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ROUNDUP: MTU bereit zu Airbus-Rekordproduktion - Russland-Sanktionen belasten

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Beim Münchner Triebwerkshersteller MTU <DE000A0D9PT0> schreitet die Erholung von der Corona-Pandemie voran. Umsatz und Gewinn im Tagesgeschäft legten im ersten Quartal deutlich zu, wie der Dax <DE0008469008>-Konzern am Freitag in München mitteilte. Allerdings schlugen die Sanktionen gegen Russland teuer zu Buche: MTU schrieb in diesem Zusammenhang 52 Millionen Euro ab - vor allem auf den Antrieb für den russischen Mittelstreckenjet Irkut MS-21. Andererseits könnte die Aufrüstung des Westens infolge des Ukraine-Kriegs dem Triebwerksbauer zusätzliche Aufträge bringen. Zudem bereitet sich das Unternehmen auf eine Rekordproduktion des Airbus-Mittelstreckenjets <NL0000235190> A320neo vor.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die MTU-Aktie gewann bis zur Mittagszeit rund ein Prozent auf 196 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit rund deutlich an Wert gewonnen. Bis zum Rekordhoch von 289,30 Euro aus der Zeit kurz vor der Pandemie ist es aber immer noch ein weiter Weg.

"Die Erholung in unserer Branche hält weiter an", sagte MTU-Chef Reiner Winkler in einer Telefonkonferenz. Dadurch werden mehr neue Flugzeuge, Antriebe und Ersatzteile benötigt. Und Airlines schicken wieder mehr Maschinen zur Wartung.

Laut Winkler hat sich MTU mit Airbus inzwischen auch auf den weiteren Ausbau der A320neo-Produktion geeinigt. Er verriet jedoch nicht, wie viele Jets der meistgefragten Flugzeug-Modellfamilie nun künftig die Airbus-Werkshallen verlassen sollen. Der weltgrößte Flugzeughersteller hatte zuletzt für das Jahr 2024 eine Steigerung auf monatlich 70 Maschinen und für 2025 auf bis zu 75 Jets ins Auge gefasst. Ende 2021 waren es noch rund 45. Vor der Pandemie hatte die Rate bei etwa 60 gelegen.

An seinen Plänen für ein deutliches Umsatz- und Gewinnwachstum im laufenden Jahr hält die MTU-Führung zwar fest, verwies aber auf die Unsicherheiten rund um den weiteren Verlauf der Pandemie und den Krieg in der Ukraine. Aus Sicht von Finanzchef Peter Kameritsch könnten vor allem lang anhaltende Lockdowns in China den Flugverkehr ausbremsen. Das hätte auch Folgen für MTU. Falls nötig, werde der Konzern seine Prognose im Jahresverlauf anpassen, sagte Winkler.

Vorerst peilt die MTU-Spitze für 2022 weiterhin einen Rekordumsatz von 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro an. Der bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll im Vergleich zum Vorjahr um einen mittleren Zwanziger-Prozentsatz steigen.

Im ersten Quartal erzielte MTU einen Umsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro und damit fast ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) sprang um mehr als die Hälfte auf 131 Millionen Euro nach oben und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Der Überschuss wuchs wegen der Russland-Abschreibungen nur um neun Prozent auf 53 Millionen Euro.

So kann sich MTU das Geschäft mit dem russischen Flugzeughersteller Irkut abschminken. Dessen Mittelstreckenjet MS-21 sollte in diesem Jahr erstmals ausgeliefert werden. Doch wegen der Sanktionen dürfen westliche Firmen keine Flugzeugteile mehr nach Russland liefern.

Zusammen mit dem zu Raytheon Technologies gehörenden Triebwerksbauer Pratt & Whitney <US75513E1010> hatte MTU den Antrieb für die MS-21 entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Variante des Getriebefan-Triebwerks, das bereits beim Airbus A320neo zum Einsatz kommt. Die Russen hatten für ihren Jet zunächst auf den Antrieb aus dem Westen gesetzt. Inzwischen haben sie auch einen eigenen Triebwerkstyp dafür entwickelt. Diesem fehlt aber noch die Zulassung.

Unterdessen will MTU-Chef Winkler sein Unternehmen von Rohstoffen aus Russland unabhängig machen: "Unser Ziel ist es, ab 2023 komplett ohne russisches Vormaterial auszukommen." Während andere Unternehmen der Branche große Mengen Titan aus Russland beziehen, beträgt der Anteil bei MTU laut Winkler nur ein Zehntel. Der französische MTU-Konkurrent Safran <FR0000073272> bezieht nach eigenen Angaben bisher rund die Hälfte seines Titans von einem russischen Unternehmen.

MTU habe sich die benötigte Menge an Titan für das laufende Jahr schon gesichert, sagte Winkler. Während andere Branchen schon länger mit der Knappheit von Halbleitern und Problemen in der Lieferketten kämpfen, sieht sich MTU gut gerüstet. "Wir müssen ja Material oft zwölf Monate im Voraus beschaffen, deshalb sind unsere Lager gut gefüllt", sagte Winkler. Das Unternehmen arbeitet ihm zufolge daran, seine Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern.

Die geplante Aufrüstung in Deutschland und der EU könnte MTU derweil größere Aufträge einbringen. Wenn die deutsche Luftwaffe ihre alten Tornado-Jets durch Eurofighter ersetze, komme MTU beim Triebwerk zum Zuge, sagte Winkler. Ein vermehrter Ersatzteil-Bedarf könne schon ab 2023 Umsatz bringen, neue Eurofighter als Tornado-Ersatz eher erst ab 2025 - "aber dann bis zum Ende der Dekade". Zudem wolle der Bund jetzt über die Anschaffung schwerer Transporthubschrauber entscheiden. Auch die Unterschrift für das neue europäische Luftkampfsystem FCAS dürfte kommen, erwartet der Manager.

Unterdessen hat die erneute Verzögerung von Boeings modernisiertem Großraumjet 777X Folgen für MTU. Die Münchner arbeiten an dem Triebwerk des US-Konzerns General Electric (GE) <US3696041033> mit, das bei dem Flugzeug zum Einsatz kommt. Boeing <US0970231058> hatte die Auslieferung der ersten 777X am Mittwoch ein weiteres Mal verschoben - von 2023 auf 2025. Wie teuer die erneute Verschiebung den Triebwerksbauer zu stehen kommt, wagte die MTU-Spitze noch nicht einzuschätzen. "Wir werden die Folgen zusammen mit GE beraten", sagte Kameritsch. Bei der vorigen Verschiebung hatte MTU eine Sonderbelastung von 70 Millionen Euro verbucht.

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