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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Virus-Krise wirft Dax weiter zurück

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben vor dem Wochenende wegen des Coronavirus eine Verkaufswelle ausgelöst. Der Dax <DE0008469008> fiel am Freitag zeitweise auf den niedrigsten Stand seit August vergangenen Jahres und büßte zum Handelsschluss 3,37 Prozent auf 11 541,87 Punkte ein. Auf Wochensicht bedeutet dies einen Verlust von 2,9 Prozent. Weltweit sind mittlerweile mehr als 100 000 Coronavirus-Infektionen bestätigt. Konjunkturdaten spielten am Freitag kaum eine Rolle: Ein starker US-Arbeitsmarktbericht für Februar vermochte die Anleger nicht aus der Deckung zu locken.

In nur zwei Wochen verlor der deutsche Leitindex mehr als 2000 Punkte. Vom Rekordhoch Mitte Februar bei 13 795 Punkten hat er mittlerweile mehr als 16 Prozent eingebüßt. Der Fall unter eine Unterstützung bei etwa 11 800 Punkten habe dem Index "die nächste Breitseite verpasst", schrieben die Analysten der Bank HSBC.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsentitel sank zum Wochenschluss um 3,62 Prozent auf 24 750,77 Punkte. An den europäischen Handelsplätzen sah es ähnlich düster aus: Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitindex der Eurozone fiel um 3,91 Prozent auf 3232,07 Zähler. Auch in Paris und London ging es auf diesem Niveau abwärts. Am New Yorker Aktienmarkt stand der Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Börsenschluss mehr als 2 Prozent tiefer.

Aus Furcht vor zunehmenden wirtschaftlichen Risiken durch das sich ausbreitende Virus entschieden sich Anleger gegen Aktien und für als sicher geltende Anlagemöglichkeiten: Kurse von Bundesanleihen und der Goldpreis stiegen am Freitag stark.

Die Aktien der Lufthansa <DE0008232125> beendeten erst einmal ihren steilen Abwärtstrend. Kurz vor Veröffentlichung der Meldung, dass wegen des Coronavirus in den nächsten Wochen die Flugkapazitäten gekürzt werden sollen, dämmten die Aktien ihre Verluste komplett ein. Zwischendurch notierten sie sogar im Plus. Die Maßnahme diene dazu, die finanziellen Folgen des Nachfrageeinbruchs zu verringern, hieß es vom Konzern. Aus dem Handel gingen die Lufthansa-Papiere mit minus 0,22 Prozent.

Das mögliche Scheitern einer Übernahme belastete die Infineon-Titel <DE0006231004> mit minus 5,45 Prozent. Informierten Personen zufolge soll die US-Regulierungsbehörde CFIUS US-Präsident Donald Trump vor einer Genehmigung der Übernahme von Cypress durch den deutschen Chiphersteller aus Gründen der nationalen Sicherheit gewarnt haben, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg. Am Dax-Ende ging es für die in dieser Woche vergleichsweise stabil gelaufenen Titel des Versorgers RWE <DE0007037129> um 6,38 Prozent nach unten.

Größter Verlierer im MDax waren Metro <DE000BFB0019> mit minus 11,19 Prozent. Am Dienstagabend waren die Anteile des Handelskonzerns noch hochgeschnellt wegen Übernahmefantasie. Neues gab es dazu seitdem nicht mehr. Die Kursgewinne sind nun wieder aufgezehrt.

Fraport <DE0005773303> und CTS Eventim <DE0005470306> verabschiedeten sich mit Abschlägen zwischen 6 und 7 Prozent aus dem Handel. Auch der Flughafenbetreiber und der Ticketvermarkter sind Leidtragende der Corona-Epidemie.

Die Aktien der Commerzbank <DE000CBK1001> fielen auf ein historisches Tief und notierten zum Handelsende 7,18 Prozent schwächer. Deutsche Bank <DE0005140008> sackten um 3,79 Prozent ab. Immer niedrigere Kapitalmarktzinsen und eine drohende Rezession lasten weiterhin auf der Bankenbranche.

Die Rally am Rentenmarkt ging am Freitag weiter, der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,43 Prozent auf 146,91 Punkte. Die Umlaufrendite fiel im Gegenzug von minus 0,62 Prozent am Vortag auf minus 0,71 Prozent. Der Bund-Future <DE0009652644> stieg um 0,12 Prozent auf 176,25 Punkte.

Der Euro <EU0009652759> setzte seinen Höhenflug vom Vortag fort und stieg mit 1,1355 US-Dollar auf den höchsten Stand seit vergangenen Juli. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1319 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1336 (Donnerstag: 1,1187) Dollar festgesetzt und damit der Dollar 0,8821 (0,8939) Euro gekostet./ajx/fba

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---