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ROUNDUP/Corona, Klima und Umweltschutz: Bittere Aussichten für Hopfenpflanzer

·Lesedauer: 3 Min.

NÜRNBERG/AIGLSBACH (dpa-AFX) - Bartholomäus Obster pflanzt auf seinem 73-Hektar-Hof in der Hallertau in zehnter Generation Hopfen - und ist auf dem neuesten Stand. Mit einer Photovaltaik-Anlage erzeugt er Energie. Den Heizölverbrauch für die Trocknung des Hopfens hat er fast auf die Hälfte gedrosselt und Tochter Regina setzt sich wissenschaftlich mit integriertem Pflanzenschutz auseinander. Doch die Situation der Hopfenbauern ist nicht einfach, denn sie kommen von verschiedenen Seiten unter Druck.

Obster beklagt am Donnerstag insbesondere ein Problem: "Wir brauchen Pflanzenschutzmittel - so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig." Sonst drohten Ertrags- und Qualitätseinbußen - und damit wirtschaftlicher Schaden. Doch der Verband Deutscher Hopfenpflanzer kritisiert, dass die Bauern vom Staat zu sehr zum Verzicht auf Pflanzenschutzmittel gedrängt würden. "Wir haben die Werkzeuge nicht, dass wir die Pflanzen wirksam schützen können", sagt Verbandspräsident Adolf Schapfl.

Kritiker sehen das anders: Gerade beim Hopfen sei der Pestizideinsatz zu hoch, die Wirkstoffe töteten nicht nur Schädlinge, sondern landete schlussendlich auch im Bier, das Konsumenten eigentlich als Naturprodukt schätzen.

Hopfen, einer der drei Inhaltsstoffe des Bieres, die das bayerische Reinheitsgebot zulässt, gilt als extrem anfällige Pflanze etwa für Pilzkrankheiten. Zunehmend versuchen die Hopfenpflanzer, mit alternativen Methoden gegen die Schädlinge vorzugehen. Spritzmittel auf Backpulver-Basis soll etwa Abhilfe schaffen. Oder klebrige Malzflüssigkeit, die den Läusen die Flügel verklebt. Doch den Bauern ist das nicht genug, Verbandsgeschäftsführer Otmar Weingarten befürchtet sogar die Verlagerung der Produktion ins Ausland.

Hopfen ist ein internationales Geschäft. Ein Drittel der weltweiten Anbaufläche ist in Deutschland, obwohl das Bier vor allem in China und den USA gebraut wird. Wer etwas über den weltweiten Markt erfahren will, schaut in den ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten BarthHaas-Bericht, den der weltgrößte Hopfenhändler aus Nürnberg seit inzwischen 145 Jahren herausgibt.

Auch was im Bericht steht, gibt für die Hopfenbauer Anlass zur Sorge. Zum einen hat Corona den weltweiten Bierausstoß sinken lassen. 2020 wurden 182 Milliarden Liter produziert, 9,2 Milliarden weniger als im Jahr davor. Und auch im laufenden Jahr wird das Vorkrisenniveau trotz einsetzender Entspannung wohl nicht erreicht werden.

Weil gleichzeitig die Hopfenernten und insbesondere der Ertrag der für den Geschmack wichtigen Alphasäure zuletzt gut ausfielen, erwartet BarthHaas das zweite Jahr hintereinander eine Überversorgung des Marktes. Dazu trägt auch bei, dass die weltweite Produktion von Craft-Bier mit 13 Prozent besonders stark einbrach. Diese speziellen Sorten haben meist deutlich mehr Hopfen als Durchschnittsbier.

Im Moment drückt das noch nicht auf den Preis, weil es viele langlaufende Verträge gibt, wie man bei BarthHaas erklärt. Doch auf Dauer müsste die weltweite Hopfenanbaufläche dringend sinken, mahnt der Autor des Berichts, Heinrich Meier. Doch das Gegenteil passiert: Seit sieben Jahren steigt sie kontinuierlich, und auch dieses Jahr wird ein Zuwachs der Flächen erwartet, vor allem in den USA.

Zugleich bedroht der Klimawandel Ernte und Qualität. Gerade in den USA, in den Bundesstaaten Washington und Oregon, habe der Hopfen zuletzt durch den Klimawandel unter starkem Hitzestress gelitten. Das drückt sowohl auf die Erntemengen als auch auf den Alphasäuregehalt. Waldbrände in der Nähe der Anbaugebiete machten den Bauern dort zusätzlich zu schaffen. Und auch in Europa bekomme man den Klimawandel deutlich zu spüren, heißt es vom Unternehmen. Die Ernteschwankungen in vielen europäischen Anbaugebieten seien "extrem".

Die Aussichten für 2021 sind kaum besser. In den USA belastet wieder die Hitze. Und in Europa war es zuerst zu kalt und später schädigte Hagel Anbaugebiete in Deutschland, Polen und Tschechien. Die Chancen auf eine Normalernte seien "sehr gering", sagt Gesellschafter Alexander Barth. Zumindest die Gefahr sinkender Preise würde von einer schwachen Ernte aber ein Stück weit abgebremst.

In Deutschland bauen derzeit noch 1100 landwirtschaftliche Betriebe Hopfen an, praktisch 100 Prozent der Produktion wird von der deutschen und internationalen Braubranche abgenommen. Hauptanbaugebiet ist mit fast 900 Betrieben die Hallertau in der Gegend von Ingolstadt. Der Rest verteilt sich auf das mittelfränkische Anbaugebiet Spalt, Tettnang am Bodensee und auf den Elbe-Saale-Winkel in Sachsen-Anhalt.

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