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Russland-Experte sieht keine Gefahr durch Wagner-Gruppe für Kreml

BERLIN (dpa-AFX) -Der Russland-Experte Stefan Meister geht nicht von einem Aufstand der Wagner-Gruppe gegen den Kreml aus. "Ich sehe hier nicht, dass sich da jetzt neue Strukturen oder irgendwelche Strukturen in Wagner bilden, die dann irgendwie gegen den Kreml vorgehen", sagte der Experte für Auswärtige Politik der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

"Das ist eine private Armee, die für Geld arbeitet", erklärte Meister. Im Fokus stehe hier die Bezahlung - von wem die Aufträge kommen, sei dabei weniger relevant. Ende Juni hatte Jewgeni Prigoschin, Chef der Privatarmee, seine Kämpfer zum Marsch auf Moskau aufgerufen, weil die russische Militärführung angeblich einen Angriff auf Wagner-Söldner befohlen hatte. Den Aufstand brach er rasch wieder ab und willigte ein, gemeinsam mit seinen Kämpfern nach Belarus ins Exil zu gehen. Seit dieser Aktion im Juni war laut Meister ein sinkender Einfluss von Prigoschin auf die Wagner-Gruppe bemerkt worden.

Prigoschin soll am Mittwochabend bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein. Seit dem Marsch im Juni sei klar gewesen, dass er die Aktion nicht überleben könne. "Es ist letztlich keine Überraschung. Das liegt in der Logik des Systems Putin, dass man auf diese Art und Weise Stärke zeigt", so Meister. "Prigoschin war Chefsache, also das ist letztlich im Kreml entschieden worden."

Auch der Geostratege und Politikwissenschaftler Alexander Libman geht von einer Ermordung Prigoschins aus. Das schließe aber keine zukünftige Rebellion aus. "Es bedeutet lediglich, dass die Vorbereitung darauf noch besser versteckt sein wird, und sich die Akteure noch genauer die möglichen Gefahren überlegen werden", sagt Libman im Interview mit der "Rheinischen Post".