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ROUNDUP 2: SGL Carbon blickt vorsichtig auf 2024 - Aktie dennoch im Plus

(Neu: Aktuelle Kursbewegung am Ende des ersten Absatzes und am Ende des Textes.)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Der Kohlefaserspezialist SGL Carbon DE0007235301 rechnet auch im laufenden Jahr mit einer schwachen Nachfrage aus der Windindustrie. Darunter dürfte vor allem die womöglich bald zum Verkauf stehende Sparte rund um Kohlefasern leiden. Der Vorstand geht davon aus, dass das Geschäft weiterhin operative Verluste verzeichnen und damit das Konzernergebnis belasten wird. An der Börse kamen der Ausblick und die Zahlen nur in den ersten Handelsminuten schlecht an. Nach einem schwachen Start drehte die Aktie ins Plus.

Wie das im SDax DE0009653386 notierte Unternehmen in Wiesbaden mitteilte, dürfte der Gesamtumsatz 2024 in etwa auf dem Vorjahresniveau von knapp 1,1 Milliarden Euro stagnieren. Hierbei rechnet der Vorstand noch mit allen vier operativen Geschäftsbereichen.

Wie viel SGL Carbon im Gesamtjahr im Tagesgeschäft verdienen werde, hänge vom geplanten Verkauf der Kohlefaser-Sparte ab: Bei einem Verbleib des Segmentes im Konzern rechnet der Vorstand mit einem bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 160 bis 170 Millionen Euro. Im Falle einer Trennung dürfte das Ergebnis bei 180 bis 190 Millionen liegen.

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SGL Carbon ist in vier Geschäftsbereiche gegliedert. Mit gut der Hälfte des Umsatzes war Graphite Solutions 2023 der größte Bereich. Hier verortet der Vorstand unter anderem seine Halbleiter- und LED-bezogenen Produkte. Der Erlös legte um gut ein Zehntel auf rund 566 Millionen Euro zu. Die beiden kleineren Sparten sind Process Technology rund um den Bau von Großanlagen für Industrieanwendungen und Composite Solutions, wo SGL Carbon Leichtgewichtmaterialien herstellt. Sie steigerten die Erlöse ebenfalls.

Das Sorgenkind - die Sparte rund um Kohlefasern - musste dagegen Federn lassen. Hier fiel der Umsatz wegen des Nachfrageeinbruchs auf dem Windenergiemarkt um mehr als ein Drittel auf 225 Millionen Euro. Als Folge seien Produktionslinien teilweise stillgelegt werden, was zu hohen Leerkosten führte, hieß es. Das um Einmaleinflüsse bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) rutschte noch deutlicher von 36 Millionen Euro im Jahr zuvor in dem Bereich auf 7,2 Millionen. Für das nach Erlös zweitgrößte Segment prüft der Vorstand um Noch-Konzernchef Torsten Derr seit Februar die strategischen Optionen, auch einen möglichen Verkauf als Ganzes oder in Teilen.

Das abgeschlossene Jahr hatte SGL Carbon selbst als Stabilisierungs- und Investitionsjahr gesehen. 2023 ging der Umsatz verglichen mit dem Vorjahr um gut 4 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro zurück. Wegen anhaltend schwacher Geschäfte mit der Windindustrie fiel das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) um 2,5 Prozent auf 168,4 Millionen Euro. Mit den Kennziffern schnitt SGL Carbon in etwa ab, wie von Analysten im Durchschnitt erwartet.

Analyst Henrik Paganetty vom Investmenthaus Jefferies hob positiv hervor, dass SGL Carbon trotz der Schwäche bei den Kohlefasern es geschafft habe, profitabler zu werden. Die verbesserte Marge sei ein Indiz dafür, dass die restlichen Geschäftsfelder sich stark entwickelten.

Der Nettogewinn brach dagegen von 126,9 Millionen im Jahr zuvor auf nun 41 Millionen Euro ein. Der SGL-Carbon-Vorstand begründete dies unter anderem mit einer Wertminderung im Kohlefaserbereich. Zudem sei der Steuerertrag im Vergleich zum Vorjahr wegen "Bewertungsanpassungen" kleiner ausgefallen.

Am Vortag hatte der amtierende Konzernchef Torsten Derr den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er seinen Vertrag nicht verlängern möchte. Er führt die Geschäfte damit maximal bis zum 31. Mai 2025. Der Aufsichtsrat sucht einen Nachfolger.

Die Aktien zogen nach dem Tagestief von 5,955 Euro zogen die Papiere des Kohlefaserspezialisten bis zum Mittag um rund 13 Prozent auf 6,755 Euro an. Damit liegen sie knapp unter dem Jahreshoch in Sichtweite der exponentiellen 200-Tage-Linie.

Entscheidend werde 2024 die Nachfrage aus der Halbleiterbranche, so Analyst Henrik Paganetty von Jefferies in seinem Kommentar zu den Zahlen. Denn die Nachfrage aus der Windenergiebranche werde gering bleiben. Dies sei auch der Grund für den zurückhaltenden Ausblick mit Umsätzen auf Vorjahresniveau.

Das Niveau vom Mittag konnten die Papiere nicht ganz halten. Kurz vor Handelsende legten sie knapp fünf Prozent auf 6,50 Euro zu - im Vergleich zum Tagestief aus den ersten Handelsminuten immerhin noch ein Anstieg um rund neun Prozent.