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Rolls-Royce kappt Triebwerksproduktion wegen Corona-Krise kräftig

LONDON (dpa-AFX) - Der Einbruch des Luftverkehrs in der Corona-Krise zwingt den britischen Triebwerksbauer Rolls-Royce <GB00B63H8491> zu einer harten Kürzung der Produktion. Im laufenden Jahr werde der MTU-Konkurrent voraussichtlich nur 250 statt 450 Triebwerke an seine Kunden ausliefern und damit 44 Prozent weniger als bisher geplant, teilte Rolls-Royce am Donnerstag vor seiner Hauptversammlung in London mit. Konzernchef Warren East will jetzt noch stärker an der Kostenschraube drehen und statt 750 Millionen britischen Pfund in diesem Jahr rund eine Milliarde Pfund (1,15 Mrd Euro) einsparen. Für die Rolls-Royce-Aktie ging es an der Londoner Börse am Morgen um mehr als fünf Prozent bergab. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit fast 60 Prozent an Wert verloren.

"Wir müssen schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen, um sicherzustellen, dass der Konzern aus dieser Phase mit einer angemessenen Kostenbasis herauskommt", sagte East. Man müsse sich auf einen kleineren Luftfahrtmarkt einstellen, der sich möglicherweise erst in einigen Jahren erhole. Insidern zufolge erwägt Rolls-Royce den Abbau von bis zu 15 Prozent seiner Arbeitsplätze, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg jüngst berichtete. Das entspräche etwa bis zu 8000 Stellen.

Der Einbruch des weltweiten Luftverkehrs und die Notlage vieler Airlines droht den Konzern noch stärker zu treffen als andere Triebwerkshersteller wie General Electric <US3696041033>, Safran <FR0000073272>, Pratt & Whitney und die deutsche MTU <DE000A0D9PT0>. Denn im Gegensatz zu den Rivalen hat sich Rolls-Royce aus dem Triebwerksbau mit Kurz- und Mittelstreckenjets zurückgezogen und sich auf Antriebe für Großraumflugzeuge von Boeing <US0970231058> und Airbus <NL0000235190> verlegt, die auf Langstreckenverbindungen von Kontinent zu Kontinent zum Einsatz kommen.

Viele Airline-Manager und die großen Flugzeughersteller Boeing und Airbus erwarten, dass sich das Geschäft mit Fernflügen als Letztes von der Krise erholt. Auch sie haben ihre Produktionspläne infolge der Krise gekappt - und zwar besonders stark bei den Großraumjets, deren Antriebe oft von Rolls-Royce stammen. Eine Erholung des Passagierverkehrs dürfte mit Kurz- und Mittelstreckenflügen starten und sich über mehrere Jahre hinziehen, schätzen Experten. Im April brachen die Flugzeugstunden von Flugzeugen mit Rolls-Royce-Triebwerken weltweit um 90 Prozent ein. Dadurch müssen die Antriebe auch weniger gewartet werden, wodurch dem Hersteller weiteres Geschäft wegbricht.