Werbung
Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    38.876,71
    -258,08 (-0,66%)
     
  • Dow Jones 30

    38.730,37
    -17,05 (-0,04%)
     
  • Bitcoin EUR

    64.024,12
    +1.964,02 (+3,16%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.432,59
    +37,55 (+2,69%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.666,28
    +322,73 (+1,86%)
     
  • S&P 500

    5.430,58
    +55,26 (+1,03%)
     

ROUNDUP: Gewerkschaft GDL und Deutsche Bahn verhandeln über neuen Tarifvertrag

BERLIN (dpa-AFX) -Tiefer Einstieg in die Tarifverhandlungen oder schnelle Eskalation mit Aufruf zum Arbeitskampf? Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn verhandeln ab Donnerstag in Berlin über einen neuen Tarifvertrag. Und die Situation wirkt bereits vor dem Auftakt angespannt: GDL-Chef Claus Weselsky deutete in den vergangenen Wochen in Interviews mehrmals an, dass er möglicherweise sehr schnell zum Warnstreik aufrufen oder eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik in Gang setzen wird. Für die Fahrgäste der Bahn beginnen mit dem Verhandlungsauftakt in Berlin (9.00 Uhr) also unruhige Zeiten - auch einen Arbeitskampf an Weihnachten wollte Weselsky bislang nicht ausschließen.

Die Bahn wird dagegen mit einer Überraschung in die Verhandlungen gehen: Wie die dpa am Mittwoch in Berlin erfuhr, will Personalvorstand Martin Seiler ein Arbeitgeberangebot vorlegen. Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt. Ein Arbeitgeberangebot bereits in der ersten Verhandlungsrunde ist bei Tarifgesprächen eher unüblich, wird aber von Gewerkschaften oft gefordert. Ob und wie der Vorstoß der Bahn die Strategie des GDL-Chefs beeinflussen wird, ist unklar.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem 555 Euro mehr pro Monat für die Beschäftigten sowie eine Inflationsausgleichsprämie von bis zu 3000 Euro. Als Knackpunkt gilt bereits jetzt die Forderung nach einer Arbeitszeitreduzierung von 38 auf 35 Stunden für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich. Weselsky hatte in den vergangenen Tagen an dieser Stelle aber bereits Kompromissbereitschaft angedeutet.

Bahn-Personalvorstand Seiler hat die Vorstellungen der GDL zuletzt als "unerfüllbar" zurückgewiesen. Vor allem die Absenkung der Arbeitszeit sei nicht realisierbar - auch, weil dann ausgerechnet in Zeiten des Fachkräftemangels mehr Beschäftigte gebraucht würden.

WERBUNG

Die GDL ist die deutlich kleinere von zwei Gewerkschaften bei der Bahn. Sie vertritt viele Lokführer, verhandelt aber inzwischen auch für weitere Berufsgruppen, darunter etwa Zugbegleiter oder auch Teile der Verwaltung in manchen Betrieben.

Die Bahn wendet die Tarifverträge der GDL bisher lediglich in 18 von rund 300 Betrieben an und stellt heraus, von den nun begonnenen Tarifverhandlungen seien lediglich rund 10 000 Bahnbeschäftigte betroffen. Zum Vergleich: Im Frühling und Sommer verhandelte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG mit der Bahn die Tarifverträge für rund 180 000 Beschäftigte.

Durch die Konkurrenz der Gewerkschaften kommt bei der Bahn das Tarifeinheitsgesetz zur Anwendung. Es sieht vor, dass in einem Betrieb mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung umgesetzt wird. Ein gesichertes Feststellungsverfahren der Mitgliederzahl gibt es bei der Bahn aus Sicht der GDL aber nicht. Sie klagt deshalb in mehreren Verfahren gegen die Festlegungen des Konzerns.

Bei den Verhandlungen mit der EVG einigten sich Bahn und Gewerkschaft nach zwei Warnstreiks, einer Urabstimmung und einer Schlichtung auf eine Erhöhung von 410 Euro monatlich in zwei Stufen bei einer Laufzeit von 25 Monaten. Zudem wurden 2850 Euro als steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie vereinbart. Für einzelne Berufsgruppen wurden zudem nach Ablauf der Laufzeit strukturelle Erhöhungen in den Tariftabellen vereinbart. Die Einkommen von gut 70 000 Beschäftigten werden sich damit noch einmal deutlich erhöhen.