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Renten am Morgen: Portugal macht es Spanien beim Haushalt vor

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Portugal macht es Spanien beim Haushalt vor

(Bloomberg) -- Die wirtschaftlichen Perspektiven haben das Zepter an den Rentenmärkten übernommen, nachdem sich die geopolitische Lage vorerst beruhigt hat. Das jedenfalls war am Freitag zu beobachten. Abgesehen von der leichten Reduzierung der Unterbeschäftigungsquote vermochte der US-Arbeitsmarktbericht nicht zu überzeugen, obwohl die Jobmaschine vor allem im Dienstleistungsbereich weiterhin läuft.

Die Renditen der Treasuries gaben nach. Ihnen folgten die Staatsanleihen aus dem Euroraum. Da die Renditen am langen Ende der Zinskurve etwas stärker zurückgingen als am kurzen, wurden diese etwas flacher.

Besonders deutlich fielen die Kursgewinne der italienischen Staatsanleihen aus. Die Rendite der 10-jährigen BTPs ging auf den niedrigsten Stand seit 17. Dezember zurück. Im Ergebnis nähert sich der Spread zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen der Marke von 150 Basispunkten allmählich wieder an.

Die Investoren scheint wieder die Carry anzulocken, die die italienischen Bonds im Vergleich zu ihren Peers bieten. Die Risiken für die Koalitionsregierung bleiben jedoch bestehen.

Gerade der Ausgang der Regionalwahlen in der traditionellen Hochburg der Fünf-Sterne-Bewegung, Emilia-Romagna, am 26. Januar könnte für die Koalition zum Wegweiser werden. Sollte die Fünf-Sterne-Bewegung massiv an Wähler verlieren, dürfte das nicht ohne Auswirkung auf die Politik der Bewegung und damit die Regierung bleiben. Insofern könnten die Anleger spätestens vor der Regionalwahl auch wieder vorsichtiger im Hinblick auf BTPs werden.

Die spanische Politik wird ähnlich wie die italienische von den Anlegern in nächster Zeit genau beobachtet werden. Am Sonntag hat Ministerpräsident Pedro Sanchez sein Kabinett vorgestellt. Bisher hat die links-gerichtete Regierung die Anleger nicht verunsichert, obwohl Reformen zurückgedreht und Steuern erhöht werden sollen.

Letztlich wird es vor allem darum gehen, ob die Haushaltspolitik solide bleibt. Sofern die Haushaltsplanungen keine erheblich über die bereits der Europäischen Kommission vorgelegten Deckungslücken aufweisen sollten, dürften die Anleger entspannt bleiben.

In gewisser Weise führt das kleine Nachbarland Portugal vor, wie es gehen kann. Am Freitag ist es der portugiesischen Minderheitsregierung unter Antonio Costa gelungen, für den Haushalt für das Jahr 2020 bei einer ersten Abstimmung eine einfache Mehrheit zu erhalten. Das besondere an diesem Haushalt ist der geplante Überschuss. Ein Novum für Portugal. Die endgültige Abstimmung ist für den 6. Februar geplant.

Die Planungssicherheit in Haushaltsfragen könnte sich durchaus positiv für portugiesische Bonds im Vergleich zu spanischen auszahlen, obwohl die portugiesischen ausgezeichnet performt haben.

Die Teillösung des Handelskonflikt zwischen China und den USA dürfte im Laufe des Tages ebenfalls eine Rolle an den Bondmärkten spielen. Schließlich wird die chinesische Delegation in Washington erwartet. Von besonderem Interesse sind die konkreten Vereinbarungen, die mit dem ersten Handelsabkommen zwischen beiden Ländern getroffen wurden, wie deren Einhaltung überwacht werden soll und wie die Sanktionsmaßnahmen bei Verstößen aussehen werden.

Überwiegend leichte Kursgewinne an den asiatischen Aktienmärkten gepaart mit steigenden US-Aktienmarkt-Futures bei kaum geänderten US-Bond-Futures - Cash-Handel mit Treasuries fand aufgrund eines Feiertags in Japan nicht statt - dürften den Staatsanleihen aus den Kernländern einen Start in den Montag mit leichten Kursverlusten bescheren.

Die Semi-Kernländer dürften sich der Bewegung der Kernländer anschließen, während es bei den Staatsanleihen aus der Peripherie divergierende Bewegungen geben dürfte. Portugiesische Bonds sollten zumindest gegenüber ihren spanischen Pendants eine leichte Outperformance aufgrund der Verabschiedung des Haushalts in einer ersten Lesung verzeichnen können. BTPs dürften im Hinblick auf Carry ihre Outperformance noch einmal fortsetzen.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender hält zu Wochenbeginn wenig an neuen Konjunkturinformationen bereit, die Einfluss auf die Renditeentwicklung nehmen könnten.

Die italienischen Einzelhandelsumsätze aus dem November dürften einen Einblick in den Zustand des privaten Verbrauchs geben. Immerhin erwarten die von Bloomberg befragten Volkswirte einen Anstieg von 1,4% im Jahresvergleich. Die Daten müssten jedoch schon sehr deutlich von den Schätzungen abweichen, damit die Renditen der italienischen Staatsanleihen darauf reagieren. Auf andere Regionen des Euroraums werden sie sowieso nicht abstrahlen.

Die endgültigen Konsumentenpreisdaten aus Portugal für Dezember werden ignoriert werden. In den USA wird lediglich das monatliche Haushaltsdefizit bekanntgegeben. Einfluss auf die Treasuries wird die Zahl jedoch nur in dem Fall haben, in dem das Haushaltsdefizit hoch ausgefallen ist.

Im Lauf des Nachmittags äußern sich mit Eric Rosengren und Raphael Bostic zwei US-Notenbankvertreter zu den wirtschaftlichen Perspektiven sowie zur Geldpolitik. Viel Neues sollte nicht erwartet werden. Außerdem sind beide Notenbanker derzeit im FOMC nicht stimmberechtigt.

Primärmarkt

Am Montag werden vor allem Geldmarktpapiere von Ländern des Euroraums angeboten. Deutschland tritt mit 3-Monatspapieren in einem Umfang von 2 Milliarden Euro an die Anlegern heran. Frankreich kommt mit Laufzeiten von drei, sechs und zwölf Monaten mit einem Gesamtvolumen von bis zu 4,5 Milliarden Euro an den Geldmarkt. Während die deutsche Emission ohne Unterstützung von Rückzahlungen auskommen muss, werden französische Geldmarktpapiere in einem Umfang von 5,1 Milliarden Euro fällig.

Das littauische Schatzamt wird mit einer Aufstockung am Kapitalmarkt vorstellig. Das Volumen des bis zum 21. November 2025 laufenden Bonds wird erhöht. Die Aufstockungsvolumina sind üblicherwesise im zweistelligen Millionenbereich anzusiedeln. Zusammen mit der starken Investorennachfrage zu Jahresbeginn werden die Bonds einfach zu platzieren sein. Die Änderung des Rating-Ausblicks auf positiv durch DBRS am Freitagabend könnte ebenfalls unterstützend für die Emission wirken.

Am Abend wird das US-Schatzamt 78 Milliarden Dollar in Laufzeiten von drei und sechs Monaten platzieren. Mit Fälligkeiten von rund 84 Milliarden Dollar wird dem Geldmarkt sogar wieder Liquidität zugeführt.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Rita Hagedorn

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