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Renten am Morgen: Sicherheit wegen Sorge vor 2. Welle gefragt

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Sicherheit wegen Sorge vor 2. Welle gefragt

(Bloomberg) -- Den Freitag haben die Staatsanleihen aus dem Euroraum mit Kursgewinnen beschließen können. Besonders deutlichen fielen die Anstiege in der Peripherie und bei den Semi-Kernländern aus. Von der erneut starken Emissionsaktivität in der vergangenen Woche zeigten sich die Anleger weitestgehend unbeeindruckt.

Auch wenn sich die Spreads der Peripherie gegen die Kernländern nicht mehr einengten, sondern ausweiteten, scheint die Suche nach Renditen zurückzukehren. Letztlich sorgt die Europäische Notenbank auf absehbare Zeit dafür, dass den Spreadausweitungen und Renditeanstiegen im Hinblick auf die Störung des Kredittransmissionsprozesses Grenzen gesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund bleiben die wöchentlichen Ankaufdaten, die am Montagnachmittag veröffentlicht werden, von Interesse. Um eine vorzeitige Auslastung des PEPP müssen sich die Anleger aufgrund des aktuell maximal möglichen Ankaufvolumens keine Sorgen mehr machen. Außerdem machten mehrere EZB-Vertreter deutlich, dass eine weitere Anpassung ggf. vorgenommen werden könne. Vermutlich wird das System Europäischer Zentralbanken wieder mit größeren Summen in der Berichtswoche erworben haben.

Der Renditerückgang italienischer Staatsanleihen war am kurzen Ende der Zinskurve besonders ausgeprägt. Möglicherweise spielt hier bereits die Bereitstellung des nächsten TLTRO III eine Rolle. Aufgrund der attraktiven Gestaltung dieser Fazilität könnte es durchaus zu Carry-Trades kommen, von denen kurze italienische Laufzeiten aufgrund ihrer positiven Rendite besonders stark profitieren dürfte.

Sofern es den Banken gelingt, ihre Kreditvergabe über den von der EZB geforderten Zeitraum konstant zu halten, könnten jedoch auch alle anderen kurzen Laufzeiten nachgefragt werden, die ein Rendite von mehr als -1% aufweisen. Im Laufe der Woche können die Banken ihre Gebote abgeben. Ergebnisse der Zuteilung werden am 18. Juni veröffentlicht.

Am Freitag bestätigte Fitch sowohl die Bonitätseinstufungen als auch die Ausblicke von Deutschland und Spanien. Für das laufende und das kommende Jahr erwartet Fitch in Spanien einen erheblichen Anstieg der Verschuldung und des Haushaltsdefizits gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Durch die günstigen Finanzierungsbedingungen seien die Risiken aus einer höheren Staatsanverschuldung gemildet, so die Rating-Agentur. Außerdem bewertet Fitch die jüngsten Initiativen der Europäischen Kommission mit dem Wiederaufbaufonds sowie die übrigen EU-weiten Maßnahmen als positiv.

Gerade im Hinblick auf den Fonds dürfte der Druck, sich innerhalb der EU bald auf eine Lösung zu einigen bleiben. Vielleicht schaffen es die Staats- und Regierungschefs Ende der Woche, Fortschritte zu erzielen. Allzu lang wird die Geduld der Marktteilnehmer nicht anhalten, wenn es nichts Zählbares aus den Gesprächen gibt.

Die Sorgen vor einer zweiten Pandemiewelle aufgrund unter anderem der Situation in Peking ließen am Montagmorgen die Aktienkurse im asiatischen Handels nachgeben. Die US-Aktienfutures gingen ebenfalls auf Talfahrt und mit ihnen die Pendants aus Europa. Die Nutznießer der Zunahme der Risikoaversion waren die Treasuries. Ihre Renditen gaben über die gesamte Zinskurve nach, wobei insbesondere das lange Ende gesucht wurde.

Auch die Aussagen der Präsidentin des Internationalen Währungsfonds sind wenig erbaulich. Sie geht davon aus, dass die Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum erneut gesenkt werden. Die Aktualisierung des World Economic Outlook erfolgt am 24. Juni.

Der Tag mit Bloomberg: Börsenfutures fallen, Sorge vor 2. Welle

Die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern dürften daher mit etwas Rückenwind in den Montag starten. Zumindest zu Handelsbeginn sollten sie die Staatspapiere aus den Semi-Kernländern und der Peripherie outperformen. Die spanischen Staatspapiere könnten im weiteren Handelsverlauf von dem Ausbleiben einer Rating-Aktion durch Fitch profitieren.

Die Kurse der italienischen Staatsanleihen dürften von einer Meldung von La Repubblica gestützt werden, wonach die italienische Regierung im Juli Mittel aus dem ESM beantragen könnte. Allerdings wurde die Meldung vom Büro von Luigi di Maio dementiert. Nichtsdestoweniger hätte die ESM-Inanspruchnahme erhebliche Zinsersparnisse zur Folge.

Konjunkturdaten

Am frühen Morgen wurden bereits zahlreichen Wirtschaftsdaten aus China veröffentlicht. Sie verbesserte sich im Vergleich zum April zwar. Doch hinterlassen sie den Eindruck, dass die chinesischen Wirtschaft und der Konsum erst langsam in Gang kommen. Und nun droht durch die zahlreichen neuen Coronafälle in der Hauptstadt möglicherweise ein erneuter Dämpfer, sofern die Quelle nicht schnell ausfindig und die Ausbreitung eingedämmt wird. Tendenziell sollten diese Nachrichten dazu beitragen, die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum und der Treasuries gut zu stützen.

Ansonsten werden die Wirtschaftsdaten keine Beachtung finden. Die weiteren endgültigen Konsumentenpreisdaten werden die nicht vorhandene Preisdynamik bestätigen. Die erwartete Verbesserung des Wertes des Empire Manufacturing Indikators für den laufenden Monat sollten ebenfalls ohne Wirkung auf die Treasury-Kurse bleiben.

Im Laufe des Nachmittags werden sich die regionalen Notenbankpräsidenten, Robert Kaplan (stimmberechtigt) und Mary Daly, äußern. Allzu viel Beachtung dürfte ihren Aussagen jedoch nicht geschenkt werden, da die FOMC-Entscheidungen nur wenige Tage zurück liegen und sich der US-Notenbankpräsident am Dienstag und Mittwoch vor Vertretern des Senat und des Repräsentantenhaus seine halbjährliche Erklärung zur Geldpolitik und den wirtschaftlichen Perspektiven der USA abgeben wird.

Primärmarkt

Am Montag werden Litauen und die Slowakei den Emissionsauftakt am Kapitalmarkt gestalten. Das litauische Schatzamt wird die bis August 2029 laufende Anleihe aufstocken. Nach den bereits erfolgten Aufstockungen dürfte das Volumen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Die Slowakei wird mit zwei Neuemissionen mit Laufzeiten bis Juni 2024 und Juni 2027 die Inanspruchnahme des Kapitalmarkts in der laufenden Woche eröffnen. Gemäß Angaben des slowenischen Schatzamt soll sich das Emissionsvolumen für die Emissionen bei jeweils 400 Millionen Euro liegen. Das Volumen dürfte die Aufnahmefähigkeit der Finanzmärkte kaum herausfordern.

Am heutigen Montag gibt es Fälligkeiten aus Portugal und Italien, was zu Platzierungen via Syndikat einladen dürfte.

Am Geldmarkt geht es aktiver zu. Deutschland, Frankreich und die Niederlande werden das kurze Ende der Zinskurve zu Wochenbeginn wieder kräftig anzapfen. Die Niederlande werden insgesamt drei Papiere mit Restlaufzeiten zwischen 72 und 225 Tagen mit einem Gesamtvolumen von 6 Milliarden Euro anbieten. Die Finanzagentur zeichnet für für sechs Monate laufende Papiere mit einem Platzierungsvolumen von 4 Milliarden Euro verantwortlich. Frankreich wird wie bereits in den Vorwochen vier Kurzläufer mit Laufzeiten zwischen drei und zwölf Monaten anbieten. Insgesamt soll so 8,5 Milliarden Euro eingenommen werden.

Fälligkeiten sind mit rund 6,1 Milliarden Euro lediglich in Frankreich zu verzeichnen. Dem Geldmarkt wird also einmal mehr ein große Menge an Liquidität entzogen, wobei die Laufzeitenstruktur der Geldmarktpapiere in das Ankaufschema des PEPP passt.

Am Abend wird das Treasury T-Bills mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten in einem Umfang von 114 Milliarden Dollar anbieten, 3 Milliarden Dollar weniger als in der Vorwoche. Um diese 3 Milliarden wird das Emissionsvolumen für zwölf Monate laufende Papiere am Dienstag erhöht.

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