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ROUNDUP: Corona-Impfstoff ausgeliefert - Spahn fordert 'nationalen Kraftakt'

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BERLIN/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Vor dem Start der bisher größten Impfkampagne in Deutschland hat Gesundheitsminister Jens Spahn zu einem "nationalen Kraftakt" aufgerufen, um so viele Menschen wie möglich gegen das Coronavirus zu immunisieren. "Dieser Impfstoff ist der entscheidende Schlüssel, diese Pandemie zu besiegen. Er ist der Schlüssel dafür, dass wir unser Leben zurückbekommen können", sagte der CDU-Politiker am Samstag in Berlin. Genau elf Monate nach Bekanntwerden der ersten Corona-Infektion in Deutschland beginnt am Sonntag in allen Bundesländern das Impfen.

Einige Zehntausend Dosen wurden dafür am Samstag ausgeliefert. Sie werden von den zuständigen Landesbehörden an Impfzentren und mobile Teams verteilt. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden.

Im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen kamen zunächst 9750 Dosen an, die in ein geheimes Zentrallager gebracht wurden. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte: "Das ist ein wichtiger Moment der Zuversicht. Mit der Lieferung des ersten Corona-Impfstoffes entsteht Hoffnung auf ein normales Leben, wie wir es vor dem Virus gekannt haben." Auch in anderen Bundesländern liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Der Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer muss bei minus 70 Grad oder kälter gelagert werden, wenn er länger haltbar bleiben soll. Für eine Immunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von etwa drei Wochen nötig. Für die gesamte deutsche Bevölkerung würden also 166 Millionen Dosen benötigt.

Die Bundesregierung wirbt unter dem Motto "Ärmel hoch" gezielt dafür, dass sich möglichst viele Menschen in Deutschland impfen lassen. Um die Pandemie zu stoppen, müssten nach Schätzung von Experten etwa 60 bis 70 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft werden. "Wir wollen so viele Menschen impfen, dass das Virus keine Chance mehr hat, in Deutschland und in Europa", sagte Spahn. Jede Impfung mehr bedeute weniger Infektionen und weniger Todesfälle. "Wer mitmacht, rettet Leben."

Einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zufolge haben 65 Prozent der Deutschen vor, sich impfen zu lassen. Das würde der erforderlichen Zahl entsprechen. Bis zu dieser Quote ist es allerdings noch ein weiter Weg. Bis Ende des Jahres sollen 1,3 Impfdosen ausgeliefert werden. Ende März sollen es schon über zehn Millionen sein. Und Mitte des Jahres will Spahn allen, die sich impfen lassen wollen, ein Angebot machen können.

Der Gesundheitsminister bereitete die Bevölkerung aber auch darauf vor, dass angesichts der Größe der Kampagne vielleicht nicht alles sofort ganz glatt laufen wird. "Es wird an der einen oder anderen Stelle auch mal ruckeln, das ist ganz normal."

Spahn rief die Jüngeren zur Solidarität mit den Alten und Schwachen auf, die den Impfstoff nun am dringendsten benötigten. Und er machte Hoffnung, dass die Pandemie im Laufe des nächsten Jahres überwunden werden kann: "Der Herbst und der Winter und auch das Weihnachten des kommenden Jahres, sollen nicht mehr im Zeichen dieser Pandemie stehen."

Der Deutsche Städtetag dämpfte dagegen die Erwartungen. "Es ist ein Anfang gemacht, aber der Spuk mit dem gefährlichen Coronavirus ist noch nicht vorbei", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Infektionslage sei derzeit weiterhin besorgniserregend und die Zeit für Massenimpfungen noch nicht gekommen. "Dafür gibt es zunächst viel zu wenig Impfstoff", sagte Jung, der auch Oberbürgermeister von Leipzig ist.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sieht Deutschland nicht ausreichend vorbereitet auf das Impfen. Die FDP hätte sich eine klare gesetzliche Grundlage dafür gewünscht, weil so wichtige Fragen von Leben und Tod auf breitester Grundlage beschlossen werden sollten, sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Bei der Frage der Logistik sollten wir baldmöglichst über die Impfzentren hinaus auch den niedergelassenen medizinischen Bereich nutzen, damit wir schnell vorankommen beim Durchimpfen", mahnte der FDP-Chef.