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ROUNDUP: Deutsche Bank nach Milliardengewinn etwas vorsichtiger - Aktie sackt ab

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank <DE0005140008> hat im zweiten Quartal trotz des wirtschaftlichen Gegenwinds durch den Ukraine-Krieg überraschend einen weiteren Milliardengewinn erwirtschaftet. Dank guter Geschäfte entfiel auf die Aktionäre ein Überschuss von 1,05 Milliarden Euro und damit gut eineinhalbmal so viel wie ein Jahr zuvor, wie sie am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Das war deutlich mehr als von Experten im Schnitt erwartet. Im ersten Halbjahr gelang dem Institut nach eigenen Angaben der höchste Nachsteuergewinn seit 2011. Wegen der gestiegenen Inflation und anderer Einflüsse wird der Vorstand mit Blick auf das Gesamtjahr jedoch etwas vorsichtiger.

Es sei aufgrund des Umfelds inzwischen schwieriger, in diesem Jahr wie geplant eine Rendite von acht Prozent zu erzielen, teilte die Bank mit. Bis 2025 sollen es aber wie geplant mehr als zehn Prozent nach Steuern sein. "Vieles spricht dafür, dass es wirtschaftlich noch schwieriger werden wird - in der Ukraine zeichnet sich leider kein Ende von Russlands Aggression ab, und Unsicherheit und Volatilität werden uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben", erläuterte Vorstandschef Christian Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor am Vormittag zuletzt rund vier Prozent auf 7,856 Euro und war damit zweitgrößter Verlierer im Dax <DE0008469008>. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit fast 29 Prozent eingebüßt.

Branchenexperte Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan traut der Aktie aber weiterhin einen Anstieg auf 13 Euro zu. Auch Analystin Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC sieht beim Aktienkurs weiter Luft nach oben. Die Kennziffern des Geldhauses hätten die Erwartungen übertroffen, schrieb sie am Morgen. Der Jahresausblick des Managements sei aber durchwachsen ausgefallen.

Zwar profitiert das größte deutsche Geldhaus von steigenden Zinsen, die die Erträge anschieben. Die Folgen des Ukraine-Krieges belasten aber das Geschäft mit Börsengängen und Beratungen im Investmentbanking.

Im ersten Halbjahr entfiel auf die Aktionäre ein Überschuss von 2,1 Milliarden Euro. Das waren 32 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Mit dem höchsten Halbjahresgewinn seit 2011 haben wir erneut bewiesen, dass wir auch in einem schwierigen Umfeld unsere Erträge und unser Ergebnis steigern können", sagte Sewing.

Zu dem Milliardengewinn trugen alle vier Kerngeschäftsbereiche bei. Stärkster Gewinnbringer war erneut die Investmentbank mit einem Anstieg des Vorsteuerergebnisses um 1 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, obwohl das Geschäft mit Börsengängen und Beratungen wie bei anderen Instituten schwächelte. Die Unternehmensbank konnte ihren Vorsteuergewinn mehr als verdoppeln. Die Privatkundenbank schrieb nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum schwarze Zahlen. Die Vermögensverwaltung mit der Tochter DWS <DE000DWS1007> verdiente dagegen weniger. Kunden zogen wegen steigender Zinsen vor allem Gelder aus Geldmarktfonds ab.

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - des Instituts stiegen im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. "Trotz eines schwierigen Umfelds stehen wir heute auf der Ertragsseite noch deutlich besser da, als wir es selbst für möglich hielten, als wir 2019 unsere Transformation ankündigten", schrieb Sewing an die Mitarbeiter. Im Gesamtjahr sollen die Erträge weiterhin auf 26 bis 27 Milliarden Euro steigen. Vor drei Jahren hatte der Manager der Bank einen tiefgreifenden Umbau verordnet, die hauseigene Investmentbank gestutzt und den Abbau Tausender Stellen eingeleitet.

"Immun sind allerdings auch wir gegen das makroökonomische Umfeld nicht", betonte Sewing. Die Deutsche Bank stockte daher die Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 75 Millionen auf 233 Millionen Euro auf. Das Netto-Kreditengagement mit Bezug zu Russland blieb nach eigenen Angaben im zweiten Quartal mit 0,5 Milliarden Euro in etwa unverändert gegenüber dem Jahresbeginn.

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