeit vergangen”, sagte sie. “Ich denke, wir werden die Auswirkungen später spüren.”

Was Bloomberg Economics sagt...

“Die russischen Haushalte leiden bereits unter einem Kaufkraftverlust, weil die Preise in die Höhe schnellen. Der wirtschaftliche Stress wird sich wahrscheinlich noch verstärken, wenn die Sanktionen auf die Lieferketten übergreifen und den Arbeitsmarkt weiter belasten, was die Auswirkungen auf die Realeinkommen noch verstärkt.”

--Scott Johnson. Ökonom für Russland

Im März, dem ersten vollen Monat nach der Invasion, sanken die Einzelhandelsumsätze nach Schätzungen der Goldman Sachs Group Inc. um etwa 10% gegenüber dem Vorjahr. Das ist die Hälfte des Rückgangs, den Russland auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie erlebte, als viele Geschäfte geschlossen wurden und die Verbraucher zu Hause blieben.

Im Laufe der Wochen hat sich gezeigt, dass die Haushalte belastbar sind. Das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Levada Center gab bekannt, dass sein Index der sozialen Erwartungen, ein Maß für die Zukunftsaussichten, im vergangenen Monat gegenüber Februar deutlich gestiegen ist.

Die verstärkte Zensur und Propaganda der Regierung während des Krieges tragen ihren Teil dazu bei. Dennoch zeigen die kurzfristigen Inflationsdaten und die sich ändernden Einkaufspräferenzen, wie sich die Stimmung gedreht hat.

Auf Wochenbasis steigen die Verbraucherpreise jetzt nur noch um fast ein Viertel des Tempos vom Vormonat. Die Furcht vor leeren Regalen schwindet, so dass das Horten und die Panikkäufe ein Ende haben.

Spareinlagen fließen inzwischen wieder in das Bankensystem zurück, was der Zentralbank genug Vertrauen gibt, um nach einer Not-Zingsanhebung nach der Invasion wieder mit der Senkung der Zinssätze zu beginnen.

In Russland ausgestellte Karten von Visa Inc. und Mastercard Inc. funktionieren außerhalb des Landes nicht mehr, aber dank einer inländischen Alternative, die nach den ersten Sanktionswellen im Jahr 2014 eingeführt wurde, haben die Menschen zu Hause kaum Störungen erlebt. Franchisevereinbarungen von Fast-Food-Ketten wie McDonald’s bedeuten, dass einige ihrer Filialen geöffnet bleiben.

“Alles in allem hat es den Anschein, dass der wirtschaftliche Abschwung bisher weniger drastisch war als ursprünglich erwartet”, so die Ökonomen von JPMorgan um Yarkin Cebeci, in einer Analyse. “Die wirtschaftliche Trägheit hat offenbar einen stärkeren Rückgang verhindert.”

Freilich fangen für viele die Härten gerade erst an. Der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin sagte, dass allein in der russischen Hauptstadt rund 200.000 Arbeitsplätze gefährdet seien, weil ausländische Unternehmen ihre Tätigkeit einstellen oder aussetzen.

Während Putin am Montag damit prahlte, dass der “wirtschaftliche Blitzkrieg” des Westens gescheitert sei, warnte die Gouverneurin der Zentralbank, Elvira Nabiullina, am selben Tag, dass der Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten ein “struktureller Wandel” bevorstehe. Die Vorräte an importierten Produkten gingen zur Neige und die Preise für einige Waren würden in die Höhe schnellen, während die Hersteller neue Quellen für die wegen der Sanktionen ausbleibenden Komponenten suchten.

Laut JPMorgan bedeutet die bisherige Stärke der Wirtschaft nicht, dass in diesem Jahr ein Rückgang von 7% für das gesamte Jahr vermieden werden kann, was vergleichbar wäre mit den stärksten Abschwüngen, die Russland in den letzten 30 Jahren erlebt hat.

“Es wird erwartet, dass die Inlandsnachfrage gedämpft bleibt, da Arbeitsplatz- und Einkommensverluste, zunehmende Armut, Inflation und Versorgungsunterbrechungen den Verbrauch verringern, während die Investitionen weiter zurückgehen”, so die Weltbank in einem Bericht vom 10. April, der für Russland in diesem Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaft um 11,2% vorhersagt.

Auch die Verbraucher, deren Ausgaben mehr als die Hälfte der Wirtschaftstätigkeit ausmachen, wollen noch nicht so recht in Jubel ausbrechen. Laut einer in diesem Monat veröffentlichten Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom geben 85% der Russen an, dass sie sich mit Lebensmitteln eingedeckt haben - ein größerer Anteil als noch 1992, dem Jahr nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Auch die Nachfrage nach Gartengeräten stieg sprunghaft an, da viele Gemüse anbauen und zu Hause einmachen wollen, um die harten Zeiten zu überstehen.

“Der größte Teil der Bevölkerung passt sich der Situation an”, sagte Andrei Miljochin, Präsident von Romir, einem unabhängigen Forschungszentrum in Moskau.

Überschrift des Artikels im Original:

Russia Learns to Roll With Economic Punches as Shock Wears Off

(Wiederholung von Dienstag)

More stories like this are available on bloomberg.com

©2022 Bloomberg L.P.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.