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ROUNDUP: Virologe hält nichts mehr von der Corona-Kontaktnachverfolgung

·Lesedauer: 2 Min.

KÖLN (dpa-AFX) - Die Kontakt-Nachverfolgung nach Corona-Infektionen ist aus Sicht eines Virologen nicht mehr angemessen. "Von der Inzidenz her ist es von den Gesundheitsämtern nicht mehr zu stemmen", sagte der Wissenschaftler Klaus Stöhr in dem Podcast "Die Wochentester" des "Kölner Stadt-Anzeigers" und des "Redaktionsnetzwerks Deutschland". "Wenn ein Großteil der Bevölkerung mild und asymptomatisch infiziert ist und Antikörper hat, wird eine sogenannte Kontaktnachverfolgungs-Quarantäne sinnlos", so der frühere Leiter des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation.

Der beste Weg aus der Pandemie wäre nach Stöhrs Worten hingegen, wenn sich Geimpfte infizierten. "Im Paket wird es dann einen langanhaltenden Immunschutz geben", sagte der Wissenschaftler. "Die Kombination aus Impfschutz und Infektion ist eigentlich der Weg."

Der Hamburger Intensivmediziner Stefan Kluge gab zu bedenken, dass eine solche Argumentation um die Infektion bei Geimpften sehr theoretisch bleibe. Zudem sei der Weg der massenhaften Infektion hochgradig gefährlich.

Richtig sei zwar, dass im Fall einer Infektion - sofern man eine Auffrischimpfung erhalten habe und keine schweren Vorerkrankungen wie etwa ein Krebsleiden habe - "im Regelfall" kein schwerer Krankheitsverlauf zu erwarten sei. "Und danach habe ich wirklich einen sehr, sehr guten Immunschutz vor der nächsten Infektion", sagte der Lungenfacharzt der Deutschen Presse-Agentur. Er nannte jedoch einige Gründe gegen das Vorgehen.

"Wenn sich jetzt alle gleichzeitig infizieren, dann haben wir den Kollaps des deutschen Gesundheitssystems. Das können wir nicht stemmen", so der Experte. Neben den medizinischen Einrichtungen würde das unkontrollierte Zulassen von Infektionen aus seiner Sicht auch sämtliche andere relevante Einrichtungen schwer treffen.

Außerdem müsse man an die Menschen denken, die zwar geboostert seien, aber deren Immunschutz durch schwere Erkrankungen so beeinträchtigt sei, dass sie sich auf keinen Fall mit einer Variante des Coronavirus infizieren sollten, betont Kluge. Dazu kämen Millionen Ungeimpfte über 60, die besonders gefährdet für schwere Verläufe seien. Mit Blick auf die sich rasant verbreitende Omikronvariante betonte der Intensivmediziner außerdem: "Wir wissen noch zu wenig über mögliche Langzeitfolgen, um jetzt Infektionen unkontrolliert zuzulassen."

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