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ROUNDUP 2: Kritik an Chinas Einreisebedingungen - Firmen bangen um Geschäfte

·Lesedauer: 4 Min.

(neu: BDI im achten Absatz)

FRANKFURT/PEKING (dpa-AFX) - Unzureichende Visavergabe, kurzfristige Änderungen von Vorschriften oder Quarantänehotels ohne Fenster: Deutsche Unternehmen beklagen massive und teils geschäftsschädigende Probleme bei der Einreise nach China in der Corona-Pandemie. Das Land habe seine Bedingungen seit Jahresbeginn so verschärft, dass es kaum noch möglich sei, Mitarbeiter für Installation, Reparatur oder Wartung zu annehmbaren Bedingungen zu den Kunden in das Land zu schicken, kritisierte der Maschinenbauverband VDMA am Mittwoch.

Die Liste der Klagen deutscher Firmen ist nach jüngsten Umfragen der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) lang: Es sei schwierig, Geschäftsbeziehungen zu pflegen. Auch könne nicht an Messen teilgenommen werden. Wichtige Geschäftsverhandlungen kämen nicht voran. Der Aufbau und die Inbetriebnahme von Maschinen und Produktionsstätten in China seien beeinträchtigt. Es gebe Umsatzausfälle. Die Wartung von Maschinen leide. Investitionsprojekte könnten nicht verwirklicht werden.

Der Firma Erbatech GmbH droht nach eigenen Angaben ein beträchtlicher wirtschaftlicher Schaden, wenn ihre Maschinen für die Nassveredelung von Stoffen nicht oder verzögert beim Kunden aufgebaut und in Betrieb genommen werden können. "Die Aufträge können nicht ordnungsgemäß abgeschlossen werden, Schlusszahlungen bleiben offen." Christof Boensch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Frimo Group GmbH, beklagte: "Chinesische Wettbewerber nutzen die "Abriegelung" Chinas, um in unsere Märkte weiter einzudringen, und nutzen die Nicht-Verfügbarkeit der deutschen Experten als Verkaufsargument."

Grundsätzlich gilt eine zweiwöchige Quarantäne nach Einreise in das Land. Reisen die Mitarbeiter danach in eine andere Region, kann laut VDMA eine weitere Quarantäne von ein bis zwei Wochen drohen. Dadurch sei ein Flickenteppich entstanden, der von den Unternehmen kaum noch zu durchblicken sei. "Teilweise stehen die Bedingungen unmittelbar vor dem Abflug aus Deutschland noch nicht definitiv fest", berichtete Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft.

Ein weiteres Problem: "Die Unterbringung in den Quarantänehotels ist gemessen an europäischen Standards häufig unzumutbar", sagte Ackermann. Firmen hätten unter anderem von sehr kleinen Hotelzimmern, teilweise ohne Fenster und ausreichende Belüftung, berichtet, von fehlendem Wäschewechsel, sowie mangelhaften Hygienebedingungen, unter denen auch Corona-Tests durchgeführt worden seien.

"Ausländische Reisende müssen in China eine Unterbringung erhalten, die zumindest die Grundanforderungen an Hygienestandards erfüllt. Bei der großen Anzahl hervorragender Hotels vor Ort dürfte dies eigentlich kein Problem sein", forderte Ackermann. Der VDMA hat sich wegen des Problems an den chinesischen Botschafter in Berlin gewandt.

Dem Verband zufolge sind geschätzt 1000 deutsche Maschinenbauer in China aktiv. Besonders hart trifft es mittelständische Firmen. "Viele Mittelständler haben nicht alle benötigten Spezialisten in China, sondern entsenden diese je nach Bedarf aus dem Mutterhaus", erläuterte Ackermann. "Wir fordern die chinesische Regierung deshalb auf, pragmatische Lösungen anzubieten, die es ausländischen Fachkräften mit negativem Corona-Test oder auch überstandener Corona-Erkrankung ermöglichen, unmittelbar zu ihren Kunden weiterzureisen."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte, die Einreisebedingungen behinderten die geschäftlichen Aktivitäten deutscher Anbieter vor Ort massiv und "begünstigen teilweise chinesische Wettbewerber". Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, forderte pragmatische Ausnahmeregelungen für Geschäftsreisen, wie sie in anderen Ländern wie in den USA oder in Indien bestünden. "China sollte die Bestimmungen dringend auf ein vernünftiges Maß zurückführen und landesweit einheitlich umsetzen."

Diplomaten kritisieren, dass neue Visa immer noch kaum erteilt werden. Ein Drittel der in China tätigen deutschen Firmen hat nach neueren Umfragen ihre deutschen Mitarbeiter reduziert, wobei die Einreisebeschränkungen ein wesentlicher Faktor waren.

In jüngsten Umfragen der AHK beschrieben deutsche Unternehmen die Einreisebeschränkungen, unzureichende Visavergabe und zwangsweise Quarantäne von mindestens zwei Wochen als große Probleme. "Seither hat sich auch nichts verändert", verlautete am Mittwoch aus Branchenkreisen.

Die ersten Infektionen mit dem Coronavirus waren im Dezember 2019 in Zentralchina entdeckt worden. Nach einer als anfänglich unzureichend kritisierten Reaktion haben die Behörden seit Ende Januar 2020 hart durchgegriffen. Seit Sommer sind nur noch vereinzelte Ausbrüche aufgetreten, auf die sofort mit strikten Maßnahmen reagiert wird. Seither haben sich das Leben und die Wirtschaftstätigkeit in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, die der größte Handelspartner Deutschlands ist, weitgehend normalisiert.

Experten gehen davon aus, dass Chinas Beschränkungen für internationale Reisen frühestens im Frühjahr 2022 vielleicht etwas gelockert werden könnten, wenn die Impfungen im Land und weltweit weit fortgeschritten sind.