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ROUNDUP/'Ein Stück Mut': Politik lockert in der Corona-Krise die Zügel

BERLIN (dpa-AFX) - Familien dürfen sich wieder treffen und beim Einkaufsbummel gibt es mehr Auswahl: Deutschlandweit werden die Regeln in der Corona-Krise spürbar gelockert. Über das Tempo bestimmen die Bundesländer in vielen Bereichen aber selbst - etwa bei Schulen, Kitas und Unis, der Gastronomie, Kinos oder Opernhäusern. "Wir können uns ein Stück Mut leisten, aber wir müssen vorsichtig bleiben" - so fasste es Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch nach einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer zusammen. Sollten sich irgendwo zu viele Menschen zu schnell anstecken, greife ein "Notfallmechanismus" - dann werden die Regeln zwar wieder strenger, aber nur regional begrenzt.

KONTAKTE: Bisher durfte sich in der Regel eine Person mit einer Person eines anderen Hausstands treffen - also höchstens zwei, die nicht zusammenwohnen. Nun dürfen Angehörige eines Haushalts - also Paare, Familien oder Wohngemeinschaften - einen gesamten anderen Hausstand treffen. Davon abgesehen bleiben die Kontaktbeschränkungen aber bis zum 5. Juni bestehen. Also gilt weiterhin: 1,50 Meter Abstand voneinander halten. In Sachsen-Anhalt dürfen sich allerdings schon jetzt fünf Personen treffen. Die Vorsicht im Umgang mit älteren Menschen, die eine Risikogruppe für eine Covid-19-Erkrankung sind, müsse bestehen bleiben, betonte Merkel.

EINKAUFEN: Alle Geschäfte dürfen wieder öffnen, müssen aber bestimmte Regeln einhalten - etwa die Maskenpflicht, die sowieso schon in allen Bundesländern gilt, und eine Obergrenze für die Zahl der Kunden und Verkäufer, die sich nach der Verkaufsfläche richtet. So soll das Ansteckungsrisiko verkleinert werden.

SCHULE, KITA, UNIS: Das bleibt den Ländern überlassen, aber: Jeder Schüler und jedes Vorschulkind soll vor dem Sommer möglichst noch mindestens einmal in die Schule oder in die Kita gehen. Vereinbart wurde, dass die Notbetreuung in den Kitas spätestens ab dem 11. Mai überall ausgeweitet werden soll, das haben viele Länder bereits gemacht. Auch weitergehende Kita-Öffnungspläne haben mehrere Länder schon bekanntgegeben. Auch der Vorlesungsbetrieb an Hochschulen bleibt den Ländern überlassen.

GASTRONOMIE: Über die schrittweise Öffnung von Cafés, Restaurants, Kneipen und so weiter sollen die Länder selbst entscheiden. Nordrhein-Westfalen etwa peilt den 11. Mai an, Rheinland-Pfalz den 13., Brandenburg voraussichtlich den 15. Mai. Auch über Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, Clubs und Diskotheken entscheiden die Länder. Grundlage sollen Hygiene- und Abstandskonzepte sei, die die Länderminister vereinbaren.

FREIZEIT: In eigener Verantwortung sollen die Länder auch entscheiden, ob und wann Musikschulen, Messen, Fahrschulen, Kosmetikstudios, Schwimmbäder und Fitnessstudios wieder öffnen. Das gilt auch für "kleinere öffentliche oder private Veranstaltungen oder Feiern sowie Veranstaltungen ohne Festcharakter", Theater, Opern- und Konzerthäuser sowie Kinos. Die bereits wieder erlaubten Gottesdienste könnten zeigen, wie es geht, sagte Merkel.

BESUCHE: In Kliniken, Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen soll jeder Patienten oder Bewohner wiederkehrenden Besuch durch eine bestimmte Person bekommen dürfen. Voraussetzung ist, dass es aktuell "kein aktives Infektionsgeschehen" der Corona-Epidemie in der jeweiligen Einrichtung gibt.

FREIZEIT-SPORT: Training im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel wird - mit Einschränkungen - wieder erlaubt. Abstandhalten ist erstes Gebot: Deshalb darf bei Karate und Ringen noch nicht auf der Matte gegeneinander gekämpft und in Mannschaftssportarten wie Basketball oder Handball nur individuell trainiert werden. Nur schrittweise soll danach in Kleinstgruppen geübt werden dürfen, erst am Ende der Corona-Krise sollen wieder Training und Spiele in voller Teamstärke möglich sein. Umkleideräume und Clubhäuser müssen wegen der Hygiene-Vorschriften vorerst geschlossen bleiben.

BUNDESLIGA: Ohne Zuschauer darf in der Fußball-Bundesliga ab der zweiten Mai-Hälfte wieder gespielt werden. Auf die Erlaubnis für Geisterspiele hat die Deutsche Fußball Liga als Dachorganisation der 36 Proficlubs der 1. und 2. Liga gehofft. Womöglich könnte ab dem Wochenende 16./17. Mai wieder der Ball in den Stadien rollen - davor sollen die Mannschaften aber in Quarantäne, etwa im Trainingslager. Die Bundesliga-Saison ist seit Mitte März ausgesetzt, neun Spieltage sind noch zu absolvieren. In einer ersten Testreihe hatte es bei 1724 Tests in der 1. und 2. Liga zehn Corona-Fälle gegeben.

NOTBREMSE: Angesichts der regional unterschiedlich hohen Infektionszahlen sollen Entscheidungen künftig stärker vor Ort getroffen werden. Allerdings sollen die Länder auch sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen sofort wieder konsequente Beschränkungen umgesetzt werden. Wie die neuen Auflagen konkret aussehen, entscheiden dann allerdings die Länder selbst. Es kann dabei auch nur um eine Einrichtung gehen, etwa ein Krankenhaus.