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ROUNDUP: Streit um Schlachthöfe - Laumann will 'Sumpf' austrocknen

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die Zustände in der NRW-Fleischindustrie sind nach den zahlreiche Coronafällen in einem Coesfelder Betrieb zum politischen Streitthema geworden. "Ich betreibe da jetzt eine Politik der Null-Toleranz. Egal, wer Schlachthofbetreiber ist. Wir müssen jetzt diesen Sumpf austrocknen. Die Pandemie gibt uns die Möglichkeit, das zu tun", sagte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Dienstagabend dem Radio-Sender WDR 2.

Im Gesundheitsausschuss des Düsseldorfer Landtag wehrte Laumann sich am Mittwoch gegen Vorwürfe der Opposition, er habe unhaltbare Zustände in den Schlachthöfen einreißen lassen. NRW sei das erste Bundesland gewesen, das Corona-Tests für alle Mitarbeiter in Schlachtbetrieben angewiesen habe, sagte Laumann. Das Land hatte angeordnet, alle Beschäftigten der Schlachthöfe in NRW auf das Corona-Virus zu testen, nachdem in einem Westfleisch-Betrieb in Coesfeld eine hohe Zahl von Infektionen entdeckt worden war.

Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies, widersprach einem Generalverdacht gegen die Fleischindustrie in der Corona-Pandemie. "Ich habe viel Verständnis für Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Er steht gerade sehr unter Druck, und die Politik in Deutschland macht einen tollen Job. Aber seine Kritik darf nicht zur Manie werden", sagte Tönnies bei einer Pressekonferenz des Unternehmens am Mittwoch in Rheda-Wiedenbrück.

Die Corona-Tests bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind bislang alle negativ ausgefallen. Bis Mittwochmittag hätten 784 Laborbefunde vorgelegen. "Diese Befunde waren alle negativ", teilte der Kreis Gütersloh mit. Am Montag und Dienstag seien knapp 2100 Beschäftigte getestet worden. Der Leiter des Pandemiestabes bei Tönnies sprach von einem Zwischenergebnis, auf dem sich das Unternehmen nicht ausruhen werde.

"Wir sind natürlich zufrieden, aber auch angespannt. Wir sind noch lange nicht durch mit der Pandemie, das wird uns noch Monate beschäftigen und wir sind alle gefordert im Unternehmen", sagte Clemens Tönnies als Reaktion auf die Zahlen.

Auch bei Westfleisch in Hamm gibt es nach Angaben von Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) keine Corona-Nachweise. In dem Betrieb seien rund 1150 Menschen getestet worden. Bis auf 150 Untersuchungen lägen die Ergebnisse inzwischen vor. Sie seien alle negativ. Von den noch fehlenden Ergebnissen, "erwarten wir keine Überraschungen", sagte Hunsteger-Petermann. Bei den Kontrollen von Unterkünften von Westfleisch-Mitarbeitern habe es bis auf einen Fall keine Beanstandungen gegeben

Alle Behörden in NRW hätten nach Bekanntwerden der Infektionsfälle in Schlachthöfen "schnell und umfassend reagiert", versicherte der Minister im Landtag. Unmittelbar danach seien Hygienekonzepte angefordert, Regelungen für die Unterkünfte der Mitarbeiter getroffen und der Schlachtbetrieb Westfleisch im Kreis Coesfeld bis zum kommenden Sonntag geschlossen worden. Die Opposition hatte das Handeln der Landesregierung im Gesundheitsausschuss kritisch hinterfragt.