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ROUNDUP: TV-Werbeflaute drückt ProSiebenSat.1 in die Verlustzone - Stellenabbau

UNTERFÖHRING (dpa-AFX) -Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 DE000PSM7770 ist zum Jahresauftakt wegen des anhaltend schwachen TV-Werbegeschäftes in die roten Zahlen gerutscht. Nach wie vor zögern Werbekunden mit dem Schalten von Fernsehreklame, weil die Konsumflaute unter den Verbrauchern anhält. Für den weiteren Jahresverlauf baut Konzernchef Bert Habets jedoch auf eine Besserung des Werbemarktes und will zugleich Kosten durch einen Arbeitsplatzabbau senken. "Wir werden vor allem im zweiten Halbjahr Stellen streichen", sagte der Manager im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Freitag. Der Aktienkurs fiel bis zum Freitagmittag um ein halbes Prozent. Seit Ende April stehen die Papiere unter Druck, nach der damaligen Ankündigung, die Dividende zusammenzustreichen.

Das Sparprogramm werde die gesamte Gruppe betreffen, machte Habets deutlich. Stand Ende März zählte der Fernsehkonzern 7385 Vollzeitstellen - rund 540 Stellen weniger als noch zum Stichtag vor einem Jahr. Eine Sprecherin begründete dies auf Nachfrage mit einer unterschiedlichen Zahl an Produktionen.

Für den größten Bereich, das Entertainment-Segment, laufen derweil die Gespräche über den Wegfall von Jobs. In den kommenden Wochen sollen letzte Details mit dem Betriebsrat finalisiert werden, sagte Habets. Bis dahin wolle ProSiebenSat.1 bei der Nachbesetzung freier Stellen vorsichtig agieren.

Im Bereich Commerce and Ventures entscheide der Konzern bei jedem Unternehmen spezifisch. "Wir haben bereits im letzten Jahr im Commerce-Portfolio, zu dem etwa Flaconi und Verivox zählen, stark auf die Kosten geachtet. Das heißt auch, dass wir teilweise Stellen nicht nachbesetzt haben", erklärte Habets. Details nannte er nicht.

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ProSiebenSat.1 befindet sich im Umbruch und ist mittlerweile bereit, sich von Commerce-Töchtern wie Billiger-Mietwagen.de oder dem Vergleichsportal Verivox zu trennen. Dies dürfte allerdings frühestens im kommenden Jahr der Fall sein. "Wir wollen uns zunächst darauf fokussieren, die Profitabilität zu steigern", sagte Habets.

Bereits Ende März hatte ProSiebenSat.1 den Rotstift bei seiner Dating-Tochter ParshipMeet angesetzt. "Wir haben die Zahl der Arbeitsplätze vor allem in den USA um mehr als zehn Prozent reduziert", sagte Habets.

Unterdessen dürfte sich die Stimmung auf dem Werbemarkt schon bald aufhellen, zeigte sich der Konzernlenker zuversichtlich: "Bereits im Juni sehen wir wesentliche Verbesserungen in den Werbebuchungen im Vergleich zu den Vormonaten." Entsprechend dürfte das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des zweiten Quartals im mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen, wie das MDax DE0008467416-Unternehmen in Unterföhring bei München mitteilte.

Für das Gesamtjahr rechnet der Manager weiter mit einem Umsatz von 3,95 bis 4,25 Milliarden Euro und einem bereinigten Betriebsergebnis von 550 bis 650 Millionen Euro. Im Vergleich zu den neuen angepassten Vorjahreswerten könnten die Resultate 2023 sowohl höher als auch niedriger ausfallen.

Voraussichtlich fehlende Umsätze mit Fernsehwerbung im mittleren einstelligen Bereich will der Konzern in diesem Jahr mit Wachstum des Digital-Portfolios kompensieren. Unter dem Strich will ProSiebenSat.1 bereinigt um Sondereffekte, Abschreibungen und Wertminderungen für 2023 einen Gewinn vorweisen, der im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich vorweisen unter dem Vorjahreswert von 301 Millionen Euro liegen dürfte.

Zum Jahresauftakt fiel das bereinigte Nettoergebnis mit minus 15 Millionen Euro aber negativ aus, nach plus 38 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Umsatz fiel im selben Zeitraum um gut 13 Prozent auf 816 Millionen Euro und verfehlte damit die Analystenschätzungen.

Den mit Abstand größten Teil des Konzernerlöses steuert der Entertainment-Bereich bei, in dem auch die Fernsehwerbung angesiedelt ist. Der Segmenteumsatz brach um ein Fünftel ein.

Die Vorjahreswerte auf Konzernebene hatte ProSiebenSat.1 nach der Debatte um die korrekte Bilanzierung von Gutscheinverkäufen bei Jochen Schweizer Mydays angepasst. Unklarheiten bei der vergleichsweise kleinen Tochter hatten für den Konzern turbulente Wochen zur Folge und dabei unter anderem die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen.

Mit Spannung wird unterdessen erwartet, inwieweit der Großaktionär MediaForEurope (MFE) seinen Einfluss bei ProSiebenSat.1 ausweiten kann. Der von der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Konzern hält inklusive Finanzinstrumente knapp 30 Prozent an den Unterföhringern. MFE will seine Repräsentantin Katharina Behrends in den Aufsichtsrat bringen. Die Kandidatur der Ex-NBC-Universal-Chefin hatte ProSiebenSat.1 am Mittwoch offiziell bekannt gegeben. Behrends Einzug in den Aufsichtsrat gilt in Branchenkreisen als gesetzt.

Auch die Wahl des früheren Beiersdorf-Managers Thomas Ingelfinger gilt als wahrscheinlich. Insgesamt sind bei der Hauptversammlung am 30. Juni vier Sitze im Aufsichtsrat zu vergeben, darunter der von Bert Habets, nachdem dieser im vergangenen November zum Konzernchef wurde. Zu den weiteren Kandidaten gehören Katrin Burkhardt, die derzeit Aufsichtsratsmitglied bei der Privatbank Oddo Bhf ist, und der Vorstandsvorsitzende des Health-Tech-Unternehmens Doctari Group, Cai-Nicolas Ziegler.

Zweitgrößter Anteilseigner ist der Medienkonzern PPF Group mit insgesamt rund 13 Prozent, der von der tschechischen Milliardärin Renata Kellnerova kontrolliert wird. Nach eigenen Angaben betreibt die Gruppe mehrere Fernseh- und Online-Medienunternehmen in Mittel- und Südosteuropa wie etwa Central European Media mit einer Vielzahl an Fernsehsendern. Sie sieht sich als aktiver Investor in den Bereichen Telekommunikation, Medien und Technologie.