Deutsche Märkte geschlossen

Renten am Morgen: Powell dürfte Negativzins eine Absage erteilen

Dirk Gojny
1 / 2

Renten am Morgen: Powell dürfte Negativzins eine Absage erteilen

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss am Dienstag haben es die Kurse vieler Staatsanleihen aus dem Euroraum doch noch geschafft, sich leicht ins Plus zu schieben. Etwas stärker gesucht waren die Papiere von der iberischen Halbinsel, während sowohl die italienischen als auch die deutschen Staatsanleihen gegen ihre Peers eine Underperformance zeigten.

Den deutschen Bundesanleihen half letztlich auch nicht, dass die Risikoaversion bis zum Handelsschluss zunahm. Die italienischen Bonds dürften aufgrund der für den heutigen Mittwoch terminierten Aufstockungen schwächer gegenüber ihren Pendants von der iberischen abgeschnitten haben.

Zentrales Tagesereignis ist heute der Auftritt des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Er wird wahrscheinlich in den Chor seiner Kollegen einstimmen, die vor den drastischen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie warnen. Die Notenbanker scheinen eine Pleitewelle auf die USA zuzurollen sehen. Das wird der US-Zentralbankchef zum Anlass nehmen, um die ultra-lockere Geldpolitik der Fed verteidigen. Zugleich dürfte er weitere Lockerungsmaßnahmen in Aussicht stellen, sofern es als notwendig erachtet wird. Das Niedrigzinsumfeld in den USA dürfte Untermauerung erfahren.

Zudem forderte unter anderem die Präsidenten der Clevelend Fed, Loretta Mester, die US-Regierung auf, den fiskalischen Stimulus zu erhöhen. Eine Absage erteilten die US-Notenbanker hingegen erneut negativen Fed Funds. Die Ursachen für diese Einschätzung könnte Jerome Powell heute in seinen Ausführungen einmal näher erläutern. Der US-Präsidenten bezeichnete negative Renditen hingegen als “Geschenk”.

Außerdem werden sich sowohl der EZB-Chefvolkswirt, Philip Lane, als auch der Vize-Präsidenten der EZB, Luis de Guindos, äußern. Die Anleger dürften darauf hoffen, dass es weitere und neue Informationen zu einer Antwort auf das Urteil des BVerfG geben wird.

Sollten sich die beiden Notenbanker dazu überhaupt äußern, dürfte es über die bekannten und mehrfach getätigten Aussagen, wonach die EZB ihre Möglichkeiten ausschöpfen werde, um die Teuerung wieder in Richtung Inflationsziel zu bringen und der Europäischer Gerichtshof als zuständig angesehen wird, nichts Neues beinhalten.

Die Vorgaben aus dem asiatischen und späten US-Handel sprechen für eine Eröffnung der Staatsanleihen aus den Kernländern mit leichten Kursgewinnen. Die Bundesanleihen und ihre Peers dürften noch einen Teil der Renditerückgänge der Treasuries aus dem späten US-Handel nachvollziehen.

Heute morgen liegen die Kurse der Treasuries am langen Ende der Kurve ebenfalls leicht im Plus. Auf dem langen Ende der Bundkurve dürfte bis zum Abschluss der Aufstockung der 2048-er Laufzeit dennoch leichter Abgabedruck herrschen.

Bei den Staatsanleihen aus der Peripherie dürfte sich ein differenziertes Bild zu Handelsbeginn zeigen. Spanische Anleihen gehen unbelastet von Aufstockungen in den Handel. Sie könnten ihre Renditerückgänge zu Handelsbeginn fortsetzen, während sowohl auf der italienischen und dem langen Ende der portugiesischen Zinskurve Anleiheaufstockungen bis zum Abschluss der Transaktionen lasten. Gerade die italienischen Bonds dürften ihre Underperformance fortsetzen.

Konjunkturdaten

Schwache Industrieproduktiondaten aus dem Euroraum für den März werden keine Überraschung darstellen. Dazu fielen die bereits veröffentlichten Daten aus einzelnen Euroländern viel zu schlecht aus. Reaktionen bei den Staatsanleihen aus dem Euroraum wird es daher nicht geben.

Von den US-Erzeugerpreisen sind ebenfalls keine Impulse für die Rentenmärkte zu erwarten. Der Nachfrageeinbruch sowie die erheblich gesunkenen Preise für Energie werden dürften zu derals sehr gering prognostizierten Preisdynamik führen. Deflationssorgen wären jedoch aufgrund der sehr expansiven Fed-Geldpolitik verfrüht.

Primärmarkt

Mit Deutschland, Italien, Lettland und Portugal werden auch ohne neue syndizierte Emissionen immerhin vier Euroländer planmäßig den Kapitalmarkt anzapfen. Das größte Volumen wird durch das italienische Schatzamt platziert werden.

Insgesamt werden vier Anleihen mit einem Gesamtvolumen von bis 9 Milliarden Euro aufgestockt. Bedient werden dabei mit Laufzeiten Bis Juni 2023, Januar 2027, März 2035 und März 2040 große Teile der Laufzeitenspektrums. Die Anleger dürften im Vorfeld der Platzierung weitere Renditezugeständnisse verlangen.

Gegen die italienischen nehmen sich die portugiesischen Aufstockungsvolumina gering aus, denn Portugal will nur bis zu 1,25 Milliarden Euro mit der Aufstockung der beiden bis Oktober 2025 und 2030 laufenden Anleihen erlösen. Das sollte die Aufnahmebereitschaft der Anleger vor keine sonderlich großen Herausforderungen stellen.

Die deutsche Finanzagentur wird die ehemalige 30-jährige Benchmarkt - Laufzeit 2048 - um 1 Milliarde Euro aufstocken. Besonders attraktiv ist der Bond trotz des jüngsten Renditeanstiegs nicht, denn die Aufstockungsrendite wird erneut negativ sein.

Immerhin wurden die neue 7-jährige Bundesanleihe sehr gut aufgenommen, obwohl die Bepreisung mit einer Emissionsrendite von -0,62% nicht sonderlich attraktiv ausfiel. Dass die Aufstockung der 2048-er Laufzeit davon profitieren kann, ist aufgrund ihres anderen Risikoprofils nicht zu erwarten. Das geringe Emissionsvolumen hingegen kann eine technische Unterdeckung möglicherweise verhindern.

Das geringste Emissionvolumen ist bei der Aufstockung der bis Januar 2025 laufende lettischen Anleihe zu erwarten. Es dürfte wie bei den Erhöhungen des umlaufenden Volumens zuvor im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Alle Aufstockungen werden ohne die Unterstützung durch Fälligkeiten auskommen müssen.

Am Abend wird das US-Treasury 22 Milliarden Dollar eines neuen 30-jährigen T-Bonds platzieren. Die Aufnahme der 10-jährigen T-Notes am Dienstag deutet darauf hin, dass es trotz der Ausweitung der Emissionsaktivität am langen Ende der Kurve Aufnahmebereitschaft gibt, denn das neue Papier kam bei den Investoren trotz des Emissionsvolumens von 32 Milliarden Dollar gut an. Die US-Geldpolitik, die darauf ausgelegt ist, das Niedrigzinsumfeld langfristig zu manifestieren, könnte die Nachfrage befeuert haben.

MEHR:Der Tag mit Bloomberg: Commerzbank-Rückstellungen, ABN-Verlust

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.