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Renten am Morgen: Virussorgen treiben Bondrenditen nach Süden

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Im Verlauf des Bondhandels am Dienstag haben die Staatsanleihen aus dem Euroraum ihre Kursgewinne sukzessive ausgebaut. Das Risikosentiment erwies sich einmal mehr als wesentlicher Treiber für die Renditen. Sowohl Kern- als auch Peripherieländer verzeichneten Renditerückgänge am langen Ende der Kurve um drei Basispunkte.

Dass die Peripherie zulegen konnte, dürften neben der anhaltenden Suche nach Rendite auch auf die enttäuschenden Preisdaten aus Spanien und Deutschland zurückzuführen sein. Die Rechtfertigung für zusätzlichen geldpolitischen Stimulus ist vorhanden, auch wenn die Preisdaten von dem einen oder anderen Sondereinfluss wie beispielsweise der deutschen Mehrwertsteuersenkung oder niedrigen Energiepreisen nach unten gedrückt werden. Zusätzlicher geldpolitischer Stimulus käme vor allen den Ländern zugute, die noch positive Renditen aufweisen.

Es gibt jedoch derzeit einen Wermutstropfen. Es drohen Verzögerungen bei der Umsetzung des EU-Haushalts und damit dem Rettungsfonds, weil die Diskussion über die Verknüpfung der Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien mit Zahlungen aus dem EU-Haushalt an Fahrt gewinnt. Ob einzelne Länder oder des EU-Parlament den Haushalt und damit den Aufbaufonds daran scheitern lassen würden, ist offen. Ab Donnerstag wird der Europäische Rat Gelegenheit haben, diese Probleme aus dem Weg zu räumen.

Es sieht zurzeit nach Verzögerungen bei der Ratifizierung aus, da die einzelnen Länderparlamente und das EU-Parlament erst abstimmen werden, wenn das endgültige Vertragswerk vorliegt. Bisher sind die Finanzmärkte davon ausgegangen, dass der Aufbaufonds im nächsten Jahr zur Verfügung steht. Sollten die Zweifel an einer rechtzeitigen Bereitstellung wachsen, werden das die bereits heute hoch verschuldeten Länder am meisten spüren. Zumindest kann die Unsicherheit, ob der Aufbaufonds kommt, dazu beitragen, dass die Spreads von Peripherie sowie Semi-Kern zu Kernländern stärker schwanken.

Die erste Fernsehdebatte zwischen US-Präsident Donald Trump und Joe Biden hinterließ tatsächlich ein paar Spuren an den Kapitalmärkten. Im Laufe der Diskussion gaben die US-Aktienfutures etwas nach. Die Renditen der Treasuries sanken. Es sieht also so aus, als ob die Finanzmärkte davon ausgehen, dass die erste Runde an den Herausforderer ging. Besonders umfangreich waren die Reaktionen jedoch nicht. Die Rendite der 10-jährigen T-Notes gab lediglich um rund zwei Basispunkte im frühen Handelsverlauf am Mittwoch - Tageshoch zu Tagestief - nach.

Heute dürften Fragen zur künftigen Strategie der Europäischen Zentralbank auf der EZB-Beobachterkonferenz im Mittelpunkt des Interesses stehen. Zu viel Neues sollte man nach den letzten Auftritten der EZB-Präsidenten Christine Lagarde nicht erwarten. Ihre Aussagen orientierten sich in den vergangenen Tagen sehr stark an dem, was sie bereits auf der Pressekonferenz nach der Tagung des EZB-Rats sagte. Den Abschluss der Konferenz bilden die Äußerungen des Chefvolksirts der EZB Philip Lane. Bahnbrechende Neuigkeiten dürfte es auch von ihm nicht geben. Grundsätzlich werden beide Notenbanker signalisieren, dass die EZB geldpolitisch aktiv wird, sofern es das Umfeld erfordert.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern sollten kaum geändert in den Mittwoch starten. Im Laufe des Tages wird die Änderung der Risikowahrnehmung erneut als wesentlich Richtungsgeber für die Bondrenditen fungieren.

Der Tag mit Bloomberg: US-TV-Duell im Fokus; Futures geben nach

Die Peripherie dürfte von der aktuellen Situation mit der Aussicht auf weiteren geldpolitischen Stimulus profitieren. Solange der Streit um den EU-Haushalt nicht vollends eskaliert, wird es die Basisannahme der Finanzmärkte bleiben, dass der Aufbaufonds umgesetzt wird.

Konjunkturdaten

Die Einkaufsmanagerindizes aus China, die am frühen Morgen veröffentlicht wurden, werfen durchaus Schatten auf die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes. Sie lagen im September erneut über der Marke von 50 Punkten. Sie signalisieren, dass sich die Expansion fortsetzen wird. Doch nur der Dienstleistungsindikator konnte etwas deutlicher zulegen. Wie auch in anderen Regionen der Welt scheint der Aufschwung etwas an Schwung zu verlieren.

Mit Frankreich, Italien und Portugal veröffentlichen weitere Länder vorläufige Werte für die Konsumentenpreisentwicklung im September. Nach den schwachen Werten aus Deutschland und Spanien dürften weitere rückläufige Preisdaten möglicherweise zum Beginn einer Deflationsdebatte beitragen, obwohl sich dafür ein Trend zu sinkenden Preisen erst über mehrere Monate etablieren müsste.

Die europäischen Notenbanker, die sich für eine weitere Lockerung der Geldpolitik stark machen, erhalten trotz Sondereffekte in den Preisdaten allerdings neue Argumente für weitere Maßnahmen.

Sofern die Preisentwicklung tatsächlich wenig erfreulich ausfallen sollte, wird das die Bondkurse tendenziell stützen. Besonders profitieren dürfte die Peripherie, da die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Lockerung der Geldpolitik zunimmt.

Die deutschen Arbeitsmarktdaten dürften zwar langsam Entspannung signalisieren. Die Zahl der Kurzarbeiter bleibt jedoch hoch. Zudem wird sich das Ausmaß der Krise am Arbeitsmarkt erst nach Umsetzung der zahlreichen Personalabbaumaßnahmen in den kommenden Monaten, vielleicht auch erst im kommenden Jahr, zeigen. Bondmärkte werden jedenfalls nicht reagieren.

Während die aktualisierten Wachstumsdaten aus den USA für das zweite Quartal keine Bedeutung für die Finanzmärkte haben werden, wird der ADP-Bericht genau analysiert werden. Die wöchentlichen Arbeitsmarktinformationen deuten auf eine Verlangsamung des Aufbaus neuer Arbeitsplätze hin. Das sollte sich im ADP-Report widerspiegeln.

Unerfreuliche Arbeitsmarktdaten dürften den Druck auf die Fiskalpolitik erhöhen, das neue Konjunkturpaket endlich einzutüten. Die am Dienstag dazu geführten Gespräche wurden ohne Ergebnis beendet. Sie werden am Mittwoch aber weitergeführt. Sollte es zu keiner Einigung kommen, werden die Demokraten über ihr auf 2,2 Billion Dollar reduziertes Konjunkturprogramm wohl in der laufenden Woche im Repräsentantenhaus abstimmen lassen. Die Zeichen stehen weiterhin auf Dissenz, was die Treasury-Renditen auf einem niedrigen Niveau halten wird.

Zusätzlich wird der Chicagoer PMI veröffentlicht. Die erwartete leichter Verbesserung wird keinen Einfluss auf die Bondmärkte haben.

Außerdem äußern sich mit Michelle Bowman und Neel Kashkari (beide stimmberechtigt) erneut zwei US-Notenbankvertreter. Vermutlich werden sie keine neue Botschaften für die Finanzmärkte parat halten. Das war bereits am Dienstag bei den zahlreichen Auftritten anderer Fed-Vertreter der Fall.

Primärmarkt

Bevor die Emissionswelle aus Euroländern am Donnerstag ihren Höhepunkt für die laufende Woche erreicht, wird es heute am Primärmarkt ruhig zugehen. Die deutsche Finanzagentur wird die Aufstockung der aktuellen Bundesobligation um 4 Milliarden Euro anbieten. Eine Rendite von -0,73% ist kaum attraktiv - insbesondere bei dem Fehlen von Zinssenkungsfantasie.

Daher dürfte die Platzierung nicht auf allzu viel Gegenliebe bei den Anlegern treffen. Allerdings dürfte eine technische Unterdeckung wie bereits in den vergangenen Monaten vermieden werden können. Bis zum Anschluss der Platzierung dürfte es jedoch Abgabedruck auf den mittleren Teil der Bund-Kurve geben.

Das griechische Schatzamt wird mindestens 375 Millionen Euro an Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten anbieten. Da im Laufe der Woche 610 Millionen Euro fällig werden, werden sich genügend Abnehmer für die Kurzläufer finden lassen.

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