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„Ritter-Sport-Kreation mit Kakaozucker ist Schokolade“

Husmann, Nele
·Lesedauer: 3 Min.

Die Schokolade von Ritter Sport ist doch Schokolade, stellt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner richtig. Damit enttarnt sie eine vermeintlich geniale PR-Strategie.

Auf der Suche nach Schlagzeilen interpretierte Ritter-Sport die Gesetzeslage womöglich strenger als selbst die deutschen Behörden. In den letzten Tagen erzeugt der Schokoladenhersteller einen medialen Wirbelsturm mit der PR-Nachricht, ihre neue „Schokolade“ mit Zucker aus Kakaosaft dürfe sie als solche nicht bezeichnen, weil sie zu wenig Zucker enthalte.

Doch der Schokoladenhersteller lieferte Fake News. Bundesministerin für Lebensmittel und Verbraucher, Julia Klöckner, sagte im Gespräch mit der WirtschaftsWoche, Ritter Sport dürfe ihre neue Kreation sehr wohl Schokolade nennen: „Die Kakaoverordnung begrenzt die Verwendung zuckerhaltiger Zutaten nicht auf bestimmte Zuckerarten. Deshalb müsste ein Produkt, das natürlichen Kakaosaft verwendet, nach Einschätzung unseres Ministeriums auch unter der Bezeichnung Schokolade verkauft werden dürfen.“

Ritter Sport hatte die öffentliche Aufmerksamkeit zum Lebensmittelrecht, die schon der Limonadenhersteller Lemonaid und der Snackriegel-Hersteller Nu Company mit Anzeigenkampagnen erzeugten, für die Vermarktung ihrer neuen Tafel genutzt.

Lemonaids Aktion gingen bis zur Aufstellung einer Statue aus Zucker vor Klöckners Ministerium in Berlin, weil die Richtlinie, die einen Mindestgrenze für Zucker in Limonade definiert, nicht mit Klöckners Ziel der Zuckerreduktion übereinstimme. Nu Company, die vegane Schokoriegel herstellen, monierte, dass in Milchschokolade auch echte Milch vorkommen muss.

„Wir legen uns doch nicht mit Frau Klöckner an“, sagt Petra Fix aus der Ritter-Sport-Pressestelle. „Grundsätzlich aber sind wir derselben Meinung wie die Start-ups. Unsere Kakaofruchttafel enthält ja nicht genug „Zucker“ als dass sie als Schokolade bezeichnet werden darf.“

Legale Überlegungen von Ritter Sport ergaben ihre Selbst-Einschätzung, ihre Schokolade sei keine: „Die von uns eingesetzte Süße aus dem Kakaosaft entspricht keiner Zuckerart gemäß der Zuckerarten-Verordnung, da nicht genug Süßkraft“, so Fix. Damit gäbe es ein Problem mit der Kakaoverordnung, weil die festlege, dass in Schokolade neben Kakao auch eine Zuckerart enthalten sein müsse.

In der Lemonaid-Frage erwartet Klöckner am Ende der Woche eine positive Entscheidung für das Start-Up, nachdem die Lebensmittelbuch-Kommission im Dezember zunächst an der Limonadendefinition festhalten wollte. „Eine erste Entscheidung fällt voraussichtlich Ende dieser Woche. Und die geht dann in die Anhörung. Hier besteht dann für alle die Möglichkeit, Stellung zu nehmen.“

Grundsätzlich hält Klöckner an der Lebensmittelbuch-Kommission fest. Die steht in der Kritik, weil sie neue Produkte an denen misst, die bereits im Supermarkt-Regal stehen. Attraktive Namen sind belegt von wenig gesunden Produkten. Wer weniger Zucker in die Marmelade tut, muss das Fruchtaufstrich nennen. Fleisch-Alternativen heißen „veganer Aufschnitt nach Salami-Art“: „Es ist ein schneller Reflex, das als konservativ abzustempeln. Es geht ja vor allem auch darum, das Verwirren oder Täuschen von Verbrauchern zu verhindern“, sagt Klöckner. Die erwarteten bestimmte Zutaten in einem Produkt: „Einiges muss sicher an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Aber es gibt gute Gründe, warum es solche Vorgaben gibt und warum alle Marktbeteiligten in einer unabhängigen Kommission zu Wort kommen. Der Staat wird nicht die Rezepturen vorgeben. Davon halte ich nichts.“

Mehr zum Thema: Das gesamte Interview mit Ernährungsministerin Julia Klöckner lesen Sie hier.