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Rückkehr von Krabappel: Haben die "Die Simpsons"-Macher das Ende des Synchronsprechers eingeläutet?

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 5 Min.

Obwohl die Synchronsprecherin Marcia Wallace seit Jahren tot ist, hatte sie in einer "Die Simpsons"-Folgen einen weiteren "Auftritt". Ihre Stimme wurde mit dem Material aus dem Audio-Archiv wiederhergestellt. Die Methode könnte dank künstlicher Intelligenz verfeinert werden. Droht das Ende des Synchronsprechers?

Die Lehrerin Edna Krabappel und ihre Synchronsprecherin Marcia Wallace. (Bildrechte: links: ddp/interTOPICS/mptv; rechts: ddp images/CAMERA PRESS/Walter McBride
Die Lehrerin Edna Krabappel und ihre Synchronsprecherin Marcia Wallace. (Bildrechte: links: ddp/interTOPICS/mptv; rechts: ddp images/CAMERA PRESS/Walter McBride

"Diary Queen", die 12. Folge der aktuellen 32. Staffel von "Die Simpsons", wird aus zwei Gründen, mindestens, in Erinnerung bleiben. Einmal weil darin die lägst verschiedene Edna Krabappel zurückkehrt. Und zweitens weil die Lehrerin dargestellt oder besser: gesprochen wird von der verstorbenen Schauspielerin und Synchronsprecherin Marcia Wallace. Ihre Stimme wurde aus Aufnahmen früherer Episoden quasi wiederhergestellt. Manche Beobachter sehen das Experiment als eine Art Türöffner. Wenn Synchronsprecher so leicht ersetzt werden können, meinen sie, dann könnten sie bald überflüssig sein. Zumal sie immer besser mittels künstlicher Intelligenz ersetzt werden können.

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Wallace hatte Edna Krabappel von 1990 bis zu ihrem überraschenden Tod im Jahr 2013 gesprochen. Mit dem Ableben der Synchronsprecherin starb auch die Serienfigur, ohne dass die Zuschauer freilich je von den näheren Umständen ihres Todes erfuhren. In "Diary Queen" wird Krabappel wieder zum Leben erweckt. In der Folge entdeckt Bart das Tagebuch seiner Lehrerin, was nicht nur so manchen Konflikt zur Folge hat. Der Zuschauer erfährt auch einiges über Krabappel und ihre Gefühle zu ihren Mitmenschen – darunter auch Bart, von dem sie offenbar mehr hielt als, als es den Anschein hatte.

Möglichkeiten der digitalen Stimmerzeugung

Das Wiedersehen mit Mrs. Krabappel markiert zugleich ein Wiederhören mit Wallace, die im Oktober 2013 infolge einer Lungenentzündung starb. Denn für die Synchronisation engagierten die Produzenten nicht etwa eine andere Sprecherin, zu hören ist vielmehr die Originalstimme, die die Techniker mit Hilfe von Archivaufnahmen sozusagen wiederhergestellt haben. Wie der ausführende Produzent von "Die Simpson", Al Jean, in einem Interview mit dem Filmmagazin Variety verriet, wurden zwei Sprechzeilen von Wallace aus früheren Episoden an die Handlung in "Diary Queen" angepasst.

Seit 1989 ausgestrahlt, ist
Seit 1989 ausgestrahlt, ist "Die Simpsons" die am längsten laufende Zeichentrickserie aller Zeiten. (Bild: ddp/INTERTOPICS/PictureLux)

Mit dem "letzten Auftritt" von Krabappel, so Jean, wollte man Wallace einen "letzten Moment schenken", da man sich von der Schauspielerin nie richtig verabschieden konnte. Den Blick zurück taten die "Simpsons"-Macher mit einem Schritt nach vorn. Denn die Technik, mit der sie Wallace' Stimme ersetzt haben, hat das Zeug, die Praxis der Synchronisation auf den Kopf zu stellen. Immerhin haben sie mit dem Experiment zum einen gezeigt, dass man für eine Synchro keinen Sprecher, sondern allenfalls seine Stimme braucht. Zum anderen wurde deutlich, dass sich die Methode mit Hilfe digitaler Technologien perfektionieren lässt. Sobald nämlich menschliches Stimmmaterial vorliegt, kann eine künstlich intelligente Software eine Sprechrolle auch digital erzeugen.

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Werden in Zukunft Charaktere von Zeichentrick- und Animationsserien also von Computern gesprochen? Tatsächlich hält so mancher Beobachter das Szenario für möglich. Ihre Prognose belegen sie nicht nur mit dem Fortschritt, den die Technologie zuletzt gemacht hat. So braucht eine KI-Software längst nicht mehr 30 bis 50 Stunden Stimmmaterial, um eine menschliche Stimme zu erzeugen, es genügen schon zehn bis 20 Minuten, wie Wire berichtet. Sie verweisen auch auf die Computerspiel-Branche, wo die Technik in Analogie zur Methode der Motion Capture schon angewandt wird.

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Die Entwicklung vorantreiben dürfte auch so manche Hürde, mit der die Serien-Synchronisation seit je her konfrontiert ist. Zum einen können menschliche Sprecher sehr kostenaufwendig sein. Zum anderen sind sie anders als ihre Seriencharaktere dem Alterungsprozess unterworfen und müssen also unter Umständen durch andere Sprecher ersetzt werden. Für beide Phänomene liefert "Die Simpsons" beste Beispiele. In der seit 1989 ausgestrahlten Serie wurde schon so mancher Synchronstab weitegereicht, während die Gehälter der langjährigen Mitarbeiter kontinuierlich stiegen. Laut Wire beziehen "Simpsons"-Sprecher pro Episode seit 2008 mit 400.000 US-Dollar mehr als das Zehnfache ihres Gehalts von 1998.

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Er hat "Die Simpsins" erfunden: der Produzent und Autor Matt Groening (Bild: Mike Coppola/Getty Images)

Steiniger Weg in die Zukunft

Was die Traditionalisten freuen und die Freude der Technikgläubigen allerdings dämpfen dürfte: Wenn überhaupt, dann wird der Wandel nicht so schnell vollzogen. Denn so mancher Stein liegt dem digitalen Synchronsprecher im Weg. Ein Hindernis sind rechtliche Beschränkungen. Mit wenigen Sätzen ließe sich das Problem so umreißen: Wenn die menschliche Stimme Grundlage für die digitale ist, kann sie nur in gesetzlichen Rahmen gebraucht werden. Stichwort Copyright. Es geht um Rechte und Pflichten im Hinblick auf die Stimmverwertung. Erschwerend kommt der Arbeitsaufwand hinzu. Auch diese Hürde lässt sich allenfalls mit Worten leicht überspringen: Für eine digitale Synchro-Stimme braucht es etwas mehr, als talentierte – menschliche – Schauspieler vor ein Mikrofon zu setzen. Es ist ein komplexer Prozess aus Datensammlung und -verarbeitung, Rechenleistung und Arbeitsstunden von Mensch und Maschine.

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Und sollte auch dieses Hindernis eines Tages überwunden werden, wartet die nächste Herausforderung: Die Computerstimme muss der Wirklichkeit so nahe wie möglich kommen. Wie schwer das zu erreichen ist, zeigt ein Blick auf die besten visuellen Computeranimationen der aufwändigsten Spielfilm-Produktionen. Auch dort steht und fällt die Qualität mit dem Menschen. Die kleinste seiner Bewegung, das winzigste Detail seines Köpers heben sich in ihrer digitalen Form von der Wirklichkeit noch immer deutlich ab. Nein, so schnell wird der Roboter dem Synchro-Star nicht den Garaus machen.

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