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Ruine in portugiesischer Bauverbotszone wird zum Designer-Hotel

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Fast wäre das Projekt von Architekt Manuel Aires Mateus zur Ruine verkommen - und liegt in einem Gebiet, in dem Bauen eigentlich verboten ist. Und doch liegt heute, vergraben in der Hügellandschaft von Portugals Alqueva-See, ein Designer-Gebäude, in dem man Urlaub machen kann.

Da Bauen in der Region strenggenommen verboten ist, wurde das Hotel "Casa na Terra" als Teil der Landschaft konzipiert (Bild: Nelson Garrido)
Da Bauen in der Region strenggenommen verboten ist, wurde das Hotel "Casa na Terra" als Teil der Landschaft konzipiert (Bild: Nelson Garrido)

“Casa na Terra” - Haus im Land - heißt das außergewöhnliche Gebäude, das zu der Hotelgruppe Silent Living stößt. Der Name ist hier Programm, denn das Hotel scheint tatsächlich als Teil der Landschaft aus der Erde zu wachsen. Inmitten von Portugals Alentejo ragt ein steinernes Kuppeldach aus der Hügellandschaft. Der Großteil des Hauses ist jedoch so tief in den Hang eingebaut, dass man es aus der Vogelperspektive kaum erkennt.

Aus dieser Perspektive ist das Hotel nur an den runden Terrassen erkennbar, durch die die Hotelzimmer Licht erhalten (Bild: Nelson Garrido)
Aus dieser Perspektive ist das Hotel nur an den runden Terrassen erkennbar, durch die die Hotelzimmer Licht erhalten (Bild: Nelson Garrido)

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So ungewöhnlich wie das Design der “Casa na Terra” ist seine Geschichte. Ursprünglich war es laut “Architectural Digest” als Privathaus konzipiert worden. Nachdem dem Bauherren das Geld ausging, drohte der unfertige Bau zur Ruine zu verkommen. Stattdessen kaufte der Architekt Manuel Aires Mateus ihm das Gebäude ab - und verbrachte acht Jahre damit, das Projekt fertigzustellen.

In dem Gebiet ist Bauen verboten

Einer der Schwierigkeiten: Das Haus befindet sich am Ufer des Alqueva-Stausees, dem größten künstlich angelegten Sees Europas. 2002 wurde dessen Anlage fertiggestellt und der See geflutet, was die Umgebung erheblich veränderte. “Das Haus befindet sich in einem Gebiet, in dem Bauen gar nicht erlaubt ist”, erklärte Aires Mateus dem Magazin “Wallpaper”. “Unsere ökologische Verantwortung lag darin, es in der Landschaft verschwinden zu lassen.”

Wohnräume und Terrasse scheinen aus der Betonstruktur geschnitzt zu sein (Bild: Nelson Garrido)
Wohnräume und Terrasse scheinen aus der Betonstruktur geschnitzt zu sein (Bild: Nelson Garrido)

Also konzipierte Aires Mateus sein Projekt als eine Art Bunker, bei dem nur das Kuppeldach samt Oberlicht aus dem Hügel ragt. Darunter befinden sich, in die Betonstruktur eingebaut, die Terrasse und Wohnbereiche der drei Hotelzimmer. Die Schlafräume sind weiter innen im Gebäude in einer Art Atrium angesiedelt - Tageslicht fällt hier durch runde, weiß geflieste Patios.

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So asketisch wie das Design der Betonstruktur ist auch die Einrichtugn des Hotels (Bild: Nelson Garrido)
So asketisch wie das Design der Betonstruktur ist auch die Einrichtugn des Hotels (Bild: Nelson Garrido)

Heute kann man in der “Casa na Terra” Urlaub machen

João Rodrigues, ein guter Freund des Architekten, drängte Aires Mateus laut “Architectural Digest” immer wieder, das Haus fertigzustellen und machte es schließlich zum Teil seiner Hotelgruppe Silent Living, zu der unter anderem auch das “Santa Clara 1728” in Lissabon gehört. Der Name, der übersetzt Stilles Wohnen bedeutet, spiegelt sich im puristischen Design und der dezenten Einrichtung der “Casa na Terra” wider, die Aires Mateus zufolge vom Konzept der Stille inspiriert wurden. “Mir gefällt die Idee der asketischen Leere”, sagte er der Architektur-Zeitschrift.

Wer diese Askese und die Wildromantik der umliegenden Seelandschaft genießen will: In der Nebensaison ist ein Zimmer in der “Casa na Terra” ab 350 Euro pro Nacht (für 2 Personen) buchbar.

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