Deutsche Märkte geschlossen

Renten am Morgen: Rendite 10-jähriger Bunds auf dem Weg zur 0%?

Dirk Gojny
1 / 4

Renten am Morgen: Rendite 10-jähriger Bunds auf dem Weg zur 0%?

(Bloomberg) -- Zum Jahresschluss 2019 hat es einen Ausverkauf bei den Staatsanleihen aus dem Euroraum gegeben. Besonders betroffen waren die Bonds aus den Kern- und Semi-Kernländern. Auch in der Peripherie legten die Renditen zu, allerdings fiel der Zuwachs hier im Vergleich zu den übrigen Ländern des Euroraums noch moderat aus.

Für Investoren in 10-jährige Bunds hat sich der Dezember damit als sehr schwacher Monat herausgestellt. Schließlich verdoppelt sich die Rendite innerhalb eines Monats nahezu, denn Ende November lag sich noch bei -0,36%. Auch ein großer Teil der Jahresperformance wurde so aufgezehrt. Damit ist die Rendite der 10-jährigen deutschen Papiere zurzeit eher auf dem Weg zur 0%.

Die deutliche Aufwärtsbewegung der Renditen erfolgte jedoch bei Jahresend-bedingt geringer Liquidität. Diese Situation dürfte sich zu Beginn des laufenden Jahres erst einmal nicht ändern.

Angesichts der deutlich nachgebenden Bondkurse zum Jahresende werden die Investoren nun wahrscheinlich erst einmal eine abwartende Haltung einnehmen. Die Anleger dürften schauen, ob der Renditeanstieg sich beispielsweise in Erwartung einer Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven nicht doch weiter fortsetzt. Außerdem zogen die Inflationserwartungen gemessen mit dem 5-Jahre, 5-Jahre Inflationsswapsatz an. Sie haben sich damit von ihrem Tiefstwert Anfang Oktober deutlich entfernt.

Zudem dürfte der Jahresauftakt von der Nachricht aus dem Weißen Haus geprägt werden, wonach die Vereinbarung über das erste Handelsabkommen zwischen China und den USA am 15. Januar unterzeichnet werden soll. Auch wenn die Bestätigung des Termins durch die chinesische Seite noch aussteht, werden die Investoren diese Nachricht wohl mit Erleichterung aufnehmen. Beendet ist der Handelskonflikt zwischen beiden Nationen dadurch aber noch lange nicht. Es ist zu vermuten, dass es sich bei der Vereinbarung eher um einen Burgfrieden handeln wird, da viele Details der Vereinbarung nicht bekannt sind.

Auch andere Themen, die bisher für die niedrigen Renditen mit verantwortlich waren, werden die Investoren weiter beschäftigen. So dürfte der Brexit zwar vollzogen werden - doch wie die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien geregelt werden, ist offen. Beharren beide Seiten auf einer Regelung der künftigen Handelsbeziehungen bis zum 31. Dezember, ist ein Ausstieg der Briten aus der EU ohne Abkommen immer noch ein mögliches Szenario.

Die Ereignisse im Irak sowie die Drohungen aus Nordkorea machen zudem deutlich, dass die geopolitischen Risiken ebenfalls präsent bleiben. Das sollte die Nachfrage nach sicheren Anlagen immer wieder befeuern.

Heute stehen mit Blick auf dem asiatischen Handel sowie auf die steigenden US-Aktienfutures die Vorgaben aber eher auf Risk-on. Das dürfte den Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern des Euroraums zum Handelsauftakt leichte Kursverluste bescheren. Die Veröffentlichung der Markit Einkaufsmanagerindizes könnte am Morgen etwas stabilisierend wirken.

Bei Anlagen in der Peripherie dürften die Investoren ebenfalls erst einmal zurückhaltend bleiben, so dass trotz Risk-on eher unveränderte Renditen zu Handelsbeginn zu erwarten sind.

Konjunkturdaten

Um den Jahreswechsel wurden Einkaufsmanagerindizes aus China veröffentlicht. Während die beiden Indikatoren aus dem verarbeitenden Gewerbe die Erwartungen weitestgehend erfüllen konnten, ist der Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe etwas hinter den Schätzungen zurückgeblieben. Mit 53,5 Punkten liegt er jedoch immer noch in einem Bereich, der auf Expansion hinweist.

Das Aussetzen höherer US-Importzölle, die am 15. Dezember 2019 in Kraft treten sollten, sowie die erste Handelsvereinbarung zwischen China und den USA konnten augenscheinlich noch nicht ganz zu einer Aufhellung der Stimmung der chinesischen Unternehmen beitragen. Auch nach Unterzeichnung des Phase-1-Abkommens wird noch etwas Zeit vergehen, bis alle Vereinbarungen dann in Kraft sind. Und dass sich die chinesische Administration weiterhin um die Perspektiven der heimischen Wirtschafts sorgt, ist an der Reduzierung des Mindestreservesatzes durch die People’s Bank of China um 50 Basispunkte zu erkennen. Diese Maßnahmen wird am 6. Januar wirksam.

Auch in Europa beginnt das Jahr datenseitig alles andere als langweilig. Es werden nämlich die Markit Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe für Dezember bekanntgegeben. Dabei handelt es sich für Deutschland, Frankreich und den Euroraum um die endgültigen Werte. Auf diese Daten werden die Investoren kaum noch achten - es sei denn, sie haben sich im Vergleich zur Schnellschätzung deutlich verschlechtert.

Das Interesse gilt den Werten der Indikatoren aus Italien und Spanien. Die Stimmung der Einkaufsmanager soll sich in beiden Ländern etwas verschlechtert habe. Die Zeichen stehen wie in den meisten anderen Euroländern auf Konkraktion der Wirtschaftsleistung im produzierenden Gewerbe in den kommenden Monaten. Der Start in das erste Quartal des neuen Jahres droht zumindest in der Industrie holprig zu werden.

Sofern die Schnellschätzungen bestätigt werden und die Daten aus den übrigen Euroländer schwach ausfallen, dürfte das den Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums zumindest etwas Unterstützung bieten. Bei spanischen und italienischen Bonds könnte die Reaktion jedoch anders ausfallen. Italien ist auf das Anziehen bzw. mindestens eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums angewiesen. Ansonsten werden alle mit der Verschuldung verbundenen Probleme zügig wieder auf der Agenda erscheinen. Entsprechend ist eher damit zu rechnen, dass eine schwacher Einkaufsmanagerindex die BTP-Renditen steigen ließe.

Von den US-Daten - Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, endgültiger Markit Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe - sollte es keine Impulse für die Treasuries geben.

Primärmarkt

Euroländer sind am ersten Handelstag des Jahres im Euroraum weder mit Geld- noch Kapitalmarkttransaktionen vertreten. Das US-Schatzamt setzt jedoch seine Geldmarktrefinanzierung mit der Emission von T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen mit einem Gesamtvolumen von 70 Milliarden Dollar fort.

MEHR: Der Tag mit Bloomberg: China stützt, Ghosn flieht, Testfall Wien

Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.