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ROUNDUP: Konten eingefroren - Sig Sauer schickt Mitarbeiter nach Hause

ECKERNFÖRDE/KIEL (dpa-AFX) - Nach dem Einfrieren der Geschäftskonten durch die Staatsanwaltschaft hat der Waffenhersteller Sig Sauer in Eckernförde den Betrieb vorläufig eingestellt. "Wir haben am Mittwochmorgen sämtliche Mitarbeiter nach Hause geschickt - zunächst bis zum Ende der Woche", sagte Geschäftsführer Tim Castagne am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Grund sei die am Dienstag von der Kieler Staatsanwaltschaft vorgenommene Vollstreckung eines sogenannten Vermögensarrestes über 7,4 Millionen Euro. Neben dem Einfrieren der Geschäftskonten seien Maschinen sowie sämtliche fertiggestellten Waffen mit Pfändungssiegeln versehen worden. "Wir können Aufträge nicht ausliefern", sagte Castagne.

Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord berichtet.

Der Geschäftsführer bekräftigte, Sig Sauer werde - wie am 4. Juni angekündigt - seine Produktion in Eckernförde spätestens bis zum Jahresende einstellen. "Wir werden keine Sig-Sauer-Pistolenproduktion mehr in Deutschland machen." Betroffen sind knapp 130 Mitarbeiter. In Eckernförde wurden laut Castagne zuletzt jährlich rund 20 000 bis 30 000 Pistolen und Sportgewehre der Spitzenklasse gefertigt. Sig Sauer begründete die Aufgabe damit, dass hiesige Standortnachteile für die Zukunft keine wirtschaftliche Produktion von Sport- und Behördenwaffen erlaubten. Zudem würden bei der Vergabe von Behördenaufträgen "sowohl von der deutschen Polizei als auch von der Bundeswehr einige wenige lokale Produzenten bevorzugt".

Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte die Vollstreckung des Vermögensarrestes wegen der angekündigten Produktionsschließung vorsorglich vorgenommen. 2019 waren drei Ex-Manager von Sig Sauer vom Landgericht Kiel wegen illegaler Waffenlieferungen nach Kolumbien zu Bewährungsstrafen und Geldstrafen verurteilt wurden. Laut Kieler Staatsanwaltschaft sind diese Urteile rechtskräftig. Zur Revision beim Bundesgerichtshof sei noch anhängig die Einziehung von 11,1 Millionen Euro - das war nach Auffassung des Landgerichts der Gewinn aus dem illegalen Waffengeschäft nach Kolumbien. Davon werden 7,4 Millionen Euro dem Standort Eckernförde zugerechnet.

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt seit April gegen bislang namentlich unbekannte Verantwortliche des Waffenherstellers wegen Vorwürfen illegaler Rüstungsexporte. Nach Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) soll Sig Sauer USA neben Kolumbien auch Mexiko mit Pistolen ohne Rüstungsexportgenehmigung der Bundesregierung beliefert haben.

Castagne verwies darauf, das Urteil von 2019 mit der Einziehung der Millionensumme sei noch nicht rechtskräftig. Sig Sauer lasse prüfen, ob der Vermögensarrest überhaupt verhältnismäßig gewesen sei und man dagegen vorgehen werde. Im übrigen hätten bereits Banken vorrangige Sicherungen für die jetzt mit Siegeln versehenen Maschinen.

"Unsere Auftragsbücher sind zurzeit voll, denn viele wollen sich noch eines unserer Spitzenprodukte sichern", sagte Castagne. Sig Sauer sei ein traditionsreicher Waffenhersteller, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1751 zurück reichten. "Wir wollen jetzt noch weiter produzieren und so die Grundlage schaffen für einen sauberen Abschluss für die Mitarbeiter." Dies werde durch das Vorgehen der Staatsanwaltschaft in Frage gestellt. Castagne sprach "von einem völlig überzogenen Auftritt" mit etwa 20 bewaffneten Kräften.

Seit dem Jahr 2000 gehört nach Firmenangaben die Sig Sauer GmbH & Co. KG in Eckernförde zur L&O Holding in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen), zu der zudem die US-Schwester Sig Sauer Inc. in Newington (US-Bundesstaat New Hampshire) und die schweizerische Swiss Arms in Neuhausen gehören. Die US-Schwester Sig Sauer Inc. produziert laut Castagne rund eine Million Waffen im Jahr. Ob möglicherweise in den USA oder irgendwo anders im Ausland künftig Sig-Sauer-Waffen der Güte wie in Eckernförde produziert werden, ließ Castagne offen.