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Renten am Morgen: Politische Probleme in Italien reißen nicht ab

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Politische Probleme in Italien reißen nicht ab

(Bloomberg) -- Die Renditen der Treasuries haben über die Weihnachtsfeiertag den Rückwärtsgang eingelegt. Damit wurde die Marke von 2% für 10-jährige T-Notes dann doch nicht mehr in Angriff genommen. Die Emissionen der 5- und 7-jährigen Papiere am 24. und 26. Dezember wurden problemlos verdaut. Die am Jahresende üblicherweise geringe Liquidität machte sich also nicht negativ bei den beiden Platzierungen bemerkbar. Wirtschaftsdaten spielten für die Renditeentwicklung dagegen eine untergeordnete Rolle.

Am 24. Dezember hat Griechenland seine Refinanzierungsstrategie für das Jahr 2020 veröffentlicht. Die Planungen des nationalen Schatzamtes sehen vor, dass die Anleger mit Bondemissionen zwischen 4 und 8 Milliarden Euro rechnen können. Das günstige Refinanzierungsumfeld soll genutzt werden. Zudem möchte das Land den Investoren auch eine Kurve anbieten.

Zugleich verfügt das Land nach Angaben des griechischen Schatzamtes Ende September 2019 über Cash-Reserven von etwa 32 Milliarden Euro - vorausgesetzt die fällig werdenden Schätze können gerollt werden. Mit dem Kassenbestand könnten die Anleihefälligkeiten von etwas mehr als 4 Jahren bedient werden. Diese Informationen dürften nach der starken Rückgang der Renditen für griechische Staatsanleihen die Anleger durchaus beruhigen.

Allerdings darf die griechische Regierung dann nicht allzu stark von den Haushaltsplanungen abweichen, die mit den europäischen Institutionen vereinbart worden sind. Für Griechenland wird es nun darauf ankommen, wie schnell die Bonität des Landes in den Investment-Grade-Bereich zurückkehren wird, so dass wieder mehr Investoren erreicht werden, die lediglich in diesem Qualitätsbereich anlegen dürfen.

Außerdem winkt mit dem Investment-Grade-Status die Aufnahme in die Anleiheankäufe durch das System Europäischer Zentralbanken. Entsprechend wird im kommenden Jahr vor allem auf die Bonitätseinschätzungen von DBRS und S&P Global zu achten sein. Beide Bonitätswächter haben ein Rating von “BB-” mit einem positiven Ausblick vergeben. Es fehlen also noch drei Notches bis zum Investment Grade. Das ist auf Sicht eines Jahres allerdings ein schwer erreichbares Ziel, da die Ratingagenturen wie beispielsweise S&P Global nur zweimal im Jahr eine Aktualisierung der Einschätzung planen.

Die politischen Probleme in Italien machten vor dem Jahresende keinen Halt. Der italienische Bildungsminister, der Mitglied der Fünf-Sterne-Bewegung ist, trat aufgrund eines Mangels an Finanzierung für den Bildungssektor zurück. Zugleich plant er gemäß einer Meldung von ANSA, die Fünf-Sterne-Bewegung zu verlassen und seine eigene Gruppierung im italienischen Parlament zu gründen, die Regierung jedoch weiterhin zu unterstützen. Das macht einmal mehr die fragile Verfassung der italienischen Regierung deutlich.

Die Underperformance der italienischen Staatsanleihen gegenüber ihren Peers und den Staatsanleihen aus den übrigen Euroländern könnte am Freitag und vermutlich bis zum Jahresende ihre Fortsetzung finden.

Die leichten Renditerückgänge der Treasuries seit Handelsschluss mit Staatsanleihen aus dem Euroraum am Montag sprechen für Renditerückgänge zu Handelsbeginn am Freitag. Das dürfte in besonderem Maße für die Papiere von der iberischen Halbinsel gelten, die von dem Risk-on an den Kapitalmärkten besonders stark profitieren sollten. Die BTPs dürften aufgrund der erneut aufflackernden politischen Probleme im Land erneut eher unter Abgabedruck geraten.

Konjunkturdaten

Datenseitig herrscht am Freitag Ebbe. Die Ertragsentwicklung der chinesischen Industrieunternehmen fiel im Vergleich zum Vorjahr im November und nach den schwachen Vormonaten ganz erfreulich aus. Mit den positiven Vorgaben aus den Weihnachtsfeiertagen aus den USA legten die chinesischen Aktienmärkte ebenfalls zu. Die Anleger setzen wohl darauf, dass die Schwächephase mit dem Inkrafttreten der ersten Handesabkommens zwischen China und den USA ein Ende hat.

Bislang steht jedoch der Termin für die Unterzeichnung des Abkommens und seinem Inkrafttreten nicht fest. Die chinesische Seite teilte zwar mit, dass China und die USA im engen Austausch zum Prozedere für die Unterzeichnung des ersten Handelsabkommens stehen. Weitere Informationen gab es nicht. Und damit steht der Termin für die Senkung der US-Importzölle noch nicht fest.

Im Verlauf des Vormittags werden lediglich Einzelhandelsumsätze aus Spanien für den November gemeldet. Ergänzt wird das um die Veröffentlichung des Wirtschaftsberichts der Europäischen Zentralbank. Überraschungen sollte es nicht geben, sind doch Teile des Berichts bereits am vergangenen Freitag veröffentlicht worden.

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