Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden 7 Minuten

Renten am Morgen: TLTRO-III-Inanspruchnahme, Powell die Dritte

Dirk Gojny
·Lesedauer: 7 Min.

(Bloomberg) -- Erneut haben die Staatsanleihen aus den Kernländern am Mittwoch zwischenzeitliche Kursgewinne bis zum Handelsschluss wieder hergeben müssen. Letztlich gingen sie unverändert aus dem Handel, obwohl die Risikoaversion der Investoren im Handelsverlauf sukzessive zunahm. Trotz Fortsetzung des Risk-off im US-Handel profitierten die Treasuries nicht. Auch sie schlossen im Vergleich zum Vortag kaum geändert.

Es bleibt dabei. Für weitere Renditerückgänge werden starke Impulse notwendig sein. Auch die eher enttäuschend ausgefallenen Schnellschätzungen für die Einkaufsmanagerindizes konnten die Renditen der Kernlandbonds nicht lange nach unten drücken.

Weiterhin gesucht ist dagegen die Peripherie. Sie setzte ihre Outperformance gegenüber den Kernländern erneut fort. Und wieder waren er vor allem die italienischen Staatsanleihen, die etwas besser performten. Die 30-jährigen BTPs markierten den dritten Tag in Folge ein neues Renditetief auf Basis des Schlusskurses. Die Dynamik der italienischen Renditerückgänge ließ nach.

Nach den Kursgewinnen der letzten Tage dürfte es allmählich Ermüdungserscheinungen geben, so dass es durchaus zu einer Gegenbewegung kommen kann, spätestens wahrscheinlich zum Wochenende. Dennoch dürften sich die Anleihekurse der Peripherie trotz vorhandener Unwägbarkeiten durch Haushaltsplanung sowie der Planungen zur Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds aufgrund ihres Renditevorsprungs besser entwickeln als Bondkurse aus den Kernländern.

Erwartungsgemäß keine Bewegung bei den Treasuries lösten die Aussagen des US-Notenbankchefs bei seinem zweiten Auftritt aus. Seine und die Positionen der Fed sind hinreichend bekannt. Erneut appellierte er bei seinem Auftritt vor Vertretern des Repräsentantenhauses, zusätzlichen fiskalischen Stimulus bereits zu stellen.

Das dürfte zugleich die zentrale Forderung bei seinem letzten Auftritt zusammen mit dem US-Finanzminister am Donnerstag vor Vertretern des Senats sein. Neue Erkenntnisse wird sein Auftritt nicht bringen. Die Treasuries sollten nicht reagieren.

Langfristtender

Im Euroraum wird heute vor allem auf die Inanspruchnahme der nächsten TLTRO III-Tranche geschaut. Unter bestimmten Rahmenbedingungen ermöglicht auch diese Tranche den Banken, sich zu -1% zu refinanzieren. Vor einigen Monaten griffen die Finanzinstitute beherzt zu und beschafften sich rund 1.300 Milliarden Euro an Liquidität.

Das Volumen der Inanspruchnahme dürfte dieses mal aufgrund der bereits vorhandenen Überschussliquidität im Bankensektor sehr viel geringer ausfallen als bei der letzten Tranche. Der hohe Bestands an Überschussliquidität dürfte ein Grund dafür sein, dass der 3-Monats-Euribor jüngst Rekordtiefstwerte erreichte, die unter dem Einlagensatz der EZB lagen.

Trotz des Anstiegs der Risikoaversion in den USA und heute Morgen in Asien mit nachgebenden Aktienkursen sowie etwas schwächeren US- und europäischen Aktienfutures gingen die Renditen der Treasuries kaum zurück. Am frühen Donnerstagmorgen notierten sie weitestgehend unverändert zum Vortagsschluss.

Auch Treasuries scheinen neuen Impulse zu benötigen, damit es mit ihren Renditen wieder abwärts gehen kann. Von der US-Notenbank sind die zurzeit nicht zu erwarten.

Der Tag mit Bloomberg: Fed-Rufe drücken Börse; SNB im Blick

Die Kernlandbonds dürften hingegen mit leichten Renditerückgängen in den Tag starten. Es wird jedoch weiterhin schwierig bleiben, Renditen für 10-jährige Bundesanleihen längerfristig unterhalb der -0,5% zu rechtfertigen - es sei denn, die Aktienmärkten geben über eine längere Periode kräftig nach, und die Wirtschaftsperspektiven verschlechtern sich derart, dass weitere geldpolitischen Maßnahme einschließlich Zinssenkungen notwendig werden. Ansonsten dürfte die Luft für weitere Renditerückgänge von Kernlandbonds dünn sein.

Die Peripherie dürfte erneut gesucht sein, so dass sie sich tendenziell besser entwickeln wird als die Kern- und Semi-Kernländer. Nach den Renditerückgängen der vergangenen Tage bei BTPs könnte es gerade am langen Ende der Zinskurve zu Gewinnmitnahmen kommen. Am kurzen Ende dürften die TLTRO-Volumina stützend für die BTP-Kurse wirken.

Konjunkturdaten

Im Euroraum steht der Daten ganz im Zeichen von regionalen Stimmungsindikatoren. Gemäß der Prognosen soll sich das Sentiment in der französischen Industrie und Wirtschaft im September aufgehellt haben.

Das Ifo-Geschäftsklima wird ebenfalls besser als im Vormonat erwartet. Das ist nach den sehr durchwachsenen Schnellschätzungen für die Einkaufsmanagerindizes nicht mehr zwingend zu erwarten. Dass gerade der Dienstleistungssektor enttäuschte, dürfte auf erneut drohenden Einschränkungen im öffentlichen Leben aufgrund der wieder steigenden Zahl an Virusinfektionen zurückzuführen sein. Der Dienstleistungsbereich wird das zuallererst spüren. Entsprechend schlecht ist die Stimmung schon wieder.

Zugleich dürften die Daten jene Notenbanker bestätigen, die immer wieder vor den Risiken für die ökonomischen Perspektiven warnen.

Sofern die regionalen Stimmungsindikatoren tatsächlich Zeichen der Abkühlung zeigen sollte, dürften die Bondkurse im Euroraum anziehen.

Am Nachmittag stehen dann wieder die wöchentlichen US-Jobdaten auf der Agenda. Die Erholung am Arbeitsmarkt soll sich fortgesetzt haben. Die Konsensprognose der Volkswirte spricht vor allem für das Bild, das die US-Notenbanker vom Arbeitsmarkt haben: Die Erholung verläuft inzwischen langsam.

Außerdem wird die Zahl der verkauften neuen Immobilien zu beachten sein. Am Markt für Bestandsimmobilien herrscht inzwischen ja bereits Knappheit, was auf die Preisentwicklung durchschlug. Der aktuelle Immobilienboom sollte sich bei Neubauten ebenfalls bemerkbar machen.

Während die Arbeitsmarktdaten eher für die Unterstützung der Treasury-Kurse sorgen dürften, sollten die Informationen vom Immobilienmarkt in den entgegengesetzte Richtung wirken. Die Wirkung auf die Treasuries dürfte sich neutralisieren.

Außerdem werden sich mit Charles Evans, Raphael Bostic, Thomas Barkin, James Bullard, Robert Kaplan und John Williams (letzten beiden stimmberechtigt) zusätzlich zum Fed-Chef zahlreiche US-Notenbanker zu Wort melden. Bei Aussagen zur den wirtschaftlichen Perspektiven der USA werden sie nicht weit auseinanderliegen und bekanntes wiederholen. Sie werden überwiegend den Staat in der Verpflichtung sehen, fiskalisch nachzulegen. Bisher blieben diese Wünsche jedoch ungehört.

Primärmarkt

Heute wird es etwas ruhiger bei Platzierungen von Staatsanleihen aus dem Euroraum zugehen. Das italienische Schatzamt wird sowohl einen neuen zwei Jahre laufenden Zero (CTZ) als auch die Aufstockung des aktuellen 10-jährigen Linkers anbieten. Mit dem neuen, bis Ende September 2022 laufenden Zero sollen bis zu 3,75 Milliarden Euro erlöst werden. Über den Linker wird ein Emissionsvolumen von bis zu 0,75 Milliarden Euro geplant. Die Volumina sind insgesamt also überschaubar.

“Die neue CTZ ist sowohl im Vergleich zu BTPs mit einer kürzeren Laufzeit (z.B. BTP 1% Juli 22 und 0,9% August 22) als auch im Vergleich zu den teuren BOTs 14. Mai 21 und 14. Juni 21 relativ attraktiv,” schrieb Luca Cazzulani von der UniCredit Bank in Mailand am Montag in einem Research. “CTZ Juni 21 und Dezember 21, die etwa auf der BTP-Kurve gehandelt werden, können in die neue CTZ verkauft werden. Dies würde sowohl zu einer besseren Rendite als auch zu einer besseren Prämie gegenüber der BTP-Kurve führen,” führte der Rentenstratege weiter aus.

Demnächst dürfte die Refinanzierung der Europäischen Union starten, da SURE am 22. September aktiviert wurde. Damit die ersten Zahlungen an die Länder der Europäischen Union fließen können, dürften die Mandatierungen für die Platzierung alsbald erfolgen.

Am Abend wird das Treasury die Wochenrefinanzierung am Kapitalmarkt mit der Emission einer neuen 7-jährigen T-Note mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar abschließen. Aufgrund der geringen Rendite, die das Papier abwerfen wird, dürfte es nur mit Zugeständnissen möglich sein, ordentlichen Nachfrage zu generieren.

Daher sollten die mittleren Laufzeiten auf der US-Zinskurve tendenziell unter etwas Abgabedruck geraten. Die Platzierung der 5-Jährigen T-Notes am Mittwoch traf trotz rekordniedrigerer Rendite auf eine ordentliche Nachfrage, was für die Platzierung der 7-jährigen T-Notes optimistisch stimmt. Allerdings müsste für ein relativ reibungslose Platzierung das Risk-off wohl anhalten.

Außerdem werden Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von vier und acht Wochen in Höhe von 65 Milliarden Dollar angeboten, was dem Umfang der Vorwoche entspricht.

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.