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Das sagen Aktionäre zu Milliarden-Fondsverlusten der Allianz

(Bloomberg) -- Eine Fondstochter der Allianz SE hat sich im Zusammenhang mit dem Kollaps der Structured-Alpha-Hedgefonds in den USA des Betrugs für schuldig bekannt, wie am Dienstag bekannt geworden ist. Der Konzern zahlt im Rahmen einer Einigung mit US-Behörden und Anlegern fast 6 Milliarden Dollar an Schadensersatz und Geldbußen. Einige Geschäfte in den USA werden aufgegeben. Hier sind erste Einschätzungen von Aktionären der Allianz:

  • „Die Allianz ist mit einem blauen Auge davongekommen”, erklärte Senior Portfoliomanager Steffen Weyl von Union Investment auf Nachfrage von Bloomberg. “Die schnelle Einigung mit den US-Behörden ist ein Erfolg. Die Höhe der Strafzahlungen ist empfindlich, aber verkraftbar. Dividende und Aktienrückkäufe sind weiter gesichert, denn auch nach den Strafzahlungen übertrifft die Allianz die selbst gesteckten Solvenzziele. Die Aktionäre können aufatmen“

  • “Es ist ein herber Rückschlag in Nordamerika und eine strukturelle Schwächung der Allianz”, urteilte hingegen Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, in einem Gespräch mit Bloomberg. Es handele sich um einen Riesen-Reputationsschaden für das Unternehmen. “Es stellt sich die Frage, ob die Allianz in der Vergangenheit zu wenig über operative Risiken nachgedacht und die Leine zu locker gehalten hat”

  • “In meiner Brust schlagen bei diesem Thema zwei Herzen”, sagte Daniela Bergdolt, Vize-Präsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. “Auf der einen Seite bin ich froh über die schnelle Einigung und darüber, dass das Thema jetzt abgehakt ist. Auf der anderen Seite bin ich erschrocken, dass die Allianz so lange offenbar nichts von den Vorgängen bemerkt hat. Ich will jetzt sehen, welche Konsequenzen die Allianz daraus zieht.”

  • “Es ist gut, dass das Thema anscheinend für die Allianz aus der Welt ist”, so Hendrik Schmidt, Senior Investment Stewardship Specialist bei der DWS, gegenüber Bloomberg. “Es stellt sich natürlich schon die Frage nach der Risikoüberwachung innerhalb des Allianz-Konzerns. Hätten die Schwachstellen bei AGI US nicht schon viel früher identifiziert werden müssen?” Nachdem die AGI für die nächsten zehn Jahre in den USA weitestgehend keine eigenen Geschäfte mehr machen dürfe, müsse die Allianz prüfen, welche Auswirkungen das auf die Wachstumsziele des Konzerns habe, bei denen AGI durchaus eine Rolle spiele. “Es stellt sich auch die Frage, ob finanziell wirklich nichts mehr nachkommt oder die Verfahren gegebenenfalls weitere Verbindlichkeiten nach sich ziehen.”

Deka und Union Investment kamen Anfang des Monats auf eine Beteiligung von jeweils zwischen 1% und 2% an der Allianz. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vertritt Kleinaktionäre.

(Neu: DWS im vierten Aufzählungspunkt)

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