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Renten am Morgen: Neubepreisung der Risiken setzt sich fort

Dirk Gojny

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern des Euroraums sind am Dienstag im Vergleich zum Vortag kaum verändert aus dem Handel gegangen. Bei den Staatsanleihen aus der Peripherie sowie den US-Treasuries gab es dagegen etwas mehr Bewegung. Die Renditen der Treasuries gingen teils deutlich zurück, so dass die 10-jährigen T-Notes inzwischen unterhalb von 1,8% rentieren.

Die Bonds aus der Peripherie - angeführt von den italienischen Staatsanleihen - standen einmal mehr unter etwas Abgabedruck, so dass sich die Spreads gegenüber Bundesanleihen erneut ausweiteten. Ähnliche Bewegungen waren bereist mehrfach zu beobachten.

Den Analysten der Commerzbank zufolge scheinen Gewinnmitnahmen zum Jahresende die dominierenden Treiber zu sein. “Vor allem ausländische Investoren sollten angesichts der zunehmenden politischen Unsicherheit in Spanien und Italien zögern, ihr Exposure zu diesem späten Zeitpunkt des Jahres erneut zu erhöhen”, führte Michael Leister von der Commerzbank in Frankfurt bereits am Dienstagmorgen aus.

Der Konflikt zwischen den USA und China könnte demnächst noch eine weitere Dimension erhalten. Nach dem Repräsentantenhaus verabschiedete der Senat am Dienstag einen Gesetzentwurf, der den Demonstranten in Hongkong den Rücken stärkt. Da sich die beschlossenen Entwürfe unterscheiden, muss sich der Kongress auf einen gemeinsamen Text verständigen und in den jeweiligen Kammern noch einmal abstimmen. Erst dann kann die Verordnung dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden.

Es dürfte also noch etwas dauern, bis Donald Trump die Gesetzesvorlage unterschreiben kann - sofern sich der Kongress auf einen gemeinsamen Nenner einigt. Von chinesischer Seite wurde mit Gegenmaßnahmen gedroht, sollte das Gesetz ratifiziert werden. Die Investoren scheinen in diesem Zusammenhang die Chancen für den Abschluss eines ersten Handelsabkommens schwinden zu sehen.

Unmittelbar nach dem Senatsbeschluss gefolgt von der chinesischen Reaktion gingen die Rendite der US-Treasuries gerade bei den mittleren und langen Laufzeiten um rund drei Basispunkte zurück. Sowohl US-Aktien- als auch asiatische Aktienmarkt-Futures lagen im Minus.

Abgesehen von den Aussagen des amerikanischen Handelsministers, Wilbur Ross, wonach es in der US-Administration die Hoffnung gäbe, es könne ein Abkommen mit China erreicht werden, sind keine neuen Informationen zum Handelskonflikt verfügbar.

Inzwischen ist der Zeitplan für den Abschluss eines ersten Abkommens ebenfalls unklar. Nach Absage der internationalen Konferenz in Chile, dem ursprünglich ausgewählten Unterzeichnungsort, ist über einen Zeitplan nichts bekannt. Vermutlich werden die Konfliktparteien den 15. Dezember im Blick haben, an dem die USA die nächste Runde von Zöllen auf chinesische Warenimporte in Kraft setzen könnten.

Das Ende des Konflikts zwischen den USA und China ist weiterhin nicht absehbar. Was ein erstes Handelsabkommen zwischen beiden Ländern für die Weltwirtschaft bedeutet - Chance auf eine Aufhellung der wirtschaftlichen Perspektiven -, bleibt im Dunkeln. Schließlich gibt es weder Details zu den Inhalten noch einen Zeitplan für Unterzeichnung und Umsetzung der Vereinbarungen. Treasuries und Anleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern des Euroraums sollte davon profitieren.

Im Tagesverlauf steht die Veröffentlichung der Einschätzungen der Europäischen Kommission zu den einzelnen Haushaltsentwürfen der Euroländer an. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wird ein Debatte über die Kommissionsempfehlungen und Einschätzungen zwar weniger kontrovers verlaufen, weil die italienische Regierung einen europafreundlichen Kurs eingeschlagen hat.

Nichtsdestoweniger werden die Beurteilungen der Kommission einen Eindruck darüber vermitteln, wie stark die Haushalte einzelner Länder auf Kante genäht sind und welche unerwarteten Entwicklungen die jeweiligen Haushaltplanungen ins Wanken bringen werden. Wahrscheinlich werden von dem einen oder anderen Land noch Nachbesserungen verlangt.

Von den Auftritten der europäischen Notenbanker sind dagegen wenig Handelsimpulse zu erwarten. Olli Rehn und Philip Lane dürften daraufhin weisen, dass die Europäische Zentralbank immer noch Handlungsspielraum hat, um die Geldpoltik gegebenenfalls zu lockern. Der irische Notenbankvertreter, Gabriel Makhlouf, wird seine erste öffentliche Rede halten.

Ob das FOMC-Protokoll neue Erkenntnisse zur künftigen Geldpolitik bringen wird, ist zu bezweifeln. Die meisten US-Notenbanker positionierten sich dazu im Nachgang zur Tagung bereits. Jerome Powell machte deutlich, dass die Notenbanker nun erst einmal abwarten werden, wie sich die Datenlage entwickelt, auch wenn der New York Fed-Präsident vor allem Abwärtsrisiken für die wirtschaftlichen Perspektiven der USA sieht. Neu ist das jedoch nicht.

Mit den Vorgaben aus dem asiatischen Handel dürften die Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern mit Kursgewinnen in den Tag starten. Die Bundkurve könnte aufgrund der Platzierung der Aufstockung der 2050er Laufzeit am langen Ende dennoch etwas gegen die Peers underperformen. Ansonsten wird es vor allem der Handelskonflikt sein, der die weitere Richtung vorgibt.

Konjunkturdaten

Abgesehen von den deutschen Erzeugerpreisdaten, die im Oktober leicht zurückgingen, gibt es keine weiteren bedeuten Wirtschaftsdaten.

Der Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank wird zwar viel Beachtung finden. Auf die Bondmärkte dürfte er jedoch keinen Einfluss nehmen.

Primärmarkt

Die deutsche Finanzagentur sowie das lettische Schatzamt werden jeweils mit Transaktionen am Kapitalmarkt aktiv. Die Finanzagentur wird 1,5 Milliarden Euro der aktuellen 30-jährigen Benchmark unter die Investoren bringen. Immerhin könnten sich potenzielle Anleger über eine positive Rendite für das ultra-lange Ende der deutschen Kurve freuen.

Bis zum Handelsschluss am Dienstag standen die Zeichen auf eine erfolgreiche Platzierung, denn die Performance des Langläufers lag in etwa auf dem Niveau der Peers. Dass die Aufstockung ohne Konzessionen von statten gehen wird, bleibt unwahrscheinlich. Vor Ende der Platzierung dürfte das lange Ende der Bund Kurve im Vergleich zu den Peers underperformanen. Es sei denn, es kommt zu einer starken Risk-off-Bewegung,

Das Volumen, um das die bis Ende Januar 2025 laufende lettische Staatsanleihe aufgestockt werden soll, dürfte gering ausfallen. Entsprechend wird die Emission keine Auswirkungen auf die Bondmärkte haben.

Am Geldmarkt wird Finnland aktiv. Angeboten werden Papiere mit drei und sechs Monaten Laufzeit. Zusammen will das finnische Schatzsamt 1,5 Milliarden Euro einwerben. ZUgleich wird ein T-Bill über 1,1 Milliarden Dollar fällig, so dass einer erfolgreichen Platzierung kaum etwas im Wege steht. Allerdings werden vermutlich nicht alle Dollar-Investoren auf eine Euro-Papier umschwenken.

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