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ROUNDUP 2/Sinkende Corona-Umsätze und Inflation: Merck erwartet Gewinnrückgang

(neu: Aussagen des Finanzvorstands aus der Quartalskonferenz, Aktienkurs aktualisiert, Analyst, mehr Hintergrund)

DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Rückgang der Corona-Erlöse und die anhaltende Schwäche im Verkauf von Flüssigkristallen haben Merck DE0006599905 zum Jahresauftakt zugesetzt. Der Dax-Konzern aus Darmstadt konnte den Umsatz aus eigener Kraft nur noch moderat steigern, nachdem dieser in der Pandemie noch stark gewachsen war. "2023 wird für uns ein Übergangsjahr", sagte Unternehmens-Chefin Belen Garijo laut Mitteilung vom Donnerstag. Die angepeilten 25 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 hat sie weiter fest im Visier. Inzwischen haben sich allerdings die Aussichten auf dem Halbleitermarkt für Merck unerwartet stark eingetrübt. Das Management schließt nun für das laufende Jahr ein stabiles Ergebnis aus.

An der Börse wurden die Nachrichten nach einem anfänglichen Kursrutsch im frühen Handel positiv aufgenommen. Die Merck-Aktie war mit einem Kursplus von zuletzt etwas mehr als 2,6 Prozent Spitzenreiter im Dax. Der Kursverlust im bisherigen Jahresverlauf reduzierte sich so auf rund achteinhalb Prozent. Einem Aktienhändler zufolge haben die Jahresziele die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten verfehlt. Allerdings liege das erste Quartal über den Zielspannen. Laut Jefferies-Analyst Peter Welford lag zudem das Betriebsergebnis zum Jahresauftakt über den Markterwartungen.

Im ersten Quartal stieg Mercks Umsatz organisch - also ohne Übernahmen und Wechselkurseffekte - moderat auf rund 5,3 Milliarden Euro. Nominal betrug die Steigerung knapp zwei Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) ging im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent auf rund 1,59 Milliarden Euro zurück. Nach Steuern sank der Gewinn um knapp zehn Prozent auf 800 Millionen Euro.

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Merck hatte während der Pandemie in seinem Laborgeschäft lange von der starken Nachfrage von Impfstoffherstellern und -forschern profitiert. Doch mit dem Abflauen des Virus reduzierten sich die Corona-Umsätze dort zuletzt deutlich. Auch kämpft der Konzern im Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für TV- und Smartphone-Bildschirme seit langem mit Konkurrenz aus Asien. Zudem setzen ihm höhere Kosten im Zuge der Inflation zu.

Das Management hatte deshalb bereits im Frühjahr eine vorsichtige erste Prognose abgegeben. Inzwischen zeige sich aber, dass die Schwäche im Halbleitermarkt deutlicher ausfallen werde als zunächst angenommen, hieß es nun aus Darmstadt. Auch dürften Wechselkurseffekte stärker belasten als gedacht.

Der Umsatz soll daher im laufenden Jahr bei 21,2 bis 22,7 Milliarden Euro liegen - nach 22,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Das bereinigte Betriebsergebnis dürfte jedoch 6,1 bis 6,7 Milliarden Euro sinken verglichen mit 6,8 Milliarden von 2022. Im schlimmsten Fall wäre das ein organischer Rückgang um fünf Prozent.

Das Management erwartet, dass sich der Halbleitermarkt, in den der Pharma- und Spezialchemie-Konzern mit der Übernahme des US-Konzerns Versum 2019 eingestiegen war, in der zweiten Jahreshälfte wieder erholt. Dies sei aber "später und von einer niedrigeren Basis als ursprünglich angenommen". Eine etwaige darüber hinausgehende Schwäche sei in den Jahreszielen nicht berücksichtigt, räumte Finanzchef Marcus Kuhnert ein, der den Posten in Kürze abgibt.

Der schwache Halbleitermarkt und der anhaltende Einbruch im Flüssigkristallgeschäft sorgten zum Jahresstart in Mercks Elektronik-Sparte für einen Ergebniseinbruch, nachdem das Unternehmen hier zuletzt noch gut verdient hatte. Große Halbleiterkunden hätten Projektlinien auf Eis gelegt, sagte Kuhnert.

In der Laborsparte konnte Merck die fehlenden Corona-Umsätze durch ein weiteres Wachstum im Kerngeschäft vor allem mit Produkten und Dienstleistungen für die wissenschaftliche Forschung ausgleichen. Allerdings lag der Erlös der Sparte nur noch hauchdünn über dem Vorjahr. In der Pandemie war das Laborgeschäft noch regelmäßig der wichtigste Wachstums- und Gewinntreiber gewesen. Für dieses Jahr erwartet das Management pandemiebedingt noch 250 Millionen Euro, nach 800 Millionen Euro Corona-Sonderumsätzen vor einem Jahr.

Zum Jahresauftakt trugen vor allem Mercks jüngere Kassenschlager aus der Pharmasparte zum Geschäftswachstum bei, vornehmlich das Krebsmedikament Bavencio und Mavenclad zur Behandlung der schubförmigen Multiple Sklerose. Der Umsatz der Sparte wuchs um gut sechs Prozent, das bereinigte Betriebsergebnis stieg um mehr als elf Prozent.

Finanzchef Kuhnert bekräftigte unterdessen Mercks Ambitionen, auch durch Übernahmen zu wachsen. Dabei ziehen die Darmstädter weiterhin kleinere und mittelgroße ergänzende Zukäufe vor, schließen rund vier Jahre nach dem milliardenschweren Versum-Deal aber auch eine größere Übernahme nicht aus.

In China beschäftigen den Hersteller die zunehmenden Spannungen mit den USA. Merck beobachte die Situation genau und suche nach Lösungen, seine Geschäfte risikofreier und die Lieferketten robuster zu gestalten, erläuterte der Finanzchef. Importe aus anderen Ländern, allen voran den USA, könnten demnach begrenzt werden. So produziert der Konzern bereits im Pharmageschäft direkt vor Ort für China. Die Bedeutung des großen chinesischen Marktes hat für Merck stetig zugenommen, mehr als drei Milliarden Euro Umsatz machte der Konzern dort im vergangenen Jahr. Abstriche wird es wohl vorerst nicht geben: “Wir sind entschlossen, weiter in China zu investieren”, sagte Kuhnert.

Merck hatte erst kürzlich Kuhnerts Abschied als Finanzvorstand zu Ende Juni verkündet. Er habe nach neun Jahren im Amt das Gefühl gehabt, dass es für ihn an der Zeit sei, sich neuen Herausforderungen zu stellen, erläuterte der Manager jetzt seine Beweggründe. Bei Merck folgt ihm zum 1. Juli Helene von Roeder, die vom Immobilienkonzern Vonovia kommt. Die frühere Finanzchefin von Deutschlands größtem Wohnungsvermieter wird bereits als Kandidatin für die Nachfolge von Merck-Lenkerin Belen Garijo gehandelt, die seit Mai 2021 im Amt ist.