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Renten am Morgen: Der Reflation-Trade findet Zulauf

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Die italienischen Staatstitel haben ihre Spreadeinengung gegenüber Kernländern am Mittwoch wieder aufgenommen. Bis zum Handelsschluss konnten sie deutlichere Kursgewinne einfahren. Ihre Verluste vom Vortag wurden mit Renditerückgängen von etwa vier Basispunkten am langen Ende der Kurve zu etwa zwei Dritteln aufgeholt. Es wurden wohl erste Schnäppchenjäger aktiv.

Bei den Staatspapieren von der iberischen Halbinsel gab es dagegen deutlich geringere Gewinne. Letztlich bieten die Bonds im Gegensatz zu BTPs über weite Teile der Zinskurve nur negative Renditen. Das kurze Ende der portugiesischen Kurve profitierte von der Austauschauktion. Griechische Bonds, deren Kurse in den Vortagen vergleichsweise stabil waren, zeigten dagegen eine deutliche Underperformance.

Dass dem EU-Haushalt ein Scheitern aufgrund der Vetos von Polen und Ungarn droht, so dass sich die Einführung des Aufbaufonds verzögern könnte, scheint für die Anleger nach wie vor keine Rolle zu spielen. Allerdings hat die Europäische Union einen Track Record hinsichtlich Einigungen in letzter Sekunde.

Entsprechend dürften die Hoffnungen auf der Erzielung eines Kompromisses auf dem Gipfel des Europäischen Rats in einer Woche beruhen. Und bei einem Scheitern dürfte ein beherztes Eingreifen der EZB erwartet werden, sofern Renditen und Spreads tatsächlich anziehen. Solange die Implementierung des Aufbaufonds nur verzögert wird, dürften die Investoren dennoch ruhig bleiben.

Erst ein drohendes Scheitern wird stärkere Reaktionen hervorrufen, da zum Beispiel die führenden Rating-Agenturen in ihren Einschätzungen auf die positiven Effekte des Aufbaufonds für die Kreditwürdigkeit von einzelnen Staaten hinwiesen.

Sowohl der zweite gemeinsame Auftritt des US-Notenbankchefs Jerome Powell zusammen mit dem US-Finanzminister Steve Mnuchin als auch das Beige Book blieben ohne Einfluss auf die Renditeentwicklung. Der Fed-Präsident vermied vor Vertretern des Repräsentantenhauses erneut, konkrete Aussagen zu weiteren Geldpolitik zu machen. Es bleibt also offen, ob die Fed-Vertreter sich zu einer erneuten Lockerung beispielsweise durch das Anheben des Volumens der monatlichen Anleihankäufe durchringen werden.

Der Bericht aus den einzelnen Fed-Distrikten gibt dazu ebenfalls kein klares Bild. In den meisten Regionen wird bei einer Verlangsamung des Stellenaufbaus von einer mäßigen bis moderaten wirtschaftlichen Expansion gesprochen. In den von der Pandemie besonders betroffenen Regionen zeichne sich eine Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivität ab. Insgesamt wären wohl fiskalischen Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums hilfreicher als geldpolitische. Darauf wies der Notenbankchef erneut hin.

Und in die Gespräche zu einem neuen Fiskalpaket könnte tatsächlich Bewegung kommen. Demokraten und Republikaner wollen den von demokratischen und republikanischen Senatoren gemeinsam erarbeitenden Vorschlag, der Ausgaben von 908 Milliarden Dollar vorsieht, zur Grundlage der Gespräche machen. Sollten sich die beiden Parteien darauf verständigen können, dürften den Treasuries zumindest kurzfristig unruhige Tage mit steigenden Renditen und dem Versteilen der Zinskurve bevorstehen. Der Reflation-Trade würde noch populärer werden. Kernlandbonds sollten sich so einer Entwicklung nicht entziehen können, auch wenn die ökonomischen Perspektiven im Euroraum schlechter als in den USA sind.

Der Tag mit Bloomberg: Atempause nahe Börsenhoch; OPEC+ im Blick

Mit den Vorgaben aus dem asiatischen Handel sowie kaum geänderten Treasury-Renditen am frühen Morgen dürften die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums kaum geändert in den Tag starten.

Aufgrund der Platzierungen aus Frankreich am langen Ende der Zinskurve sollte es jedoch am Vormittag zu leichten Kursbelastungen kommen. Die erneut angezogenen Break-even-Renditen sowie weiter steigenden Inflationserwartungen dürften sich ebenfalls als Belastungsfaktor erweisen, so dass es die Kernlandbonds schwer haben dürften, Verluste wieder abzubauen.

Die Peripherie dürfte dagegen ihre Outperformance fortsetzen. Rendite bleibt in Anbetracht der wohl bevorstehenden Lockerung der Geldpolitik durch die EZB gesucht.

Konjunkturdaten

Der Caixin Einkaufsmanagerindex für das chinesische Dienstleistungsgewerbe bestätigte die positiven Wirtschaftsperspektiven für das Land wie die bereits zuvor veröffentlichten Indikatoren. Die Wirtschaft scheint im China immer besser in Tritt zu kommen.

Aus dem Euroraum werden ebenfalls weitere Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor auf der Agenda. Im Gegensatz zu den Indizes aus dem verarbeitenden Gewerbe dürften die Dienstleistungsindikatoren schwach ausfallen.

Der Fokus wird vor allem auf den Daten aus Italien und Spanien liegen, da es für beide Länder keine Schnellschätzungen gibt. Schwache Werte werden jedoch erwartet. Daher dürften sich die Auswirkungen auf die Bondmärkte in Grenzen halten.

Die Zahl an Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sowie die Zahl registrierter Arbeitsloser dürfte auf einen schleppenden Aufbau an Stellen hindeuten. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben sollten erneut ihren Niederschlag in den wöchentlichen Arbeitsmarktdaten gefunden haben. Im am Mittwoch veröffentlichten ADP-Bericht waren bereits deutliche Spuren einer Verlangsamung des Stellenaufbaus zu erkennen.

Außerdem wird der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe zu beachten sein, da sich dort die Pandemie-bedingten Einschränkungen am stärksten bemerkbar machen sollten. Bislang ist der US-Dienstleistungssektor gut durch die Krise gekommen. Die ISM-Werte deuteten jedenfalls auf Wachstum hin. Im Hinblick auf die für morgen anstehende Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts werden die Daten kaum Auswirkungen auf die Treasury-Kurse haben.

Primärmarkt

Das französische Schatzamt will bis zu 6,5 Milliarden Euro mit vier Aufstockungen erlösen. Dabei wird sich mit den Emissionen mit Laufzeiten 2032, 2036, 2041 und 2048 vor allem auf das lange und ultra-lange Ende der Zinskurve konzentriert. Obwohl das Emissionsvolumen nicht sonderlich hoch ist, dürfte die Konzentration auf lange Laufzeiten dazu führen, dass die Investoren im Vorfeld der Platzierungen Zugeständnisse durchzusetzen versuchen, so dass die OATs bis zum Abschluss der Transaktionen underperformen sollten. All zu hoch werden diese Zugeständnisse jedoch nicht ausfallen, da das französische Schatzamt die für den 21. und 28. Dezember geplanten Platzierungen strich.

Das Treasury wird den Geldmarktanlegern am Abend T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen offerieren. Das Volumen wird bei 65 Milliarden Dollar liegen, was am US-Geldmarkt ohne Schwierigkeiten absorbiert wird.

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