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ROUNDUP: Delivery Hero setzt weiter auf hohes Wachstum - Aktie legt kräftig zu

·Lesedauer: 4 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Eine ungebremste Nachfrage infolge der Corona-Pandemie lässt den Lieferdienstes Delivery Hero <DE000A2E4K43> hoffnungsvoll in das laufende Jahr blicken. Der Dax-Konzern setzt weiter ganz auf Wachstum und nimmt dafür hohe Verluste in Kauf. "Wir wollen Marktführer in den Ländern werden, in denen wir bereits aktiv sind", sagte Konzernchef Niklas Östberg in einer Telefonkonferenz. An der Börse konzentrierten sich die Investoren ebenfalls erst einmal weiter auf die Wachstumsaussichten. Die im Dax <DE0008469008> notierte Aktie legte nach einem leichten Knick zum Handelsbeginn zuletzt deutlich zu.

Der Konzern mit Sitz in Berlin und ohne eigenes Deutschland-Geschäft profitiert weiter davon, dass Menschen aus Bequemlichkeit und Angst vor Ansteckungen mit dem Coronavirus verstärkt Essen und Waren nach Hause bestellen. Auch die weltweiten Corona-Ausgehbeschränkungen, die etwa das Abendessen im Restaurant kaum möglich machen, spielen Delivery Hero dabei in die Hände.

Das Management rund um Konzernchef Östberg sieht daher gute Chancen dafür, den Jahresumsatz verglichen mit dem Vorjahr auf 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln, wie Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Dabei hilft auch die Anfang März abgeschlossenen Übernahme des südkoreanischen Lieferdienstes Woowa. Auf vergleichbarer Basis rechnet der Konzern mit einem Umsatzplus von bis zu knapp 90 Prozent.

Der Bruttowarenwert (GMV) soll mit 31 bis 34 Milliarden Euro mehr als doppelt so groß ausfallen als noch vor einem Jahr. Auf vergleichbarer Basis - also inklusive des übernommenen südkoreanischen Unternehmens - hatte der Bruttowarenwert im vergangenen Jahr bei knapp 22 Milliarden Euro gelegen. Damit liegen die eigenen Ziele des Unternehmens deutlich über denen der Analysten.

Das defizitäre Unternehmen rechnet beim operativen Verlust mit einer Besserung - zumindest gemessen an der Marge. In absoluten Zahlen könnte der operative Verlust steigen. Die Marge auf Basis des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gemessen am Bruttowarenwert soll auf minus zwei bis minus 1,5 Prozent zurückgehen. 2020 hatte dieser Wert bei knapp minus fünf Prozent gelegen. Bisher hatte das Unternehmen die Margenprognose auf Basis des Umsatz angegeben.

Umgerechnet in absolute Werte ergibt die Prognose einen bereinigten Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen zirka 465 Millionen Euro und 680 Millionen Euro - nach knapp 570 Millionen Euro im Vorjahr. Von Bloomberg befragte Experten hatten bisher im Schnitt am unteren Ende dieser Spanne auf dem Zettel.

An der Börse sorgte dies nur kurz für Verstimmung. Nach einem anfänglichen Minus legte das Papier zuletzt rund drei Prozent auf 132 Euro zu. Die Aktie zog bereits in den vergangenen Wochen wieder deutlich an, nachdem es Anfang Februar bis auf die Marke von 100 Euro zurückgefallen war. Mit dem derzeitigen Kursniveau nähert sie sich wieder dem Anfang des Jahres erreichten Rekordhoch von 145 Euro.

Hoffnung legt Finanzvorstand Emmanuel Thomassin in den so genannten Q-Commerce (Quick Commerce), bei denen Kuriere Lebensmittel und Waren des täglichen Gebrauchs aus Geschäften vor Ort binnen einer Stunde zum Kunden bringen sollen. Q-Commerce gewinne immer mehr an Fahrt, da Delivery Hero auf konkrete Kundenbedürfnisse eingehe, sagte er laut Mitteilung.

Es gebe ein "erhebliches Potenzial für eine weitere Expansion", da Angebote auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden könnten. Im ersten Quartal habe sich die Zahl der Bestellungen im Vergleich zum Vorjahresquartal verfünffacht, eine konkrete Zahl nannte das Unternehmen aber nicht.

Insgesamt profitierte Delivery Hero in den ersten drei Monaten des Jahres weiter von einer starken Nachfrage. So stieg die Zahl der Bestellungen auf vergleichbarer Basis um 88 Prozent auf 663 Millionen, der Bruttowarenwert legte verglichen mit dem Vorjahr ähnlich stark zu auf 7,8 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz war mit knapp 1,4 Milliarden Euro doppelt so hoch als noch vor einem Jahr.

Zahlen zum Quartals-Nettoergebnis nannte das Unternehmen nicht. Diesen Wert gab es aber jetzt für das vergangene Jahr - und der ist nicht überraschend tiefrot, da Delivery Hero operativ ohnehin defizitär ist und wegen der Übernahme in Südkorea bereits eine hohe Abschreibung angekündigt hatte. Diese geht auf den gestiegenen Kurs der eigenen Aktie zurück, da die Berliner den Zukauf zum Teil in eigenen Anteilen bezahlt haben.

Alles in allem lag das Minus 2020 bei 1,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2019 lag der Verlust bereinigt um den Verkauf des Deutschland-Geschäfts (Lieferando) noch bei knapp 700 Millionen Euro. Inklusive des Verkaufs von Lieferando erzielte Delivery Hero einen Gewinn von rund 200 Millionen Euro.