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ROUNDUP: VW-Konzern verdient besser - Corona-Probleme in China lassen nach

WOLFSBURG (dpa-AFX) - Der Volkswagen <DE0007664039>-Konzern hat im ersten Halbjahr trotz der Lieferprobleme bei Mikrochips und Corona-Einschränkungen in China einen Gewinnsprung hinlegen können. Das Ergebnis nach Steuern stieg im Vergleich zu 2021 um etwas mehr als ein Viertel auf 10,6 Milliarden Euro, wie die Wolfsburger am Donnerstag mitteilten. Den Gesamtausblick für das Jahr behält der Konzern bei, wird aber in den Teilbereichen Pkw und Finanzdienstleistungen etwas zuversichtlicher.

Das zweite Quartal, in dem erneute Lockdowns Produktion und Verkäufe auf dem wichtigsten Markt in Asien ausgebremst hatten, drückte für sich genommen unter dem Strich mit einem Ertragsrückgang um 22 Prozent aufs Geschäft. Der Absatz von Elektroautos zog aber an. Auch in Hannover, in Emden und im US-Werk Chattanooga wird nun die ID-Reihe gefertigt.

Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte operative Ergebnis fiel im zweiten Quartal um 28 Prozent auf 4,74 Milliarden Euro. Dabei wogen spezielle Bewertungseffekte vor allem für die Rohstoffabsicherung schwer - solche Geschäfte gehen Unternehmen ein, um weitere Preisausschläge oder Mengeneinbrüche bei wichtigen Ressourcen abzufedern. Sie schlugen bei VW allein von April bis Juni mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche, nachdem sie das operative Ergebnis im ersten Quartal noch deutlich aufgehübscht hatten.

Die VW-Vorzugsaktie legte am Vormittag an der Dax-Spitze um 3,3 Prozent auf 135,08 Euro zu. Das Papier war mit den sich verdüsternden wirtschaftlichen Aussichten rund um den Ukraine-Krieg im März mit dem Markt deutlich gefallen. Von um die 180 Euro zuvor ging es bis auf 120 Euro im Juli bergab. Davon hat sich der Kurs bis heute nur leicht erholen können.

Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies sprach von soliden Zahlen. Porsche habe mit gut 20 Prozent Marge beeindruckt. George Galliers von Goldman Sachs verwies auf eine starke Entwicklung der Kernmarke VW Pkw, die in der Folge auch ihre Renditeziele für das Gesamtjahr anhob. Audi habe hingegen etwas enttäuscht, so Galliers.

Finanzvorstand Arno Antlitz sagte, Europas größte Autogruppe habe ungeachtet "beispielloser globaler Herausforderungen beachtliche finanzielle Robustheit bewiesen". Für die zweite Jahreshälfte geht er von einer Entspannung der Lieferketten-Probleme aus. In China habe schon gegen Ende des zweiten Quartals "spürbare Erholung" eingesetzt. Die Finanzprognose insgesamt bestätigte Antlitz, auch wenn die bereinigte operative Marge nun eher am oberen Ende der Spanne von 7 bis 8,5 Prozent erwartet wird. Der Konzern wird im Pkw-Bereich zuversichtlicher, bei den Nutzfahrzeugen hingegen dampfte das Management die Erwartungen an die Marge ein. Für die Finanzdienstleistungen hob Antlitz die Gewinnaussichten an.

"Allerdings lassen sich die konkreten Auswirkungen der Entwicklungen des Kriegs in der Ukraine oder der Covid-19-Pandemie (...) im Geschäftsjahr 2022 weiterhin noch nicht abschließend beurteilen", schränkte Volkswagen in seinem Ausblick ein. Zum Jahresbeginn hatten vor allem die besonders profitablen Oberklasse-Marken den Konzern durch die angeschlagene globale Autokonjunktur getragen. Das Betriebsergebnis von Audi verbesserte sich in der gesamten ersten Jahreshälfte von rund 3,3 auf 5,0 Milliarden Euro, bei Porsche von 2,7 auf 3,3 Milliarden Euro. Für die Kernmarke VW <DE0007664039> Pkw blieben knapp 1,9 Milliarden Euro übrig, nach 1,2 Milliarden Euro vor einem Jahr.

Zwischen Anfang Januar und Ende Juni konnte der Konzernumsatz leicht um 2 Prozent auf 132,3 Milliarden Euro klettern. Dabei spielte jedoch auch das erstmalige Einbeziehen des US-Lkw-Bauers Navistar, den VW 2021 übernommen hatte, eine Rolle. Über alle Marken und Regionen gesehen nahmen die Auslieferungen der Gruppe deutlich ab, um mehr als 22 Prozent auf etwa 3 880 000 Fahrzeuge. Die Produktion ging nicht im gleichen Ausmaß zurück - ein Teil der Autos staut sich wegen der Schwierigkeiten im Teileeinkauf und Absatz also weiter in den Werken.

Die Gewinne will der Konzern in den Umbau zu mehr E-Mobilität, eigener Software und Dienstleistungen stecken. Weitere elektrische Modelle sollen folgen, und nach dem Baustart der Batteriezellfabrik in Salzgitter Anfang Juli treibt VW die Planungen für die nächsten Zellwerke voran. Der Rückkauf von Europcar soll außerdem genutzt werden, um das Netzwerk der Mobilitätsdienste von Shuttle-Services über Carsharing bis hin zu Abo- und Mietangeboten auszubauen.

In der Entwicklung selbstprogrammierter IT-Systeme für künftige Autos hakte es zuletzt jedoch erheblich. Abstimmungsprobleme kosten viel Geld, verzögerten bereits geplante Modellanläufe und sollen mit zur Ablösung von Konzernchef Herbert Diess zum 1. September geführt haben. Im zweiten Quartal habe die zuständige Konzernsparte Cariad beim Ausrollen von Software-Updates für die bestehende Fahrzeugflotte "deutliche Fortschritte" gemacht, hieß es. Der Verlust im laufenden Geschäft verdoppelte sich aber nahezu von 502 auf 978 Millionen Euro.

Die zwischenzeitlich stockende Versorgung mit Kabelbäumen wurde laut VW "erfolgreich gemanagt und ist wieder weitgehend auf einem normalen Niveau". Viele Autohersteller waren ab Ende Februar nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine hierbei unter Druck geraten, weil Zulieferer im Westen des Landes ihre Produktion vorläufig einstellen mussten - mit entsprechendem Leerlauf bei Kunden aus der Autobranche. Die Verteuerung von Energie macht Volkswagen weiterhin Sorgen. Die Zahl der Beschäftigten sank bis Ende Juni leicht um 0,7 Prozent auf 668 000.

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