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Renten am Morgen: Sicherheit wird scheinbar nicht mehr benötigt

Dirk Gojny

(Bloomberg) -- Die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum haben am Mittwoch überwiegend Verluste hinnehmen müssen. Getrieben wurde der Renditeanstieg von Nachrichten, dass es wirksame Behandlungsmethoden für am Coronavirus erkrankte Patienten gäbe sowie am Nachmittag durch einen sehr starken ADP-Bericht.

Besonders deutlich fielen die Renditeanstieg bei den Treasuries aus. Sie waren jedoch mit Ausbruch und Verbreitung der Virusinfektion als sicherer Hafen zuvor stärker gesucht als beispielsweise Bundesanleihen.

Bundesanleihen mussten im Vergleich zu ihren Peers sowie Papieren aus Semi-Kernländern über die gesamten Kurve am Mittwoch etwas höhere Renditeanstiege hinnehmen. Die Peripherie zeigte sich zwar nicht völlig immun gegen den Rückgang der Bondkurse. Schließlich waren die Bonds bei der Fluchtbewegung in Anleihen, die durch Sorgen vor den Auswirkungen der Virusinfektion ausgelöst wurden, ebenfalls gesucht. Ihre Renditeanstiege fielen jedoch geringer aus als diejenigen der Kern- und Semi-Kernländer. Besonders gut konnten sich erneut die italienischen Bonds halten.

Der Spread von 10-jährigen italienischen Staatsanleihen zu den Pendants von der iberischen Halbinsel näherte sich wieder ein Stück seines jüngsten Tiefstand aus Mitte September an. Solange es um die Regierungskoalition in Rom ruhig bleibt, dürften italienische Staatspapiere gut nachgefragt sein.

Selbst eine potenziell mögliche Änderung der Bonitäatseinstufung am Freitagabend durch Fitch von BBB mit negativen Ausblick auf BBB- dürfte nur kurzfristig für etwas Unruhe sorgen. Die Krediteinschätzung läge auch dann immer noch eine Stufe über dem Sub Investment Grade-Bereich. Der Lackmustest für die italienische Regierung wird erst mit der Überprüfung der Budgetplanung erfolgen.

In Portugal steht heute die endgültige Verabschiedung des Haushalts für das laufende Jahr durch das Parlament auf der Agenda. Es wäre der erste Haushalt seit sehr langer Zeit, der einen Überschuss vorsieht. Portugal wäre dann also auf einem guten Weg, die nach wie vor hohe Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt allmählich zurückzuführen.

Bis zu den Niveau vor der Finanzkrise ist es jedoch noch ein sehr weiter Weg. Zudem muss die portugiesische Minderheitsregierung an ihrem Konsolidierungskurz festhalten. Immerhin führte die auf Konsolidierung ausgerichtete Fiskalpolitik zu den günstigen Refinanzierungsniveaus.

Die Sorgen vor den ökonomischen Auswirkungen der Virusinfektion scheinen derzeit deutlich abzunehmen. Die Investoren gehen wohl doch davon aus, dass die Wirkung temporär sein wird und dass Nachholeffekte nach Eindämmung der Krankheit ein großer Teil der ausgefallenen Produktion nachgeholt wird. Darauf deuten die Entwicklungen an den Aktienmärkten hin.

Zur guten Stimmung trug zusätzlich die ab dem 14. Februar geltende Halbierung der chinesischen Einfuhrzölle auf Waren aus den USA mit einem Handelswert von 75 Milliarden Dollar bei. Am selben Tag treten auch Einfuhrzollsenkungen für einige chinesische Güter mit einem Handelswert von 120 Milliarden Dollar in die USA in Kraft. Die Vereinbarungen aus dem Phase-eins-Abkommen werden sukzessive umgesetzt.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit steigenden Aktienkursen, anziehenden US-Aktienmarkt-Futures sowie zulegenden Treasury-Renditen sprechen für Kursverluste bei den Staatsanleihen aus dem Euroraum am Donnerstagmorgen. Wahrscheinlich werden Kern- und Semi-Kernanleihen erneut etwas höhere Kursverluste hinnehmen müssen als die Peripherie.

Die französischen Bonds dürften ebenso wie die spanischen durch die anstehenden Anleiheaufstockungen zusätzlich unter Abgabedruck geraten. Diese Belastung sollten erst mit Abschluss der Primärmarkttransaktionen geringer werden.

Am Morgen wird sich die EZB-Präsidentin vor Vertretern des Europäischen Parlaments im Zuge des monetären Dialogs äußern. Das Potenzial für Neuigkeiten dürfte jedoch gering sein. Die Geldpolitik bleibt vorerst festgelegt. Zum Strategieprozess wird Christine Lagarde kaum neue Details preisgeben. Allerdings steht auch die Kommunikationspolitik der Notenbank auf der Agenda. Vielleicht gibt die Notenbankchefin ein wenig mehr darüber preis, wie sie künftig mit unterschiedlichen Zielgruppen über die Arbeit der EZB kommunizieren will. Marktbewegend dürfte das aber nicht sein.

Konjunkturdaten

Auch zum Jahresschluss fielen die deutschen Auftragseingänge wenig erfreulich aus. Im Vorjahresvergleich sind die Auftragseingänge deutlich geschrumpft. Die übrigen Wirtschaftdaten aus dem Euroraum werden keine Beachtung finden, da sie in die zweite Reihe gehören.

Die US-Daten zu Produktivität und Lohnstückkosten sowie der Zahl an Erstanträgen auf Arbeistlosenunterstützung dürften ebenfalls wenig Kursbewegung bei den Treasuries auslösen. Die Investoren haben bereits den Arbeitsmarktbericht am Freitag im Blick, insbesondere hohen Zahl an neuen Stellen, die vom ADP-Bericht gemeldet wurde.

Primärmarkt

Nach Volumen dürfte es am Donnerstag der umfangreichste Tag mit Emissionen aus Frankreich und Spanien werden. Frankreich wird mit vier Aufstockungen mit einem Gesamtvolumen von bis zu 9 Milliarden Euro auf die Investoren zugehen. Im Angebot hat das französische Schatzamt mit Laufzeiten bis November 2029, Mai 2034, Juni 2039 und Mai 2066 nur lange bis ultra-lange Laufzeiten. Sollte sich die Risikowahrnehmung nicht doch noch zu Gunsten von Staatsanleihen drehen, dürften die Emissionen herausfordernd werden und die Investoren Renditezugeständnisse verlangen.

Das spanische Tesoro wird ebenfalls mit vier Aufstockungen antreten, drei Kuponbonds und ein Linker. Insgesamt sollen mit den Festzinsanleihen bis zu 5 Milliarden Euro und mit dem Linker bis zu 750 Millionen Euro eingeworben werden. Im Gegensatz zu Frankreich bedient Spanien mit Fälligkeiten von April 2023 und April 2026 sowie April 2030 das kurze und lange Laufzeitsegment. Der aufzustockende Linker hat eine Laufzeit bis November 2027.

Die Laufzeiten der offerieren spanischen Bonds sind zwar bedeutet kürzer als diejenigen der französischen, was ihnen zusätzlich zu dem Renditepick-up gegen entsprechende französische Laufzeiten einen Vorteil verschafft. Dennoch dürfte die Platzierung in einem eher Risk-on getriebenen Umfeld herausfordernd werden. Die Anleger werden im Vorfeld versuchen, Renditezugeständnisse durchzusetzen.

Sowohl die französischen als auch die spanische Kurve sollten bis zum Abschluss der Emissionen gegen ihre Peers underperformen. Etwas Unterstützung wird es vermutlich noch durch die Wiederanlage eines zu Monatsbeginn zurückgezahlten italienischen Wertpapiers geben.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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