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ROUNDUP 2: Hedgefonds-Ausfall bedroht Credit Suisse und andere Banken

·Lesedauer: 3 Min.

(neu: Deutsche Bank, Kursreaktionen, Analystenstimmen)

NEW YORK/ZÜRICH/TOKIO/FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein Zahlungsausfall beim US-Hedgefonds Archegos Capital droht mehrere Großbanken laut Insidern teuer zu stehen zu kommen. Die Credit Suisse <CH0012138530> warnte am Montag vor möglicherweise hohen Verlusten, nachdem ein bedeutender Hedgefonds mit Sitz in den USA in der vergangenen Woche Nachschussforderungen der schweizerischen Bank nicht nachgekommen sei. Die Credit Suisse und andere Institute zögen sich nun aus ihren Positionen zurück. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX ist auch die Deutsche Bank <DE0005140008> bei Archegos engagiert, aber nicht so stark wie andere Geldhäuser. Dennoch geriet ihre Aktie an der Börse mit in den Abwärtsstrudel.

So verlor das Deutsche-Bank-Papier am Vormittag rund fünf Prozent an Wert und war damit größter Verlierer im Dax <DE0008469008>. Die Credit-Suisse-Aktie sackte in Zürich sogar um rund 13 Prozent nach unten und damit ans Ende des schweizerischen Leitindex SMI <CH0009980894>.

Die betroffenen Banken nennen den Namen ihres säumigen Kunden zwar nicht. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagenturen dpa-AFX und Bloomberg sowie anderer Medien beziehen sie sich aber allesamt auf den Hedgefonds Archegos Capital.

Dabei dürfte der Zahlungsausfall des Fonds die Deutsche Bank <DE0005140008> einem Insider zufolge nicht so viel Geld kosten wie etwa ihre schweizerische Rivalin Credit Suisse <CH0012138530>. Im Vergleich zu anderen Banken sei das Frankfurter Geldhaus bei Archegos nur mit einem Bruchteil der Summen engagiert, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX von einer mit der Sache vertrauten Person. Bisher habe sie auch noch keine Verluste verbucht. Ein Sprecher des Dax-Konzerns lehnte eine Stellungnahme ab, ebenso wie die größte Schweizer Bank UBS <CH0244767585>.

Bloomberg zufolge musste Archegos am Freitag wegen Nachschussforderungen Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar (17 Mrd Euro) verkaufen. Das "Wall Street Journal" berichtete gar von 30 Milliarden Dollar an Verkäufen. So war es am Freitag bei den Aktien von ViacomCBS <US92556H2067> zu einem Kurseinbruch von 27 Prozent gekommen. Auch andere Aktien wie Discovery <US25470F1049> standen stark unter Druck.

Der japanische Finanzkonzern Nomura warnte vor einem möglicherweise signifikanten Verlust bei einem US-Kunden. Die Forderung belaufe sich auf etwa zwei Milliarden Dollar. Genauer wollte sich Nomura nicht äußern.

Unterdessen erwarte die US-Bank Goldman Sachs <US38141G1040> durch den Ausstieg aus den Geschäften mit Archegos voraussichtlich keine hohe Belastungen, wie Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person berichtet. Die Kredite der Bank an den Hedgefonds seien vollständig abgesichert, und Goldman sei bereits aus dem Großteil ihrer Positionen ausgestiegen. Ein Sprecher der US-Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Für die Credit Suisse droht der Hedgefonds bereits der zweite teure Ausfall im ersten Quartal zu werden. Die Bank ist bereits von der Insolvenz des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill betroffen, in deren Zuge in Deutschland die Bremer Greensill Bank in die Pleite geschlittert ist.

Nach Angaben der Credit Suisse ist es noch zu früh, den Verlust aus den Problemen mit dem US-Hedgefonds zu beziffern. Er könne aber "sehr bedeutend und wesentlich" für das Ergebnis des ersten Quartals sein. Dies gelte ungeachtet der positiven Trends, die die Bank Anfang dieses Monats angekündigt habe. Die Credit Suisse wolle zu gegebener Zeit neue Informationen zu dieser Angelegenheit veröffentlichen.

Analysten werteten die Ereignisse negativ. Man sei fast geneigt, den alten Spruch zu zitieren, dass die Bank erst kein Glück gehabt habe und dann auch noch Pech dazugekommen sei, schrieb die Zürcher Kantonalbank am Morgen. Die US-Investmentbank Bank of America (BofA) senkte ihre Schätzung für den Jahresgewinn der Credit Suisse wegen drohenden Belastungen aus den vergangenen Wochen um eine halbe Milliarde Schweizer Franken (451 Mio Euro) und sieht auch den Umfang des geplanten Aktienrückkaufs in Gefahr. Zudem dürfte Credit Suisse eine Phase der Selbstüberprüfung vor sich haben, schätzt die BofA.