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Renten am Morgen: Das Virus hat die Staatsanleihen fest im Griff

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Typische Risk-off Tage hat es lange nicht mehr gegebenen. Der Donnerstag war wieder einmal so ein Tag. Die erhebliche Zunahme der Risikoaversion bescherte den Anleihen aus den Kernländern des Euroraum Kursgewinne. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen tauchte unter -0,6% ab, jene der 30-jährigen unter -0,2%. Die Staatspapiere aus der Peripherie erlitten dagegen Kursverluste.

Besonders deutlich traf es die italienischen Anleihen. Ihre Renditen zogen im Tagesverlauf immer weiter an, was durch die Nachricht aus EZB-Kreisen verstärkt wurde, wonach die Zentralbank keine Eile mit einer Lockerung der Geldpolitik habe. Auf eine Ausweitung der Anleihekäufe sollte also Ende Oktober nicht gesetzt werden. Im Raum steht aber nach wie vor der Dezembertermin, den die Finanzmärkte bislang auch favorisiert hatten.

Sofern die Fantasie aufrechterhalten bleibt, dass eine Lockerung der Geldpolitik auf dem letzten Tagungstermin des EZB-Rats im laufenden Jahr erfolgen kann, dürfte die BTP-Rally noch nicht beendet sein - trotz massiver Einengung der Spreads gegenüber den Kernländern. Bei BTPs dürften auch Gewinnmitnahmen eine Rolle gespielt haben. Die Performance der Bonds über die vergangenen Wochen war schließlich sowohl absolut mit Renditerückgängen als auch relativ mit Spreadeinengungen ausgezeichnet.

Bis zum Handelsschluss in Europa gaben die Kernlandbonds einen Teil ihrer Gewinne ab. Peripheriepapiere grenzten ihre Verluste ein. Ursache war die etwas nachlassende Risikoaversion der Anleger zum Ende des europäischen Handels. Die Renditen der Treasuries zogen bereits an, was nicht spurlos an den Kernlandbonds vorbei ging.

Die Vorgaben für den Handelstart mit Staatsanleihen aus den Kernländern sind durchwachsen. Zum einen dürften sie noch einen Teil der Bewegung der Treasuries vom Donnerstagabend nachvollziehen, was für eine schwächere Eröffnung spricht. Zum anderen notierten die Treasuries im frühen asiatischen Handel mit ganz leichten Renditeabschlägen, da die US-Aktienfutures ihre Gewinne nahezu vollständig abgaben. Vermutlich wird dennoch ein Kursminus bei den Kernlandbonds zu Buche schlagen.

Der Tag mit Bloomberg: Johnsons Entscheidung; Daimler, Thyssen

Man darf nicht ganz außer Acht lassen, dass gerade die Bundrenditen inzwischen weit nach unten gelaufen sind und die Märkte aufgrund der zweiten Pandemiewelle wohl eine erhebliche Wachstumsverlangsamung mit entsprechenden geldpolitischen Maßnahmen einpreisen. Die erneut anziehenden Fallzahlen werden die Kernlandkurse jedoch in jedem Fall gut absichern.

Außerdem steht heute die Entscheidung des britischen Premierministers auf der Agenda, ob die Verhandlungen mit der Europäischen Union zu einem Handelsabkommen fortgesetzt werden sollen. Da die EU gemäß der offiziellen Stellungnahme des EU-Rats Großbritannien aufforderte, kompromissbereiter zu sein, ist die Entscheidung wahrscheinlich völlig offen. Ein Abbruch der Verhandlungen dürfte für eine Flucht in sichere Anlagen sorgen und vor allem die irischen Bondkurse unter Druck setzen.

Bei den Staatspapieren aus der Peripherieländern dürften sich die Kursrückgänge wegen weiterer Gewinnmitnahmen zum Handelsbeginn fortsetzen. Im Laufe des Tages könnten jedoch erste Schnäppchenjäger nach der jüngsten Spreadausweitung wieder zuschlagen.

Konjunkturdaten

Die endgültigen Konsumentenpreisdaten aus Italien und dem Euroraum dürften von den Bondmärkten ignoriert werden. Wie es die Schnellschätzungen bereits angedeutet haben, ist der Preisauftrieb im Euroraum sehr schwach. Die Rentenmärkte wird das kaum mehr bewegen.

Im Hinblick auf die US-Daten sieht das schon anders aus. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten eine prosperierenden privaten Verbrauch im September mit ordentlichen Anstiegen der Einzelhandelsumsätze. Allerdings soll sich die Verbraucherstimmung gemessen mit dem Wert für die Schnellschätzung des Indikators der Uni Michigan kaum aufgehellt haben: Für den Oktober wird gerade einmal ein Anstieg um 0,1 Punkte erwartet.

Einerseits könnte sich der Immobilienboom als ein Treiber für die Einzelhandelsumsätze erwiesen haben. Andererseits sollten die anhaltende Arbeitslosigkeit sowie das Ausbleiben zusätzlicher fiskalpolitischer Stützungsmaßnahmen für den Konsumenten die Kauflaune bremsen. Die Daten dürften insgesamt neutral für die Bewegung der Treasuries ausfallen. Vermutlich würden gute Einzelhandelsumsatzdaten durch den Uni Michigan kompensiert werden.

Die Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung werden einen Eindruck dazu vermitteln, ob die Produktion sich im September weiter erholte. Die befragten Volkswirte erwarten das jedenfalls. Reaktionen der Treasury-Kurse bei Abweichungen von der Prognose sollten jedoch nur kurzfristiger Natur sein.

Mit James Bullard und John Williams (stimmberechtigt) werden sich erneut US-Notenbanker äußern, Impulse werden sie den Treasuries kaum noch geben können. Durch die zahlreichen Auftritte der Fed-Vertreter in den vergangenen Wochen sollten ihre Positionen kaum noch für Überraschungen sorgen und dementsprechend keine Bewegungen mehr bei den Treasuries auslösen.

Bonitätseinschätzungen

Aus dem Euroraum steht lediglich das Rating von Frankreich auf dem Prüfstand. Am Abend plant DBRS Morningstar die aktualisierte Einschätzung zu veröffentlichen.

Von allen vier großen Rating-Agenturen vergibt DBRS Morningstar mit “AAA” bislang die beste Note für Frankreich. Allerdings ist der Ausblick auf das Rating seit April 2020 mit einem negativen Ausblick versehen. Es sind zwar erst rund sechs Monate seit der Senkung des Ausblicks vergangen. Dennoch könnte es aufgrund der sich abzeichnenden fiskalischen Entwicklungen sowie dem Ausbleiben von Reformen zu einer Absenkung des Ratings kommen.

Außerdem wird Moody’s einen Blick auf die Entwicklung der Bonität Großbritanniens werden. Seit November letzten Jahres ist der Ausblick auf das “Aa2”-Rating negativ. Eine Anpassung der Bonitätseinschätzung ist also durchaus möglich.

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©2020 Bloomberg L.P.