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Renten am Morgen: Performancesicherung vor der Weihnachtswoche

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Performancesicherung vor der Weihnachtswoche

(Bloomberg) -- Erneut haben die Staatsanleihen aus dem Euroraum im Fahrwasser der Treasuries vor allem am langen Ende der Zinskurven angezogen. Die Rendite der 10-jährigen Bunds näherte sich am Donnerstag allmählich der Marke von -0,2%. Viel an Impulsen - beispielsweise durch erneut steigende Renditen in den USA - fehlt nicht mehr, um sie dorthin zu treiben.

Die Kursverluste in der Peripherie fielen angeführt von Italien etwas stärker aus als in den Kern- und Semi-Kernländern. Die griechischen Bonds gaben sogar mehr als ihre Vortagsgewinne wieder ab. Trotz einer wahrscheinlichen Fortsetzung der Renditejagd im kommenden Jahr deuten die deutlichen Renditeanstiege auf Gewinnmitnahmen trotz der ausgedünnten Liquiditätslage hin.

Schließlich gingen die Renditen in beiden Ländern im Verlauf des Jahres 2019 kräftig zurück. Zugleich bleiben zahlreiche Probleme wie die hohe Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt oder die Strukturschwäche in beiden Ländern bestehen.

In Spanien deuten sich Verzögerungen bei der Regierungsbildung an, da die Partei der katalonischen Separatisten die Gespräche mit den Sozialisten über die Unterstützung nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs erst einmal ausgesetzt hat. Die Gespräche sollten nach am Donnerstag von El Pais sowieso erst nach Weihnachten fortgesetzt werden.

Insofern gerät der Zeitplan für die Regierungsbildung noch nicht ins Wanken, sofern an der Terminplanung festgehalten werden kann. Sollten sich die Gespräche jedoch verzögern oder die Katalanen sich dazu entschließen, eine sozialistische Regierung nicht zu unterstützen, drohen unter Umständen erneute Neuwahlen in 2020.

Bisher sind die ökonomischen Auswirkungen durch das Fehlen einer durch das Parlament bestätigten Regierung im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum oder die fiskalische Situation Spaniens gering. Das Land weist eine der höchsten Wachstumsraten im Euroraum aus.

Die Anleger sind ebenfalls entspannt, was sich an den inzwischen zwar gestiegenen, aber immer noch sehr geringen Renditen für spanische Staatsanleihen ablesen lässt. Offen bleibt jedoch, wie lange die Anleger diese ohne im Amt bestätigte Regierungssituation akzeptieren werden. Solange Wachstum und Fiskalpolitik Bondanleger-freundlich sind, dürften sie ruhig bleiben. Mit dem System europäischer Zentralbanken bleibt außerdem ein permanenter Investor im kommenden Jahr an Bord.

Der Blick der Investoren wird sich am Freitag nach London richten. Das Unterhaus wird über das Brexitabkommen abstimmen. Mit der Tory-Mehrheit ist die Zustimmung als sicher anzusehen. Die Debatte über die geplante nicht Verlängerbarkeit der Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020, bis zu der Großbritannien ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union erreichen will, wird der weitaus interessantes Teil sein.

Letztlich droht ohne Abkommen erneut der ungeregelte Austritt der Briten aus der Europäischen Union mit allen schwer prognostizierbaren Folgen. Alle Beteiligten haben aber zwölf weitere Monate Zeit, sich auch auf diesen Fall einzustellen. Das bedeutet jedoch Kosten und Unsicherheit. Für eine Entwarnung in Sachen Brexit ist es zu früh. Als Stützungsfaktor für die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernändern des Euroraums bleibt der Brexit erhalten.

Neben London dürften die Entwicklungen in Paris ebenfalls von Interesse für die Anleger sein. Die Auseinandersetzungen über die Rentenreform der Macron-Regierung gehen weiter. Sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen, dürfte die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Gewerkschaften nicht nur auf die Stimmung von Unternehmen und Konsumenten drücken, sondern sich in harten Daten bemerkbar machen - insbesondere in dem Fall, in dem sich die Streiks in das nächste Jahr hineinziehen. Und nach einem Einlenken sieht es zurzeit nicht aus.

Die Anleger scheinen noch darauf zu setzen, dass sich die Auswirkungen der Streiks in Grenzen halten werden oder es Nachholeffekte nach Ende der Auseinandersetzung geben wird. Die OAT-Spreads blieben jedenfalls stabil. Mit fortschreitender Dauer der Streiks dürfte sich das jedoch ändern.

Zum Handelsbeginn mit Staatsanleihen aus dem Euroraum stehen die Zeichen trotz gemischter Vorgaben aus dem asiatischen Handel auf erneute Kursverluste. Davon sollten sowohl Kernlandbonds als auch Papiere aus den Semi-Kernländern sowie der Peripherie betroffen sein. Der Anstieg der Rendite der Renditen am langen Ende der Treasury-Kurve hat sich zwar verlangsamt. Die 2% für 10-jährige T-Notes bleiben in Reichweite.

Konjunkturdaten

Aus dem Euroraum werden zwar zahlreichen Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Die überwiegende Zahl der Informationen wie beispielsweise Erzeugerpreisdaten aus Frankreich, Italien oder Irland sind ebenso der zweiten Reihe zuzuordnen wie Außenhandels- bzw. Leistungsbilanzdaten aus Spanien, dem Euroraum oder Italien.

Selbst das GfK-Konsumklima für den Januar aus Deutschland wird die Rentenmärkte kaum bewegen. In den vergangenen Monaten lieferte es unter leichten Schwankungen nämlich immer das gleiche Bild: Der deutsche Konsument ist in Ausgabenlaune und plant künftig neue Anschaffungen. Seine Funktion als Stütze für die Wirtschaftsleistung in Deutschland wird der private Verbrauch behalten.

Die lokalen italienischen Stimmungsindikatoren könnten die Kursentwicklung der BTPs zusätzlich beleben. Die von Bloomberg befragten Volkswirte gehen von einer leichten Aufhellung der Laune im verarbeitenden Gewerbe und bei den Verbrauchern aus.

Ohne diese erwartete Verbesserung dürften die Renditen der BTPs leicht steigen. Die Sorgen vor einem schwachen Wirtschaftswachstum, das Zweifel an der Schuldentragfähigkeit in den Fokus rücken lassen, wird den dämpfenden Effekt von schwachem Wachstum beispielsweise auf die Teuerung überlagern. Letztere ist sowieso sehr gering.

Datentechnisch spielt die Musik jedoch in den USA. Unter anderem wird die dritte Schätzung für das Bruttoinlandsbrodukt im dritten Quartal veröffentlicht. Wenn es zu Anpassungen kommen sollte, dürften sie nur noch sehr überschaubar ausfallen und keine Bewegung der Treasuries auslösen.

Mehr Informationen über den Zustand und die Zukunft des privaten Verbrauchs werden die Entwicklung der persönlichen Einkommen und Ausgaben sowie der endgültige Wert des Indikators der Universität Michigan liefern.

Einkommen und Ausgaben sollen im Monatsvergleich ordentlich zugelegt haben, was auf einen robusten privaten Verbrauch hindeuten würde. Bestätigt würde das durch den Uni Michigan-Indikator, wenn der Wert nicht all zu stark von der Schnellschätzung abweicht. Tendenziell dürften starke Werte den Anstieg der Treasury-Renditen beschleunigen.

Die PCE-Deflatoren für den November, die zusätzlich veröffentlicht werden, dürfte die US-Notenbanker in ihrer abwartenden Haltung bestätigen. Die Preisdynamik ist im Vorjahresvergleich eher gering.

Primärmarkttransaktionen von Schatzämtern aus dem Euroraum sowie aus den USA oder Aktualisierungen von Bonitätseinschätzungen für Länder des Euroraums sind für den heutigen Freitag nicht geplant.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

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