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Rezession statt Inflation: Was daran gut wäre

Achterbahnfahrt
Achterbahnfahrt

Es herrscht aktuell riesige Unsicherheit, wie es weitergeht. Geopolitk, Weltwirtschaft und Börsen sind ein einziges Chaos. Ökonomen haben größte Schwierigkeiten, den Weg nach vorn aufzuzeigen. Doch immer mehr von ihnen sehen eine zunehmende Wahrscheinlichkeit für einen Wirtschaftsabschwung. Was sich schlimm anhört, wäre vielleicht gar nicht so schlecht.

Hier sind drei Gründe, warum uns eine kleine Rezession guttäte und wie Anleger davon profitieren könnten.

Grund 1: Eine anhaltende Inflation wäre schlimmer

Die Ölpreise schwanken im Moment um die Marke von 100 US-Dollar. Einige Analysten, die die aktuellen Angebots- und Nachfragemuster studieren, kommen zum Schluss, dass er in den nächsten Monaten massiv steigen wird. Andere, die mit einer Rezession rechnen, denken, dass die Nachfrage stark zurückgehen wird, und mit ihr der Ölpreis.

Beides erscheint plausibel. Ein Blick auf die Terminmärkte zeigt uns, dass die Händler dem Rezessionsszenario eine deutlich größere Wahrscheinlichkeit beimessen. Wer jetzt Öl der Sorte Brent für Juni 2023 bestellt, muss dafür lediglich 86 US-Dollar bezahlen.

Eine Rezession würde folglich die zuletzt galoppierende Inflation zähmen. Zurückgehende Energiepreise würden sich über reduzierte Kosten etwa für Frachttransport, Düngemittel und die Produktion der Schwerindustrie durch die gesamte Wirtschaft ziehen.

Die Zentralbanken könnten dann die Zinsen tief halten, was die Refinanzierung von hochverschuldeten Staaten, Unternehmen und Privatpersonen erleichtert. Gleichzeitig sorgen stabile Preise dafür, dass nach der Deckung des Grundbedarfs noch mehr Geld für Extras übrigbleibt.

Eine weiter eskalierende Inflation hingegen würde uns strangulieren, mit teuren Importen und steigenden Kreditzinsen. Und am Ende würde es wahrscheinlich ebenfalls auf eine Rezession hinauslaufen — nur schlimmer, weil der volkswirtschaftliche Mittelabfluss uns schwächt.

Grund 2: Ressourcen könnten neu ausgerichtet werden

Gut wäre eine kleine Rezession auch, um eine Reihe von Aspekten wieder besser ins Gleichgewicht zu bringen. Das Hauen und Stechen um Rohstoffe wie Lithium oder Zuliefererprodukte wie Halbleiter-Chips hätte ein Ende.

Auch auf den Arbeits- und Wohnungsmärkten könnte eine Verschnaufpause der Wirtschaft für positive Effekte sorgen. Hochintelligente junge Leute verdingen sich heute als Hedgefondsmanager, Influencer, Schönheitschirurgen oder Programmierer der 500sten Blockchain – und in der realen Welt fehlen die Landärzte, Elektrotechniker, Baumeister und Gestalter der digitalen Transformation.

Daneben hat die Spekulation mit Grundstücken und Immobilien in den letzten Jahren die Preise immer weiter steigen lassen. Wenn hier eine Trendwende einsetzen sollte, dann würden Nachfrager endlich leichter an bezahlbaren Wohnraum kommen. Handwerker wären wieder besser verfügbar.

Und wenn es im Getriebe der Privatwirtschaft knirscht, dann bekommt der Staat die Gelegenheit, wieder günstiger Ressourcen einzukaufen. Das spart Steuermittel und kann zur Beschleunigung von wichtigen Programmen genutzt werden.

Grund 3: Ein Beitrag für die Umwelt und gegen den Krieg

So könnte der Staat zum Beispiel massive Investitionsprogramme anstoßen, um eine Rezession abzumildern. Es gibt so unendlich viel zu tun. Wasserstoffwirtschaft, erneuerbare Energien, Wassermanagement, robustere lokale Produktionsstrukturen, Schienenverkehr, Schulen, Gesundheitswesen, Modernisierung der Behörden und, und, und. Hinter jedem dieser Stichwörter könnte ein zwei- oder sogar dreistelliger Milliardenbetrag stehen.

Mit geeigneten Maßnahmen könnte es gelingen, den Weg zur CO2-Neutralität zu beschleunigen und skalierbaren Lösungen der Kreislaufwirtschaft zum weltweiten Durchbruch zu verhelfen.

Eine kleine Rezession würde auch bedeuten, dass die geplante Aufrüstung der Bundeswehr weniger kosten würde. Russland auf der anderen Seite würde kurzfristig weniger für seine Rohstoffe erlösen. Und wenn wir die Zeit gut nutzen, um unsere Eigenversorgung zu verbessern, werden wir auch dann weniger abhängig sein, wenn die Wirtschaft wieder anzieht.

Wie man sich für eine Rezession wappnet

Insgesamt könnte eine Rezession also eine gute Sache sein. Natürlich darf sie nicht zu scharf ausfallen, denn sonst würde es ans Eingemachte gehen. Kämen wachsende Zweifel an der Werthaltigkeit von Euro und Dollar auf, dann stiegen die Zinsen trotz Rezession weiter und eine massive Geldentwertung droht. Glücklich, wer dann etwas Landwirtschaft besitzt …

Bei einer wahrscheinlicheren milden Rezession mit rückläufiger Inflation und wieder sinkenden Zinsen würden hingegen wahrscheinlich europäische Unternehmensanleihen mit guter Bonität schöne Renditen abwerfen.

Bei stark verschuldeten Unternehmen, deren Aktien zuletzt wegen der steigenden Zinsen abgestraft wurden, könnte sich der Effekt umdrehen. Aber das funktioniert nur, wenn sie nicht wegen der sinkenden Nachfrage und schwächeren Margen in die Verlustzone abrutschen. Hier sollte man genau hinsehen, wie robust die Umsatzbasis ist.

Aktien von Konsum- und Handelsunternehmen im unteren Preissegment würden hingegen tendenziell in diesem Szenario profitieren. Und natürlich Unternehmen, die im großen Stil an staatlichen Investitionsprogrammen partizipieren. Jede Marktlage birgt Chancen.

Der Artikel Rezession statt Inflation: Was daran gut wäre ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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