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ROUNDUP: Just Eat Takeaway mit Milliardenverlust - Halbjahr hinter Erwartungen

AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der Lieferdienst-Branchenriese Just Eat Takeaway <NL0012015705> ist im ersten Halbjahr wegen einer Abschreibung auf seine US-Tochter Grubhub <US4001101025> deutlich tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Zugleich bekräftigte der Vorstand, 2023 nach zwei Jahren mit Verlusten wieder einen positiven operativen Gewinn ausweisen zu wollen. Bereits in den kommenden sechs Monaten dürfte das Unternehmen sich der Schwelle zur Profitabilität deutlich nähern, betonte Konzernchef Jitse Groen in einer Telefonkonferenz am Mittwoch. An der Börse sorgte dies für Kursgewinne.

Nach einem anfänglichen Minus zog der Kurs der zuletzt stark gefallenen Aktie um bis zu sechs Prozent auf 19,94 Euro an und damit den höchsten Stand seit Mitte Juni an. Mit dem aktuellen Niveau liegt der Kurs rund 80 Prozent unter dem Rekord von Ende 2020. In dem Sog profitierten auch Wettbewerber wie das MDax-Unternehmen Delivery Hero <DE000A2E4K43>, dessen Kurs mit einem Plus von acht Prozent auf den höchsten Stand seit Februar kletterte. Auch die Papiere des im Dax notierten Kochboxenversenders Hellofresh <DE000A161408> konnten sich etwas von ihren jüngsten Rückschlägen erholen.

Unter dem Strich meldete die Lieferando-Mutter für das erste Halbjahr einen Verlust von rund 3,5 Milliarden Euro nach 486 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie sie am Mittwoch in Amsterdam mitteilte. Just Eat Takeaway hatte den Kauf von Grubhub erst im Sommer 2020 für 7,3 Milliarden US-Dollar (damals rund 6,4 Mrd Euro) in eigenen Aktien angekündigt. Jetzt musste das Unternehmen drei Milliarden Euro und damit fast die Hälfte davon abschreiben. Just Eat Takeaway will das US-Unternehmen inzwischen auch schon wieder loswerden. Der Konzern sei weiterhin auf der Suche, um das Unternehmen vollständig oder auch anteilig zu veräußern, hieß es.

Im ersten Halbjahr blieb der Essenslieferant bei den meisten Kennziffern hinter den durchschnittlichen Erwartungen von Analysten zurück. Sowohl die Zahl der Bestellungen mit rund 510 Millionen als auch der Bruttotransaktionswert (GTV) mit knapp 14,2 Milliarden Euro fielen schwächer aus als Experten auf dem Zettel hatten. Vor einem Jahr waren es noch 547 Millionen Bestellungen und ein GTV von 14,1 Milliarden Euro gewesen. Wie auch der Wettbewerber Delivery Hero muss Just Eat Takeaway schauen, wie das Unternehmen mit der Inflation und den dadurch knapperen Budgets seiner Kunden umgeht. Analyst Marcus Diebel von JPMorgan betonte, dass die Bestellzahlen über alle Regionen hinweg schwach ausgefallen seien.

Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent auf 134 Millionen Euro und fiel damit etwas besser als erwartet aus. Dabei habe vor allem das Segment Nordeuropa "signifikant" beigetragen, hieß es. Neben Deutschland (Lieferando) zählen zu der Region unter anderem auch Dänemark, Polen, die Benelux-Staaten und Österreich. Die drei Segmente Nordeuropa, Nordamerika sowie Großbritannien und Irland machten mittlerweile 90 Prozent des Bruttotransaktionsvolumens aus, hieß es.

Den Ausblick für das laufende Jahr bestätigte das Unternehmen: Neben einem Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich beim Bruttotransaktionsvolumen soll die bereinigte operative Marge (Ebitda-Marge) bei minus 0,5 bis minus 0,7 Prozent liegen. So wie bereits 2021 soll also auch im laufenden Jahr das Betriebsergebnis negativ ausfallen - auch weil das Management mit einem Wert von minus 0,3 Prozent für das zweite Halbjahr rechnet. 2023 soll das Betriebsergebnis aber raus aus den roten Zahlen.

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