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Rezession in Eurozone verschärft sich

Brüssel/Frankfurt/Berlin (dapd). Die Eurozone sackt laut EU-Kommission immer tiefer in die Rezession, was zunehmend in Deutschland spürbar wird. Die EU-Experten senkten in ihrer am Mittwoch in Brüssel vorgestellten Herbstprognose die Erwartung für 2012 von minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent. Für das kommende Jahr senkten sie den Ausblick von plus 1,0 Prozent Wachstum auf nur noch 0,1 Prozent nach unten. Die Arbeitslosigkeit dürfte "auf sehr hohem Stand verharren".

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi sagte in Frankfurt, bisher sei Deutschland zwar vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. "Die neuesten Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben." Das sei kein Wunder, schließlich mache der Handel mit den Europartnern rund 40 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus.

Dazu passend erklärten die fünf Wirtschaftsweisen in Berlin, der Tiefpunkt werde voraussichtlich im vierten Quartal 2012 erreicht. Die deutsche Wirtschaftsleistung werde stagnieren und im neuen Jahr wieder leicht wachsen. Das Wachstum werde 2012 und 2013 nur real 0,8 Prozent betragen. Die Wirtschaftsweisen bemängelten zudem die Beschlüsse der schwarz-gelben Koalition vom Wochenende: "In die falsche Richtung gehen strukturelle Mehrausgaben, wie etwa das Betreuungsgeld, die Zuschussrente oder die Abschaffung der Praxisgebühr."

In Brüssel sagte Wirtschaftskommissar Olli Rehn: "Europa durchläuft eine schwierige Phase, ...die noch eine Weile andauern wird. Unsere Projektionen deuten darauf hin, dass sich die Wachstumsaussichten für Europa ab Anfang nächsten Jahres allmählich aufhellen werden." Im Mai hatte die Kommission noch auf eine Rückkehr des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte 2012 gesetzt. Wegen des Sparkurses wird nun auch im kommenden Jahr kaum mit einer Erholung gerechnet, erst 2014 könnte die Binnennachfrage anziehen.

Die Lage in Griechenland verschlechterte sich dramatisch. Die Wirtschaft bricht laut Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr um sechs Prozent ein, statt um 4,7 Prozent, wie noch im Frühjahr berechnet. Für kommendes Jahr wird noch mit einem Minus von 4,2 Prozent gerechnet, statt mit einer Rückkehr zum Nullwachstum wie noch in der Mai-Prognose. Weil die Wirtschaft abschmiert, wird der Schuldenstand immer höher: Er wächst in diesem Jahr auf 176,7 Prozent der Wirtschaftskraft.

dapd