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ROUNDUP 2/Werte hoch, Werte runter: Noch kein klarer Trend bei Infektionslage

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(durchgehend aktualisiert)

BERLIN (dpa-AFX) - Die Corona-Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland lassen noch immer keinen eindeutigen Trend erkennen. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen 24 Stunden 18 487 neue Corona-Infektionen, wie aus Zahlen von Mittwochmorgen hervorgeht. Das sind über 1000 Fälle mehr als am Mittwoch vergangener Woche. Andererseits ist die sogenannte 7-Tage-Inzidenz nach RKI-Angaben erstmals seit der zweiten Septemberhälfte etwas gesunken. Sie hängt davon ab, wie viele Menschen sich innerhalb einer Woche infizieren. Der R-Wert liegt zwar weiterhin unter 1, aber nicht deutlich genug für eine starke Abschwächung des Infektionsgeschehens.

In Lagebericht von Dienstagabend schreibt das RKI wie auch schon in den vergangenen Tagen: "Aktuell ist eine weitere Zunahme der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten." Gleichzeitig sieht das Institut aber einen langsameren Anstieg der Infektionszahlen. So seien die Fallzahlen in der vergangenen Kalenderwoche (bis Sonntag, 8.11.) zwar in fast allen Bundesländern weiter gestiegen. "Das Ausmaß hat sich jedoch abgeschwächt."

Der Berliner Virologe Christian Drosten sagte in der am Dienstag veröffentlichten Folge des "Coronavirus-Update" bei NDR-Info, bei der Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland zeichne sich seit ungefähr einer Woche eine Verlangsamung ab. Die Geschwindigkeit des Zuwachses sei geringer geworden. "Das ist eine wirklich gute Nachricht."

Diese Entwicklung könne mehrere Ursachen haben. Drosten nannte etwa die Herbstferien oder mögliche Verhaltensänderungen der Menschen angesichts der sich abzeichnenden Lage-Verschlechterung Mitte Oktober. Es könne aber auch sein, dass man derzeit wegen der Überlastung der Labore und der Kontaktnachverfolgung nicht mehr merke, "was in der Bevölkerung los ist".

Aktuelle Entwicklungen der Corona-Zahlen sind laut RKI noch nicht mit den Anfang November in Kraft getretenen neuen Beschränkungen in Verbindung zu bringen. Diese dürften sich frühestens kommende Woche auf die Werte auswirken.

Erstmals seit Ende September sank die Zahl der innerhalb von sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen, wenn auch nur leicht. Berücksichtigt sind dabei nur Fälle, von denen das RKI bereits Kenntnis hatte. Wie aus RKI-Angaben vom Mittwochmorgen hervorgeht, gab es zuletzt binnen einer Woche 114 881 solcher Nachweise. Der Wert sank demnach im Vergleich zum Vortag um 787.

Ob dieser leichte Rückgang auf eine Trendwende bei der Corona-Lage hindeutet, ist allerdings unklar. Bei dem Wert könnte es sich auch um einen Ausreißer handeln. Eine RKI-Sprecherin wollte den Rückgang nicht kommentieren.

Seit Ende September war der Wert der wöchentlichen Neuinfektionen rasant gestiegen und hatte sich innerhalb von sechs Wochen fast verzehnfacht. In einem direkten rechnerischen Zusammenhang mit der Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen steht die sogenannte 7-Tage-Inzidenz für Deutschland, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche. Dieser Wert sank entsprechend von 139,1 auf 138,1 innerhalb eines Tages.

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstagabend bei 0,92 (Vortag: 0,98). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 92 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Laut RKI-Vizepräsident Lars Schaade entsteht erst wieder eine kontrollierbare Lage, wenn die Reproduktionszahl längere Zeit deutlich unter 1 liegt, etwa bei 0,7 oder noch niedriger.

Das RKI registrierte seit Beginn der Pandemie insgesamt 705 687 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 11.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Mittwoch um 261 auf insgesamt 11 767. Am Dienstag betrug diese Steigerung 154 Fälle. Der insgesamt höchste Stand war Mitte April mit 315 gemeldeten Todesfällen binnen eines Tages erreicht worden. Das RKI schätzt, dass rund 454 800 Menschen inzwischen genesen sind.