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ROUNDUP 2/Stabschef Meadows: Trump zeigt nach Corona-Infektion 'milde Symptome'

·Lesedauer: 6 Min.

(neu: weitere Details)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Nach einer Infektion mit dem Coronavirus weist US-Präsident Donald Trump nach Angaben des Weißen Hauses leichte Erkrankungssymptome auf. Das könnte je nach Verlauf schwerwiegende Folgen für den Wahlkampf und die US-Wahl in gut einem Monat haben. "Er hat milde Symptome", sagte Trumps Stabschef Mark Meadows am Freitag im Weißen Haus. Er machte keine näheren Angaben zur Art der Symptome. Die "New York Times" hatte zuvor von Erkältungserscheinungen berichtet. First Lady Melania Trump schrieb auf Twitter, sie habe ebenfalls "milde Symptome", fühle sich aber insgesamt gut.

Donald Trump muss seine Amtsgeschäfte nun in Quarantäne im Weißen Haus führen. Seine Wahlkampfauftritte - bei denen der 74-jährige Republikaner regelmäßig ohne Schutzmaske aufgetreten ist - liegen auf Eis. Sollte Trump seine Amtsgeschäfte nicht ausüben können, müsste Vizepräsident Mike Pence einspringen.

Pence ließ einen Test machen, der negativ ausfiel. Der Vizepräsident werde seit Monaten täglich auf das Coronavirus getestet, schrieb sein Sprecher Devin O'Malley auf Twitter. Meadows sagte über Trump: "Ich bin optimistisch, dass er sich sehr schnell und zügig erholen wird." Trump sei nicht nur "in guter Stimmung", sondern auch sehr energiegeladen. "Seine erste Frage an mich heute Morgen lautete: Wie geht es unserer Wirtschaft?"

Das Weiße Haus hatte in der Nacht zu Freitag mitgeteilt, dass sich Trump und First Lady Melania mit dem Coronavirus angesteckt haben. Der Blick richtete sich auch auf Trumps demokratischen Herausforderer Joe Biden, mit dem der Präsident am Dienstagabend bei einem Fernsehduell auf einer Bühne stand. Nach einem Bericht des Senders CNN zufolge wollte Biden sich noch am Freitag testen lassen.

Je nach Verlauf könnte die Infektion schwerwiegende Auswirkungen auf den Wahlkampf und die Wahl haben. Trump hatte am Samstag und in den kommenden Tagen ursprünglich Wahlkampfauftritte in den Bundesstaaten Florida, Wisconsin und Arizona geplant. Ungeachtet der Pandemie hatte er in den vergangenen Wochen Wahlkampfauftritte teils vor Tausenden Anhängern absolviert.

Trump schrieb kurz nach Mitternacht am Freitag auf Twitter: "Wir werden unsere Quarantäne und Erholung sofort beginnen. Wir werden das GEMEINSAM durchstehen." Trumps Leibarzt hatte mitgeteilt, er erwarte, "dass der Präsident während der Genesung weiterhin ohne Unterbrechung seinen Pflichten nachkommen wird". Der Präsident wird seit Monaten dafür kritisiert, die Gefahr durch das Coronavirus kleinzureden.

Biden teilte auf Twitter mit, er und seine Ehefrau Jill Biden wünschten Donald und Melania Trump "eine rasche Genesung". "Wir werden weiterhin für die Gesundheit und Sicherheit des Präsidenten und seiner Familie beten." Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte ebenfalls, sie bete für den Präsidenten und die First Lady. "Und hoffentlich wird das eine Botschaft an den Rest des Landes sein, dass Sie Ihre Maske tragen müssen", sagte sie dem Sender CNN. Pelosi steht in der Rangfolge an dritter Stelle nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten.

Nach Angaben des Weißen Hauses wurden Trumps Tochter und Beraterin Ivanka Trump, ihr Ehemann Jared Kushner - auch er ein Berater des Präsidenten - sowie Trumps Sohn Barron negativ auf das Virus getestet. US-Außenminister Mike Pompeo sagte auf einem Flug nach Kroatien, sein Test am Freitag sei negativ ausgefallen. Die Vorsitzende des Parteivorstands der Republikaner, Ronna McDaniel, wurde nach Angaben der Partei dagegen positiv getestet.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) steigt bei Coronavirus-Infektionen das Risiko einer schweren Erkrankung ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Als weitere Risikofaktoren gelten Vorerkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie Übergewicht. Zu Trumps generellem Zustand wird einmal im Jahr ein Gesundheitscheck veröffentlicht. Leibarzt Conley schrieb im jüngsten Bericht Anfang Juni, der Präsident sei gesund.

Trump ist nicht der erste Spitzenpolitiker, der sich weltweit infiziert hat. Unter anderen hatte sich der kanadische Premier Justin Trudeau und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro angesteckt. Der britische Premier Boris Johnson bildete Symptome aus und musste zeitweise auf der Intensivstation behandelt werden. Trump hatte sich damals bestürzt über die Nachrichten aus London gezeigt.

Trump wird in der Corona-Pandemie immer wieder vorgeworfen, die Gefahr durch das Virus nicht ernstzunehmen. Er trägt in der Öffentlichkeit meist keine Maske und hat sich mehrfach abfällig über das Tragen von Mund-Nasen-Schutz geäußert. Herausforderer Biden verspottete er noch am Dienstag bei der Debatte dafür.

Trump ist im Wahlkampf noch stärker unter Druck geraten, weil er in Interviews des Investigativreporters Bob Woodward eingeräumt hatte, die Gefahr durch das Virus heruntergespielt zu haben. Der Präsident führte zu seiner Verteidigung an, er habe keine Panik in der Bevölkerung auslösen wollen.

In den USA gibt es bisher 7,2 Millionen Corona-Fälle, mehr als 207 000 Menschen sind nach einer Infektion gestorben. Trump machte für die hohe Fallzahl wiederholt die vielen Tests verantwortlich, die die USA mittlerweile ausführen. Am Montag hatte Trump noch bekanntgegeben, dass die US-Regierung die Corona-Testkapazität mit Schnelltests weiter deutlich ausbaue. In Umfragen stellt eine Mehrheit Trumps Krisenmanagement ein schlechtes Zeugnis aus. Trump selber lobt es dagegen regelmäßig.

Aus aller Welt kamen Genesungswünsche, unter anderen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin, von den Premierministern Israels und Großbritanniens, Benjamin Netanjahu und Boris Johnson, sowie von EU-Ratspräsident Charles Michel.

Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt. Die Corona-Pandemie, die in den USA keineswegs unter Kontrolle ist, hatte den Wahlkampf ohnehin auf den Kopf gestellt. In landesweiten Umfragen liegt der Demokrat Biden beständig vorn, allerdings haben diese wegen des komplizierten Wahlsystems nur eine begrenzte Aussagekraft.

Am Donnerstagabend war zunächst bekannt geworden, dass Trumps enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Virus getestet wurde. Trump selbst bestätigte die Infektion seiner Mitarbeiterin in einem Interview beim Sender Fox News und sagte, er habe sich testen lassen.

Hicks war in den vergangenen Tagen an der Seite des Präsidenten gereist: Am Dienstag zur TV-Debatte zwischen Trump und Biden nach Cleveland, am Mittwoch zu einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Minnesota. Trump suggerierte, dass sie sich bei Angehörigen des Militärs oder Polizeibeamten angesteckt haben könnte. "Man kommt sich nahe und Dinge passieren", sagte Trump. Allerdings ist völlig unklar, ob Hicks Trump angesteckt hat oder umgekehrt.

Auf Fotos von Mittwoch war Hicks auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews außerhalb des Präsidenten-Helikopters Marine One in unmittelbarer Nähe von Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner zu sehen. Beide trugen keinen Mund-Nasen-Schutz. US-Medien zufolge könnte Hicks' Infektion bereits am Donnerstagmorgen bekannt gewesen sein. Trump war an dem Tag noch nach New Jersey gereist.

Melania Trump schrieb auf Twitter, sie habe alle bevorstehenden Verpflichtungen abgesagt. "Wie viel zu viele andere Amerikaner in diesem Jahr sind der Präsident der Vereinigten Staaten und ich in häuslicher Quarantäne, nachdem wir positiv auf Covid-19 getestet wurden."

Die First Lady hatte sich in der Öffentlichkeit während der Corona-Krise öfter mit Maske gezeigt als ihr Ehemann. Trump und das Weiße Haus begründeten das stets damit, dass er und sein Umfeld regelmäßig auf das Coronavirus getestet würden.

Anfang Mai war bekannt geworden, dass sich die Pressesprecherin von US-Vizepräsident Mike Pence, Katie Miller, angesteckt hatte. Ende Juli wurde der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Robert O'Brien, positiv getestet.