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ROUNDUP 2: Maas sieht Beschaffung von russischem Impfstoff skeptisch

·Lesedauer: 3 Min.

(neu: Reaktion Grüne)

BELGRAD (dpa-AFX) - Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich skeptisch zu einer Beschaffung von russischem Corona-Impfstoff im großen Stil geäußert. Im Moment scheine "die mediale Aufmerksamkeit für die 30 Millionen Impfdosen aus Russland - wenn sie denn kommen - ein bisschen hoch" zu sein, sagte der SPD-Politiker am Freitag bei einem Besuch der serbischen Hauptstadt Belgrad. Außerdem müsse der russische Impfstoff Sputnik V zunächst einmal in der EU zugelassen werden.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic reagierte Maas auf einen Vorstoß des sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Dieser hatte am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem russischen Gesundheitsminister Michail Muraschko gesagt, dass Deutschland 30 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V erwerben wolle, vorausgesetzt, dass ihm die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung erteile.

Maas zeigte sich in Belgrad davon wenig beeindruckt. Die Zahl der Dosen stehe "nicht ganz in der Relation (...) zu dem, was wir bereits in Deutschland produzieren". Er wies darauf hin, dass im Biontech <US09075V1026>-Werk in Marburg künftig 60 Millionen Impfdosen im Monat produziert werden sollten. Der Minister erwähnte zudem Lieferschwierigkeiten bei früheren Impfstoff-Beschaffungen. "Wir wissen ja, dass unabhängig vom Hersteller die Belieferung von Impfdosen nicht immer dem entsprochen hat, was vorher angekündigt worden ist", sagte er.

Kritik an Kretschmers Ankündigung des Impfstoff-Deals mit Russland kam auch von den Grünen. Dies sei "nicht einfach nur naiv", sagte der Grünen-Politiker Omid Nouripour. "Kretschmer verspielt sich damit auf der Werbetrommel des Kremls."

Im EU-Kandidatenland Serbien wird Sputnik V seit der Jahreswende verabreicht, zusammen mit den "westlichen" Vakzinen von Biontech-Pfizer <US7170811035> und Astrazeneca <GB0009895292> sowie dem chinesischen Sinopharm. Das Balkanland ist dabei erfolgreich. Bislang erhielten 27 Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung, 18 Prozent sind vollständig geimpft. Zum Vergleich: In Deutschland haben erst 22 Prozent die erste und nur 7 Prozent die zweite Impfung bekommen.

In Serbien mit seinen knapp sieben Millionen Einwohnern sind die Zahlen der Ansteckung mit dem Coronavirus inzwischen rückläufig. Auch die Belegung der Krankenhäusern und Intensivstationen geht zurück.

Wie Vucic auf der Pressekonferenz ausführte, ist Sinopharm vor dem Mittel von Biontech-Pfizer der am meisten eingesetzte Impfstoff in seinem Land. Die Hersteller beider Produkte würden die vereinbarten Liefertermine genau einhalten. "Von den anderen kann man das nicht immer behaupten, aber ich will das nicht weiter kommentieren", fügte er hinzu.

Maas absolvierte eine zweitägige Reise auf dem Balkan. In Pristina hatte er am Donnerstag mit der neuen Staatsführung des Kosovos gesprochen, die aus der Parlamentswahl im Februar hervorgegangen war. In den Gesprächen mit Präsidentin Vjosa Osmani und Ministerpräsident Albin Kurti erörterte er ebenso wie mit Vucic in Belgrad den derzeit feststeckenden Dialog, der zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen Serbien und seiner einstigen Südprovinz führen soll.

Das überwiegend von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 nach einer Nato-Intervention von Serbien losgelöst und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat dies bis heute nicht anerkannt und erhebt weiterhin Anspruch auf das Territorium des Staates, der von Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern, nicht aber beispielsweise von Spanien, Griechenland, Russland oder China anerkannt wird.

In Belgrad erklärte Maas, dass es nun an der Zeit sei, den Dialog auf der Grundlage des bisher Erreichten zu Ende zu führen. Am Ende zählten die Resultate. "Wir sind zu einer Fortsetzung des Dialogs bereit und gehen konstruktiv daran heran", sagte Vucic. Nächste Woche reisen Vucic und Kurti nach Brüssel, um am Sitz der EU die Modalitäten neuer Gespräche zu sondieren. Ein Treffen der beiden Politiker ist nicht geplant.