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ROUNDUP: Experten rechnen mit sehr hoher US-Arbeitslosenquote für April

WASHINGTON (dpa-AFX) - Die Arbeitslosenquote in den USA ist infolge der Corona-Pandemie Experten zufolge zuletzt dramatisch angestiegen. Die US-Regierung gibt am Freitag (14.30 Uhr MESZ) die Statistik für den Monat April bekannt. Analysten rechnen mit einer Arbeitslosenquote von mindestens 15 Prozent, ein Berater von US-Präsident Donald Trump hatte sogar unlängst gewarnt, die Quote könne bereits 19 oder gar 20 Prozent betragen. In den USA haben wegen der Krise seit Mitte März bereits mehr als 33 Millionen Menschen ihren Job verloren.

In der Woche bis zum 2. Mai hatten zuletzt rund 3,2 Millionen Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. In den sechs Wochen zuvor hatten bereits 30,2 Millionen Menschen solche Hilfe beantragt - so viele wie nie zuvor in derart kurzer Zeit.

Die Arbeitslosenquote hatte in der größten Volkswirtschaft der Welt im Februar noch bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Im März stieg die Quote auf 4,4 Prozent. Die Zunahme fiel noch relativ gering aus, weil die Statistik zuletzt nicht mit der Geschwindigkeit der Jobverluste Schritt halten konnte. Die Zahlen für März dürften daher am Freitag im Nachhinein revidiert werden. Auch die Statistik für April wird wegen verzögerter Datenerhebung nur die Lage bis Mitte des Monats erfassen.

Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett hatte am Dienstag im Gespräch mit dem Nachrichtensender CNN gewarnt, den USA drohe vermutlich die schlimmste Arbeitslosenquote seit der Weltwirtschaftskrise vor fast 100 Jahren. Die Corona-Krise sei ein "enormer negativer Schock", sagte Hassett. Er äußerte sich aber zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder erholen werde.

Seit Anfang des Monats haben viele Bundesstaaten damit begonnen, die Corona-Vorschriften wieder langsam zu lockern - obwohl die Pandemie in vielen Landesteilen noch längst nicht unter Kontrolle scheint.

Fast alle 50 Bundesstaaten hatten im März Ausgangsbeschränkungen verhängt, um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu bremsen. Damit kam das öffentliche Leben für die große Mehrheit der Menschen in den USA zum Erliegen. Viele Geschäfte, Einkaufszentren und Betriebe wurden geschlossen, Restaurants und Hotels blieben leer. Viele Mitarbeiter dieser Unternehmen beantragten Arbeitslosenhilfe. Auch Entlassungen sind in den USA einfacher und schneller möglich.

Regierung und Kongress haben seit Ende März gewaltige Konjunkturpakete auf den Weg gebracht, um rund 2,7 Billionen US-Dollar in die leidende Wirtschaft zu pumpen. Davon sollen rund 650 Milliarden Dollar bereitstehen für ein Programm, das kleinen und mittelgroßen Unternehmen für die kommenden Monate weitgehend die Lohnkosten ersetzt, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu begrenzen.

Bis Februar hatte die US-Konjunktur noch gebrummt, an der Börse wurden Höchststände gemeldet, und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von gut zwei Prozent. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte - nun steuern die USA auf eine tiefe Rezession zu. Das dürfte auch Trump höchst ungelegen kommen, der sich bei der Wahl im November um eine zweite Amtszeit bewirbt. Der Präsident machte zuletzt Druck, die Corona-Beschränkungen der Bundesstaaten aufzuheben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Bislang sind in den USA - einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern - Forschern der Universität Johns Hopkins zufolge mehr als 1,2 Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Das entspricht etwa jeder dritten bekannten Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 weltweit. Mehr als 73 000 Menschen starben demnach in den USA.